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Ex-Pornostar Harry Reems: "Deep Throat"-Darsteller stirbt mit 65 Jahren

Ein Pornofilm machte ihn berühmt - und brachte ihn fast ins Gefängnis: Jetzt ist "Deep Throat"-Darsteller Harry Reems in Salt Lake City gestorben.

Vom Pornofilm "Deep Throat" hat wohl jeder schon einmal gehört, den Namen seines Hauptdarstellers nur Branchenkenner. Am Dienstag ist Harry Reems im Alter von 65 Jahren gestorben. Das bestätigte eine Krankenhaus-Sprecherin in Salt Lake City mehreren US-Medien. Die Ursache für seinen Tod wurde aus Gründen der Privatsphäre nicht genannt. Medienberichten zufolge kämpfte Reems, der mit bürgerlichem Namen Herbert Streicher hieß, zuletzt gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs.

"Deep Throat" avancierte 1972 auf dem Höhepunkt der sexuellen Revolution in Amerika zum Kassenschlager und entwickelte sich zu einem Politikum. Abstruse Prämisse des Films: Eine sexuell frustrierte Frau sucht Rat bei ihrem Arzt, der findet heraus, dass sich die Klitoris seiner Patientin tief in ihrem Rachen befindet. Kinobesitzer, Verleiher und Filmteam wurden mit Strafanzeigen überzogen, Reems selbst 1976 wegen der Mitwisserschaft bei der Verbreitung von Obszönitäten zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Ein Jahr später wurde die Strafe in einem Revisionsprozess aber aufgehoben. Viele damalige Hollywoodgrößen hatten sich öffentlich für den Pornostar eingesetzt, unter anderem Jack Nicholson, Louise Fletcher und Warren Beatty.

Vom Beleuchter zum gefragten Pornodarsteller

Die Rolle in "Deep Throat" verdankte Reems einem Zufall: Weil der ursprünglich ausgewählte Schauspieler nicht erschien, wurde dem als Beleuchter für den Film eingestellten Reems die Rolle angeboten. Laut dem Branchenblatt "Hollywood Reporter" spielte er dann eigenen Angaben zufolge in 300 bis 400 Pornofilmen mit. Für seine Rolle in "Deep Throat" bekam er nach Angaben seines späteren Kollegen Don Schenk ein Honorar von 250 Dollar pro Tag. Die IMDb nennt ein Gesamtgehalt von 800 US-Dollar.

1978 wurde Reems die Rolle des Coach Calhoun im Musikfilm "Grease" mit John Travolta angeboten - doch die Produzenten ersetzten ihn in letzter Minute durch Sid Caesar, weil sie fürchteten, die Porno-Berühmtheit könnte den Film in ein schlechtes Licht rücken. Zuletzt lebte Reems nach einem Alkoholentzug zurückgezogen im US-Bundesstaat Utah und verdiente sein Geld als Makler. Seine Filmpartnerin Linda Lovelace starb bereits im April 2002 - an den Folgen eines Autounfalls.

jwi/DPA/AFP / DPA
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