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Inge Meysel: Unterm Hammer - Der Nachlass der "Mutter der Nation"

Um Punkt zwölf werden Fotos von Inge Meysel auf große Leinwände projiziert. Musik erschallt, als in den festlichen Räumen der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg die Versteigerung des Nachlasses der "Mutter der Nation" beginnt.

Als erstes steht der antike Türklopfer auf dem Programm. Er soll Fans und Sammlern Eintritt in Leben und Wirken der Schauspielerin gewähren. Auktionatorin Dorothée Rather ruft ihn für 30 Euro auf. Ein Raunen geht durch den Saal, als er schließlich für 440 Euro unter den Hammer kommt.

Lars Koch vom Auktionshaus Schopmann freut sich schon nach zwei Stunden über das "gute Ergebnis" der prominenten Haushaltsauflösung. Er zählt 450 teils aufgeregte, teils abgeklärte Bieter. Dazu kommen 30 Telefonbieter sogar aus Italien und Tschechien, die sich für eines der 396 Angebote interessieren. Ein junger Mann aus Norderstedt ist als Vertretung für seine Großmutter gekommen, doch er glaubt nicht so recht an den Zuschlag für den Barocksekretär: "Vermutlich sind hier viele Leute finanzstärker als ich".

Werner Biesterfeld hatte Glück. Er war Inge Meysels direkter Nachbar und wollte einen Haushaltsgegenstand als Erinnerung. Für 120 Euro hat er eine Obstschale ergattert. "Es ist schon ein komisches Gefühl, alle diese Dinge jetzt hier zu sehen", bemerkt er zum Schluss ein wenig nachdenklich. Er ist als Makler damit beauftragt, Inge Meysels Haus in Bullenhausen zu verkaufen.

"Wenn es zu teuer wird, höre ich auf"

In Hamburg steigen die Preise für Meysel-Unikate, je länger die Auktion dauert: Die knallig orangene Schreibmaschine, Briefe und eine Ledertasche mit der Nummer 231 werden für 150 Euro angeboten und kosten am Ende 3000. Im rappelvollen Saal fallen zwei elegante ältere Herren auf. Frank Banuscher hat als Kameramann oft mit Inge Meysel zusammengearbeitet. "Aus Jux" interessiert er sich für ein Feuerzeug, "aber wenn es zu teuer wird, höre ich auf", bemerkt er resolut.

Die meisten Schauspielerkollegen hatten schon vorher ihre Gebote für ein Andenken an die Fernseh-Diva abgegeben. "Viele waren bei uns, weil sie nicht genannt werden wollen", sagt Lars Koch. Damit haben echte Inge Meysel-Fans kein Problem. Michael Schröder ist extra aus der Nähe von Minden angereist, um ein Erinnerungsstück an die Schauspielerin zu ergattern. "Sie war als Mensch so geradeheraus, ein bisschen so wie ich auch".

Von Judith Scholter/DPA