Münchner im Himmel: Seit ziemlich genau 1911 sind sie dort oben nicht mehr besonders gut gelitten. Der bayerische Autor Ludwig Thoma schickte damals einen hinauf, der sich so fürchterlich aufführte, dass der liebe Gott ihn alsbald wieder hinauswarf, mit Donnergrollen zurück auf die Erde. Dort unten, in München, lieben sie ihren Aloisius dafür umso mehr, auch über 100 Jahre später noch. Man sieht ihn auf Bierkrügen, Shirts, Stoffbeuteln, natürlich auch im Hofbräuhaus und an vielen anderen Ecken der Stadt. Das "Engerl" mit Schnauzbart, Trinkernase und Bierwampe ist dem Münchner so heilig wie Weißwurst und Wiesn. Da hat es schon etwas von Himmelfahrtskommando, wenn jetzt eine modernisierte Interpretation dieser Münchner Gschicht in die Kinos kommt.
In der Zeichentrick-Version von 1962 mit Vortrag von Adolf Gondrell, der heute wohl bekanntesten Bearbeitung des Stoffes, dauert "Der Münchner im Himmel" knapp elf Minuten. Einfach nur mit Ausschmücken kommt man da nicht auf ein kinotaugliches Format von eineinhalb Stunden. Also haben die Autoren Marcus Pfeiffer und Christian Lex auf Basis der Vorlage von Ludwig Thoma eine weitgehend neue Geschichte erdacht. Inszeniert wurde "Ein Münchner im Himmel – Der Tod ist erst der Anfang" von David Dietl, dem Sohn von Kult-Regisseur Helmut Dietl ("Monaco Franze", "Kir Royal"). Es ist ihnen eine gut unterhaltende weiß-blau gekachelte Komödie gelungen. Auf Krügen oder Wandmalereien wird man den neuen Münchner im Himmel aber wahrscheinlich nicht sehen.
Kein neues bayerisches Original
Eine zentrale, für sich durchaus clevere Veränderung: "Ein Münchner im Himmel" erzählt nicht mehr von dem cholerischen Dienstmann Alois Hingerl, den am Hauptbahnhof der Schlag trifft, sondern von einem gewissen Ludwig Anton Brunner (Maximilian Brückner), den alle nur "Wiggerl" nennen. Manche nennen ihn auch einen "verreckten Hund". In der turbulenten ersten Szene türmt Wiggerl vor irgendwelchen zwielichtigen Gestalten, die er mutmaßlich übers Ohr gehauen hat. In der zweiten flüchtet er vor einem wütenden Ehemann, mit dessen Frau er gerade im Bett war.
Als neues bayerisches Original geht der Protagonist dieser Geschichte nur schwerlich durch, dafür fehlt ein bisschen die klare Kontur. Es gelingt David Dietl und dem Autorenteam aber doch, verschiedene Archetypen in Wiggerl zu bündeln – den Hallodri, den Schlawiner, den Stenz, ein bisschen auch den Grantler. Taxifahrer Wiggerl hat das Herz am rechten Fleck und versorgt Obdachlose gerne mal mit Leberkäs. Bei strenger Betrachtung ist er aber vor allem ein kleinkrimineller Schnorrer, Lügner und Ehebrecher, dem nichts heilig ist.
"Scheiß dir nix, dann fehlt dir nix", lautet sein Lebensmotto. Und das zieht er durch bis in den Tod. Als Wiggerl nach einem Autounfall im Himmel landet, versucht er rotzfrech, Petrus (Robert Palfrader) höchstselbst zu bestechen, um irgendwie zurück ins Leben zu kommen. Er habe in seinem Taxi 100.000 Euro versteckt, damit könnten er und Petrus sich doch eine richtig schöne irdische Zeit machen ... Der Himmelswächter lehnt ab, leicht indigniert.
Wiggerl bekommt das Ende, das er verdient
"Von 5 bis 7 Uhr früh Yoga im Wolkenmeer und von 9 bis 10 Uhr Wasser-TRX auf dem Sonnendeck", so sieht das Programm aus. Nichts mehr mit Harfe, "Hosianna" und "Halleluja" im Jahr 2026, selbst das Manna gibt es jetzt nur noch auf Sojabasis. Alles nicht nach dem Geschmack von Wiggerl, der binnen kürzester Zeit seinen Rauswurf durch Gott (mit besonders starkem norddeutschen Schnack: Ina Müller) provoziert. Ein Brief mit "göttlichen Ratschlägen", den der Quälgeist an die bayerische Landesregierung überbringen soll, ist die Lösung, ganz ähnlich wie damals auch bei Aloisius. Für Wiggerl geht das Abenteuer hier allerdings erst richtig los.
So richtig tot ist der zweifelhafte Held nämlich gar nicht, wie sich herausstellt. Er liegt "nur" im Koma und versucht fortan, seinen "Südenkompass" durch gute Taten auf Grün zu stellen, um Körper und Seele zu vereinen und endlich wieder seine geliebte Münchner Luft atmen zu können. Weil: "München, des is der wahre Himmel, verstehst?"
Das mit den guten Taten wird allerdings eine verteufelt schwere Aufgabe. Wiggerls Teenager-Tochter Toni (Momo Beier) ist zunächst die einzige lebende Person, die den Vergeistigten überhaupt sehen kann, und das Verhältnis der beiden ist schlecht. Noch schlechter ist Wiggerls Verhältnis zu Tonis Mutter Kathi (Hannah Herzsprung), die er nach der Trennung mit einem großen Schuldenberg zurückgelassen hat.
Der neue "Münchner im Himmel" Ludwig Anton Brunner alias Wiggerl arbeitet also mit aller Macht darauf hin, für sich doch noch ein gutes Ende zu erwirken. Er hilft seiner Tochter, beim Mathetest zu schummeln, und trifft zwischen Isartor und Feldmoching viele bekannte Gesichter (Heiner Lauterbach, Sigi Zimmerschied, Michaela May). Was man verraten kann: Er wird bekommen, was er verdient, viel mehr als seinerzeit der Engel Aloisius. Und natürlich kommen die dringend benötigten göttlichen Ratschläge für die bayerische Landesregierung auch diesmal nicht an.
Ein Münchner im Himmel - Der Tod ist erst der Anfang, im Kino ab: 14.05.2026