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Armes Hollywood: Oscars ohne Glanz und Glamour?

Limousinen, Botox, Partys... Nur drei der unzähligen Kostenpunkte der jährlich stattfindenen Oscar-Verleihung. Doch was, wenn nach den Golden Globes nun auch die Oscars auf Grund des Autoren-Streiks ins Wasser fallen? Für Hollywood wäre es eine finanzielle Katastrophe.

Von Frances Schoenberger

Dienstagmorgen um 6 Uhr, gleich nachdem die Oscar-Nominierungen bekannt gegeben wurden, stürmte eine Horde von Presseleuten auf Sid Ganis zu. Der Präsident der "Academy of Arts and Picture Sciences" fand sich mit den immer gleichen Fragen bombardiert: Findet der Oscar überhaupt statt? Gibt es einen Plan B, falls der schon drei Monate dauernde Streik der Autoren bis dahin nicht behoben ist? Was wird aus dem Oscar, wenn die Stars fernbleiben? Eine klare Antwort bekam keiner.

Nur eines steht fest: Die Golden-Globe-Tragödie will niemand wiederholen; da wurden die Gewinner nämlich wegen dem Autorenstreik in einer uneleganten Pressekonferenz bekannt gegeben, anstatt, wie sonst üblich, in einem starüberfluteten Galaevent. "Die Bühne wird gebaut, der rote Teppich wird ausgerollt", versichert Louis J. Horvitz, Director der 80. Oscar-Show. Denn es gibt einen Lichtblick. Am selben Tag der Bekanntgabe der Nominierungen trafen sich die Vertreter der Writer's Guild (Gewerkschaft der Drehbuchautoren) und Studio Bosse endlich wieder für informelle Gespräche, zum ersten Mal seit dem 7. Dezember. Die erfolgreichen Vertragsverhandlungen der Director's Guild (Gewerkschaft der Regisseure) brachte die festgefahrenen Parteien wieder an den Verhandlungstisch. Allerdings steht es in den Sternen, ob die Autoren sich auf einen ähnlichen Deal wie die Regisseure einlassen werden.

Was passiert, wenn die Stars zu Hause bleiben?

Deswegen bereitet Oscar-Produzent Gil Cates vorsichtshalber eine Show aus Filmclips von unvergesslichen Oscar-Momenten vor. "Diese Show des 80. Academy Award wird die Geschichte der Oscars dokumentieren, ob nun gestreikt wird oder ob der Streik noch rechtzeitig beendet wird. Die Show findet statt."

Trotz dieses Statements ist jeder, der mit der Show zu tun hat, nervös. Oscar ohne Stars bedeutet eine finanzielle Kathastrophe: insgesamt ein Verlust von ungefähr 300 Millionen Dollar. Diese Summe errechnete die amerikanische Fachzeitschrift "Ad Age". Allein mit der Übertragung der Oscar-Zeremonie verdient der TV Sender ABC 80 Millionen Dollar durch Werbeeinnahmen. MasterCard bereitet speziell für die Übertragung neue Werbefilme vor, jedoch vorsorglich so produziert, dass sie notfalls auch für andere Sendungen funktionieren. Proctor&Gamble und General Motors haben Werbezeit während der Übertragung gebucht, sind aber mit ABC in Verhandlung um sich abzusichern, falls der Streik den Abend - und die Zuschauerzahlen - negativ beeinflusst. Ein Sprecher von Coca Cola, die auch mit Werbezeit beim Oscar vertreten sind, meinte: "Wir beobachten die Situation."

Für die Stadt Los Angeles ist der Oscar-Abend circa 130 Millionen Dollar wert, bestätigt Jack Kyser, Chef-Volkswirt der Los Angeles Economic Development Corp. Das schlüsselt sich in etwa so auf: 54 Millionen Dollar in Werbeanzeigen geben die Studios in ihren Oscar-Kampagnen für die verschiedenen Filme und deren Schauspieler aus. Produzent Walter Parkes: "Die drei Stunden Oscar-Übertragung haben für die nominierten Filme einen unbezahlbaren Wert. Es macht die Zuschauer auf der ganzen Welt neugierig auf die Filme, und sie gehen danach ins Kino."

Partys, Botox, Limousinen

51 Millionen Dollar hoch sind die Produktionskosten für die Veranstaltung selbst im berühmten Kodak Theatre am Hollywood Boulevard. Dazu gehört auch der jährliche Lunch für alle Nominierten und der berühmte "Governor's Ball" nach der Verleihung. 26,5 Millionen Dollar werden für Limousinen, Sicherheitspersonal, Gift Bags für die Nominierten, Stylisten, Haar-Salons, Botox, Sonnenstudios und so weiter ausgegeben. Ganz besonders wäre die Latino Community, die eine Mehrzahl der Angestellten in Restaurants und Hotels ausmachen, von einem Oscar-Ausfall betroffen. 4 Millionen Dollar werden für Partys lockergemacht - zwischen 200.000 und 400.000 Dollar pro Party, verteilt über die ganze Stadt. Und schließlich: 5,5 Millionen Dollar geben die Medien für Berichterstattung, Hotel- und Aufenthaltskosten von Journalisten aus, die aus der ganzen Welt anreisen.

Aber es geht noch weiter: Für einen Modeschöpfer bringt das Tragen einer seiner Roben von einem Superstar einen Publicity-Wert von einer Million Dollar, das gleiche gilt für einen Juwelier wie Harry Winston. Insgesamt bedeuten die Oscars für Designer 100 Millionen in PR und potentiellen Einnahmen. Zeitschriften produzieren in der Oscar Woche jedes Jahr mehr und mehr Auflagen – "People Magazine" zum Beispiel druckt 250.000 mehr Ausgaben als während dem Rest des Jahres - und steigert dadurch den Gewinn durch Anzeigen erheblich.

Die ganze Welt schaut und zahlt

Die jährliche "Vanity Fair"-Oscar-Party bedeutet internationale Berichterstattung in Klatsch-Kolumnen, Zeitschriften, Radio und TV - und somit unbezahlbare Werbung - für das amerikanische Magazin: "Zu diesem Zeitpunkt befinden wir uns in vorsichtigen Vorbereitungen und sind optimistisch."

Die Vorbereitungen für den Oscar laufen auf Hochtouren; aber niemand ist sich der Sache so sicher. Am deutlichsten beschreiben die Worte des Academy Presse Büros in ihrem Veranstaltungskalender die Situation: "Subject to change without notice".