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Filmstart "The Green Hornet": Ein Superheld, den das Kino nicht braucht

Machen wir es kurz und schmerzlos: "The Green Hornet" ist das Kinoticket nicht wert, erst recht nicht den 3D-Aufschlag. Einziger Grund, dieses Leinwand-Chaos zu ertragen, ist Christoph Waltz. Dem Oscar-Gewinner kann nicht einmal ein Hollywood-Fiasko etwas anhaben.

Von Sophie Albers

Okay, stellen Sie sich vor, Sie haben gerade vier Stücke Sahnetorte, 27 Marshmallows, zehn Schokoküsse und ungefähr zwölf Hände voll extrem schreiend buntes Weingummi gegessen. Dann sind Sie Achterbahn gefahren. Als Sie aussteigen, hält Ihnen jemand zwei Kilo Zuckerwatte hin und erwartet, dass Sie sich aufrichtig freuen.

Wenn nach "The Green Hornet" der Abspann läuft, hat man genug. Genug vom schreienden Seth Rogen, genug von Explosionen, genug von Verfolgungsjagden, genug von unmotiviertem Umhergerenne, ja sogar genug vom Lächeln der Cameron Diaz. Möglicherweise würden sich sogar 12-Jährige nach diesem Kirmesbesuch übergeben.

Seth Rogen ist schuld

Dabei waren die Bedingungen, unter denen diese Verfilmung der in den 30ern und 40ern erfolgreichen Radio- und TV-Superheldenserie entstand, äußerst vielversprechend: Regie geführt hat Michel Gondry, der sich einst mit Musikvideos einen Namen gemacht hat, bevor er mit Filmen wie "Vergiss mein nicht" (2004) und "Science of Sleep" (2006) einfach mal ein eigenes Genre zu gründen schien. Doch ist vom surreal schrägen Gondry in "The Green Hornet" nicht wirklich viel übrig geblieben. Das liegt wohl vor allem an Hauptdarsteller Seth Rogen, der auch am Drehbuch mitgearbeitet und produziert hat.

Die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, aber das permanente Gebrüll eines in der Pubertät hängengebliebenen verwöhnten reichen Sohnes eines Zeitungstycoons kann einem nach spätestens fünf Minuten unfassbar auf die Nerven gehen. Ja, Peter Sellers hat die Nerv-Schraube auch dauernd überdreht, aber er war eben Peter Sellers. Rogen in seiner Rolle des hysterisch-tumben Britt Reid lässt keine Sekunde vergessen, dass gerade einer dieser neuen Hollywood-Komiker einen reichen Sohn spielt, der vorgibt, ein erfolgreicher Geschäftsmann zu sein, der gerne ein Superheld wäre.

Einziger Lichtblick: Christoph Waltz

Reids Sidekick Kato (Jay Chou) ist ein begnadeter Kämpfer und Tüftler, der den reichen Spross mit Superhelden-Gadgets und -Limousinen versorgt und ihn aus gefährlichen Situationen raushaut, in die der sich auf der Suche nach Aufregung in seinem stinkreichen, stinklangweiligen Leben immer wieder begibt. Immerhin begehrt Kato manchmal auch auf. Aber es reicht nicht. Ebenso wenig Cameron Diaz. Sie spielt die Sekretärin, hinter der beide Männer her sind - was allerdings in nichts weiter als Schulhof-Gekloppe endet.

Zumindest der Bösewicht ist ein Lichtblick. Vielleicht spricht daraus auch ein bisschen Solidarität, aber Christoph Waltz als Unterweltboss Chudnofsky ist ein angenehm ruhender Punkt inmitten des überdrehten Chaos - ein Gewürzkuchen, um im Bild zu bleiben. Ohne Not nimmt der Oscargewinner ("Inglourious Basterds") es mit allen auf - mit Tom Wilkinson, mit James Franco und mit Seth Rogen sowieso.

Und das auch noch in 3D

Größtes Problem von "The Green Hornet" ist - neben Rogen - die Geschichte, die nichts weiter hergibt, als einen Typen, der zu viel Zeit, Geld und das öde klischeehafte Problem mit einem übermächtigen Vater hat. Zu guter Letzt die 3D-Frage: Dass "The Green Hornet" in der dritten Dimension angepriesen wird, ist der Gipfel der Überflüssigkeit. Keine einzige Szene rechtfertigt den Aufpreis.

Wenn Sie sich also sinnlos mit einer Überdosis klebrigem Süßkram vollstopfen wollen, dann ist "The Green Hornet" möglicherweise der Film für Sie. Ansonsten warten Sie lieber auf Christopher Nolans "Dark Knight Rises". Und wenn es nur wegen des Batmobils ist.