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Charlie Chaplin: Der wahre Held des 20. Jahrhunderts

Genie, Tramp, Star und Liebhaber - Charlie Chaplin war ein Messias des Kinos. Ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod kennen nur wenige seine Filme. Dafür ist sein Erscheinungsbild zur Ikone geworden.

Als Charles Spencer Chaplin in der Heiligen Nacht des Jahres 1977 für immer die Augen schloss, verlor die Welt den populärsten Helden des 20. Jahrhunderts. Keiner vor ihm und keiner nach ihm konnte so viele Menschen, gleich welcher Sprache, Nationalität und Religion, zum Lachen und Weinen bewegen wie dieser kleine Komiker, der einer der größten Künstler der Moderne war. 88 Jahre alt war der gebürtige Brite am Tag seines Todes, der auf allen Kontinenten Schlagzeilen machte und betrauert wurde.

"The Kid", "Goldrausch", "Lichter der Großstadt" "Moderne Zeiten" und "Der große Diktator" - das sind die Titel unvergänglicher Filmklassiker aus der ersten kriegerischen Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, das ohne diese Werke von Chaplin noch viel furchtbarer gewesen wäre. Denn es gelang dem in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsenen Londoner Artistenkind, in dem neuen Medium der bewegten Bilder eine universal verständliche Sprache zu finden. Jean Cocteau hat es treffend als "das Esperanto des Lachens" charakterisiert. Und in der Figur des Vagabunden "Charlie the Tramp" schuf er eine Figur, mit der sich die Armen wie all die kleinen Leute identifizieren konnten und die auch die Reichen und Mächtigen anrührte.

Besuch in Berlin 1931


Der Besuch des damals schon weltberühmten Stars im Frühjahr 1931 in Berlin war ein Triumph ohnegleichen. Die Massen jubelten ihm vor dem Hotel Adlon, in das er abgestiegen war, so begeistert zu wie wenige Jahre später dann dem Dämon Adolf Hitler. Mit diesem verband der 1889 nur vier Tage früher geborene Chaplin nur das Bärtchen, das zum Symbol für die zwei ganz verschiedenen Antlitze des 20. Jahrhunderts wurde. Keiner hat die schreckliche Absurdität Hitlers so gut begriffen und so hinreißend karikiert wie Chaplin in seinem 1940 uraufgeführten Film "Der große Diktator".

Theodor W. Adorno, der diese Abrechnung mit den Nazis eher kritisch beurteilte, schrieb dazu 1962: "Daher ist der Spaß des Faschismus, den auch Chaplins Film registrierte, unmittelbar zugleich das äußerste Entsetzen." Und der große französische Filmtheoretiker Andre Bazin stellte fest: "Indem Chaplin den Schnurrbart Hitlers benutzte, um den Mythos CHARLIE zu reintegrieren, löschte er den Mythos des Diktators aus." Selbst aber ist der Komiker ein Mythos geworden, das auch von privaten Skandalen und der langjährigen Verfemung in den USA nicht beeinträchtigt wurde.

USA 1952 verlassen


1949 war Chaplin Verfolgungen des berüchtigten Kommunistenjägers und Senators McCarthy ausgesetzt. Legendär wurde das Telegramm, das der Weltstar damals dem "Ausschuss für unamerikanische Aktivitäten" schickte: "Ich bin das, was man einen Friedenshetzer nennen könnte. Ich hoffe, das stört sie nicht." 1952 verließ Chaplin die USA und siedelte sich mit der 1943 geheirateten, seinerzeit erst 17-jährigen Oona O'Neill bei Vevey am Genfer See an. Acht Kinder sind aus der Ehe mit Oona hervorgegangen, darunter die ebenfalls zu Kinoruhm gelangte Geraldine.

Aber Charles Spencer Chaplin hätte keines einzigen Nachkommens bedurft, um unsterblich zu werden. 25 Jahre nach seinem Tod ist der kleine Mann mit den traurigen Augen und Stock und Hut dasjenige Weltkulturerbe, das auch die Nachgeborenen noch lachen und weinen lässt.

Wolfgang Hübner/DPA / DPA
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