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Armin Rohde: "Wie soll ich den netten Jungen von nebenan spielen?"

Der Schauspieler Armin Rohde erzählt im stern.de-Interview von den Dreharbeiten zu seinem aktuellen Film "Die Bluthochzeit", verrät sein nächstes Projekt und schwärmt von seiner Traumrolle.

Das Drehbuch von "Die Bluthochzeit" ist skurril, die Handlung stark überzeichnet, was haben sie gedacht, als sie zum ersten Mal das Drehbuch durchgeblättert haben?

Da habe ich mich einfach nur gefreut. Die Figur hat mich stark an die Charaktere bei Shakespeare erinnert. Viele Regisseure machen den Fehler, dass sie mit psychologischem Feinschliff an die Figuren herangehen wollen. Was bei meiner Rolle und den Figuren von Shakespeare absolut nicht funktioniert. Die sind auf eine Weise zwischen Himmel und Erde eingeklemmt, da kommen sie mit Interpretation nicht weiter. Sie können fragen, ob der eine schwere Kindheit hatte, ob irgendetwas Schlimmes passiert ist, aber da kommen sie so nicht ran. Es gibt einfach Leute, die sind so.

Ihre Filmrolle, der Geschäftsmann Walzer, ist eine Mischung aus Diktator und Amokläufer...

Es gibt Leute, die sind wie eine eigene Art für sich. Die sind alldem, was sonst unter Menschen gilt, nicht zugänglich. Der Walzer ist auch so jemand. So eine Figur zu spielen ist schon eine sehr schöne Herausforderung. Besonders, wenn der in Situationen kommt, die er nicht mehr im Griff hat, die ihn eigentlich überfordern. Der Walzer tickt dann völlig aus. Das Resultat war so auch nicht von ihm geplant, es passiert einfach. Und das kennt doch jeder aus dem eigenen Leben, da sagt man an einer Stelle einen falschen Satz oder macht eine falsche Bewegung und von da an passiert nur noch Scheiße. Nur weil etwas nicht geschmeckt hat beim Essen, bricht die Katastrophe aus. Es ist gleich ein Krieg im Gange, weil der Krabbencocktail nicht gut war.

Obwohl Walzer ihn ja ganz aufgegessen hat.

Und ob, er hat ihn sogar mit Genuss gegessen. Er merkt ja erst, dass etwas nicht stimmt, als alle anderen das Gesicht verziehen.

Der Walzer ist stark überzeichnet, der gehört eigentlich in eine Gummizelle und nicht als Vater des Bräutigams in eine Hochzeitgesellschaft.

Ja klar, die Figur kommt aus einem Comic. Und ein Comic funktioniert eben nicht nach psychologischen Gesetzmäßigkeiten. Es macht einfach Spaß zu überlegen, was passiert, wenn man sich nicht zivilisiert verhält oder gesittet verhandelt. Die Bluthochzeit ist ein Comic-Thriller und kein Psycho-Drama. Wir haben keinen Dokumentarfilm gedreht oder ein psychologisches Kammerspiel, es ist ein verfilmter Comic, und das soll es verdammt nochmal bleiben.

In St. Pauli Nacht haben sie ebenfalls einen Durchgeknallten gespielt

Oh ja, der irre Postbote: nackt, betrunken und bewaffnet...

Sie mögen solche Rollen?

Das macht einfach Spaß. Wie soll ich denn den netten Jungen von nebenan spielen, den alle als Schwiegersohn wollen? Da wüsste ich gar nicht, wie ich den darstellen soll. Da wäre ich wirklich ratlos und käme an meine Grenzen.

Sie haben richtige Action-Einsätze in dem Film.

Hart war der Showdown nachts auf dem Parkplatz vor dem Restaurant, mit Handgranaten werfen, Schusswaffeneinsatz und Schlägerei. Es war eisig. Und dann immer wieder mit kalten Muskeln auf die harten Steine zu fallen und immer wieder eins in die Fresse zu kriegen, das war nicht immer freudvoll.

Dem deutschen Film wird momentan eine goldene Zukunft prophezeit, spüren Sie den oft beschworenen Aufwärtstrend?

Mich freut es einfach, wenn ich von Freunden und Bekannten höre, dass sie mittlerweile lieber deutsche Filme sehen als die aus Hollywood. Die amerikanischen Schauspieler sind auch nicht alle so witzig und unterhaltsam wie ein Will Smith. Wir haben alles hier in diesem Land, wir haben die Schauspieler, wir haben die Regisseure und die Kameraleute. Wir haben nur nicht die Knete, die die haben.

Wenn Sie frei wählen könnten, welche Rolle würden Sie gerne spielen?

Der Kohlhaas von Kleist wäre so eine Traumrolle von mir. Ich hoffe, da kommt mal ein Drehbuchschreiber oder Produzent auf die Idee, die Rolle für mich zu schreiben. Das fände ich scharf! Ein Mann dem man seine Pferde wegnimmt und der dann nur noch auf Rache aus ist. Rache, sonst nichts. Aber ab Ende Mai beginnen die nächsten Dreharbeiten, da spiele ich den Räuber Hotzenplotz. Darauf freue ich mich auch schon wie ein Schneekönig. Der Hotzenplotz klaut der Großmutter die Kaffeemühle - das finde ich einfach klasse.

Das Interview führte Hauke Friederichs