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Filmstart "Mein liebster Alptraum": Macho und Madame - Gegensätze ziehen sich an

In der Komödie "Mein liebster Alptraum" lässt die französische Regisseurin Anne Fontaine Macho auf Madame treffen. Isabelle Huppert und Benoit Poelvoorde verkörpern die beiden Gegenpole, die selbstverständlich dann doch noch zusammenfinden.

Kinotrailer: "Mein liebster Alptraum"

Kinder sorgen bei ihren Eltern mitunter für die seltsamsten Begegnungen. Trifft man auf Spielplätzen, bei Kita-Weihnachtsfeiern und Elternabenden doch auf Menschen, mit denen man im Leben als selbstbestimmter Erwachsener sonst nicht reden würde. Kann man diese Begegnungen aufs Minimum begrenzen, läuft es noch gut. Freunden sich die Kinder aber auch noch an, lassen sich die Gespräche und Treffen mit den äußerst befremdlichen Menschen kaum noch vermeiden. Und so kann auch die unterkühlte Galeristin Agathe (Isabelle Huppert) dem prolligen Gelegenheitsarbeiter Patrick (Benoit Polevorde) in der französischen Komödie "Mein liebster Alptraum" nicht entgehen.

Die arrogante und größtenteils spaßbefreite Agathe lebt mit ihrem Mann François (André Dussollier) und dem gemeinsamen Sohn in einer schicken Pariser Wohnung, sie schikaniert ihre Angestellten in der Galerie und ihr Liebesleben kocht auf Sparflamme, wenn es nicht längst erloschen ist. Patrick dagegen hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und lebt mit seinem Sohn mal hier mal da, aber stets in der Nähe von guten Schulen, um dem Jungen die bestmögliche Bildung zu ermöglichen. Das gibt dem sonst so großmäuligen, trunksüchtigen und überdimensionalen Rundungen der weiblichen Welt zugetane Patrick eine führsorgliche, fast bürgerliche Note.

Gegensätze ziehen sich an

Ausgerechnet die Söhne dieser beiden so unterschiedlichen Familien (der aus gutem Hause Schulversager, der Proletariersohn hochbegabt) freunden sich an und ohne sich zu versehen, hat Patrick bei der Familie einen Job als Maurer. Mit riesigem Schlagbohrer (Achtung, Metapher!) macht sich der derbe Handwerker ans Werk und mischt das kultivierte Paar mächtig auf. Agathe ist entsetzt, ihr Mann scheint zu neuem Leben erweckt. Denn auch er leidet unter seiner frigiden Frau.

Und so trifft der grauhaarige Herr mit seinem neuen Kumpel auf die junge Julie, Patricks Sachbearbeiterin beim Amt, und geht mit ihr eine folgenreiche amouröse Beziehung ein. Und während sich Patrick und Agathe noch verbal bekriegen, klettert François schon mit Julie im Hochseilgarten und trinkt Hibiskustee. Bis zu Agathes und Patricks körperlichen Verschmelzung dauert es da noch etwas.

Kein Tiefgang, aber französischer Charme

Regisseurin Anne Fontaine ("Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft") scheut sich nicht, ihre Figuren als eindeutige Stereotype darzustellen und trotz aller Gegensätzlichkeiten zusammenfinden zu lassen. Dafür driftet sie mitunter auch wie selbstverständlich in den Klamauk ab. Das hat lange seinen Reiz und auch die ungenierten Sprüche Patricks ("Wie läuft's im Bett mit so einem Eiszapfen?"), Szenen wie die Erotik-Autowaschstraße in Patricks Heimat Belgien und ungewollte Begegnungen in der noblen Toilette der bourgeoisen Wohnungen machen "Mein liebster Alptraum" durchaus zu einer unterhaltenden Komödie. Zumal Fontaine mit ihren Hauptdarstellern, hier die fast zum Umpusten dünne und blasse Huppert, da der kräftige Belgier Poelvoorde, einen komödiantischen Glücksgriff gemacht hat, was die Geschichte allerdings nicht gerade glaubwürdiger macht.

Doch irgendwie verliert sie bei allem Getöse und Geschrei doch irgendwann an Witz und Tempo. Geistreicher Tiefgang ist sowieso Fehlanzeige. Dafür punktet Fontaine mit einigen satirischen Elementen und dem unerklärlichen Charme französischer Komödien, der schon so manchen mittelmäßigen Film zu einem unterhaltsamen Vergnügen gemacht hat.

Britta Schmeis, DPA / DPA
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