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Filmbranche: Der Winter wird heiß

Während für die großen Blockbuster-Kinos ein viel versprechender Winter angebrochen ist, müssen die kleinen Programmkinos ums Überleben kämpfen - nur der Staat kann ihr Sterben verhindern.

Deutsche Kinos mit anspruchsvollem Programm, die so genannten Arthäuser oder Programmkinos, müssen um ihr Überleben kämpfen: Um nicht schließen zu müssen, sind sie auch in Zukunft auf öffentliche Zuschüsse aus verschiedenen Töpfen des Bundes, der Länder und der EU angewiesen. Doch damit nicht genug: Es wäre auch notwendig, die Eintrittspreise anzuheben und eine Senkung der Filmmieten zu erreichen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Berliner Filmförderungsanstalt.

Die Kinos in Deutschland müssen kämpfen - um Zuschauer und den damit verbundenen Geldern. Viele Filmpaläste in ganz Deutschland verlieren diesen Kampf gegen die harte Konkurrenz. Auch das Kino Colosseum in Berlin hat dieses Schicksal ereilt - Ende November muss das Filmtheater seine zehn Säle dichtmachen. Am Ende waren statistisch nur noch 50 Zuschauer pro Vorstellung im Kino. Bei der Eröffnung hatte der Betreiber hochgerechnet, dass das Kino mindestens 750.000 Besucher pro Jahr brauche, um schwarze Zahlen zu schreiben. 2004 kamen nur 550.000 - zu wenig.

Große Unterschiede zwischen Programmkinos und Multiplexen

Die Arthäuser haben sich auf anspruchsvolle Filme konzentriert, zeigen keine Blockbuster, sondern haben viele Reportagen und nationale und internationale Low-Budget-Filme im Programm. Häufig haben diese Kinos nur ein oder zwei Säle und verzichten auf hyper-moderne Dekoration und setzen vielmehr auf individuelles Ambiente.

Die kleinen Programmkinos stehen unter gehörigem Kostendruck. Das macht ein aktueller Vergleich der Betriebsergebnisse von rund einem Dutzend Programmkinos und etwa 20 Multiplexen in Großstädten mit Daten aus dem Geschäftsjahr 2004 deutlich: So haben Arthäuser niedrigere durchschnittliche Eintrittspreise (5,35 Euro gegenüber 5,58 Euro), müssen aber doppelt so viel Geld für Filmmieten aufbringen. Die Kinos haben weiter 17 Prozent niedrigere Werbeeinnahmen, müssen dafür aber mit 20 Prozent höheren Personalkosten rechnen. Die Marketingkosten übersteigen die der großen Multiplex-Kinos um 26 Prozent. Der Unterschied bei den entstehenden Transportkosten ist enorm: Die Programmkinos liegen 163 Prozent über ihren ungeliebten Konkurrenten. Der große Unterschied erklärt sich aus den völlig unterschiedlichen Programmstrukturen.

Subventionen ermöglichen das Überleben

Allerdings sind die anspruchsvolleren Arthäuser bei drei wichtigen Kostenfaktoren im Vorteil: Programmkinos haben bezogen auf den Kartenumsatz nur 13,8 Prozent Belastung aus Raumkosten - Multiplexe hingegen knapp 26 Prozent. Die Energiekosten von Großkinos sind zudem deutlich höher als die in Arthäusern, ebenso die Verpflichtungen aus dem Kapitaldienst - also für die Kredittilgung und Zinsen. Gleichwohl - und das ist der Knackpunkt - kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass sämtliche untersuchten Arthäuser "ein negatives Betriebsergebnis erzielen würden, wenn die Förderungen über Programmpreisprämien reduziert oder wegfallen würden." Immerhin 0,23 Euro pro Besucher erlösen die anspruchsvolleren Filmen verpflichteten Kinos aus diesen Subventionen, denn um diese handelt es sich faktisch bei den Prämien.

Wenn Filmkunst in Deutschland auch weiterhin eine Heimat haben soll, kann darauf kaum ohne Schaden für die Kinokultur nicht verzichtet werden. Wenn es allerdings mit dem Abwärtstrend beim Kinobesuch so weitergeht wie in diesem Jahr, könnten auch die Großkinos unterstützungsbedürftig werden. Der Chef der Cinemaxx-Gruppe, Hans-Joachim Flebbe, hat jedenfalls in diesen Tagen geklagt: "Das Jahr 2005 wird als das vorläufig schlimmste Krisenjahr der Filmtheaterbranche in die Geschichte der Multiplex-Ära eingehen."

haf mit Material von AP/Reuters / Reuters
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