Johannes Heesters "Charmeur im Frack" feiert seinen 100. Geburtstag


Johannes Heesters, der Grandseigneur des deutschen Films, feiert seinen 100. Geburtstag. Ans Aufhören denkt "Jopie" aber noch lange nicht.

"Ich werde 100 Jahre alt, darauf könnt ihr bauen!", kündigte die "lebende Legende" Johannes Heesters in einem Lied an. Und er hält sein Versprechen: Am Freitag vollendet der Grandseigneur der Operette sein Lebensjahrhundert. "Lasst euch umarmen und feiert mit mir!", sang "Jopie" als leichtlebiger Graf Danilo in Franz Lehars Operette "Die lustige Witwe" in Frack und Zylinder, mit Nelke im Knopfloch, weißen Handschuhen und langem, weißem Seidenschal. Seine Paraderolle: Für Generationen war Heesters seitdem die Verkörperung des ewigen Charmeurs und lebensfrohen Gigolos, der die Welt durch ein Champagnerglas betrachtet.

"Heut geh’ ich ins Maxim, da bin ich so intim", schwärmte er sein langes Leben lang. "Gott, waren die Mädchen hübsch!" seufzte Heesters, als er 1978 zum ersten Mal wirklich im legendären Pariser Feinschmeckerlokal einkehrte. "Ein Glück, dass man sich so verlieben kann!", sang Heesters in einem seiner populärsten Lieder. Im wahren Leben war er von 1930 bis zu deren Tod 1983 mit der holländischen Schauspielerin und Operettensängerin Louisa H. Ghijs verheiratet. Aus dieser Ehe stammen die Kinder Wiesje und Nicole Heesters. Letztere wurde selbst eine bekannte Theater- und Filmschauspielerin. Seit 1992 ist "Jopie" mit der 46 Jahre jüngeren Schauspielerin Simone Rethel verheiratet.

"Jopie" kann's nicht lassen

"Man ist schon so alt, und es hört nicht auf", meinte Heesters einmal in Anspielung auf das "ewig Weibliche". Es ist auch gemünzt auf das "alte Zirkuspferd" der Showbranche: Heesters zieht es als ältesten aktiven Schauspieler der Welt immer wieder in die Arena. So stand er 2002 in München in Anton Tschechows "Kirschgarten" auf der Bühne, und noch im vergangenen September spielte er in Stuttgart in einer musikalischen Hommage sich selbst.

"Ich bin zufrieden mit meiner Karriere", sagte der gebürtige Holländer im Juni 2003 nach 82 Jahren Bühnenlaufbahn. Noch im vergangenen Jahr ging er mit seiner Frau auf Tournee. 1996 feierte er am Berliner Kurfürstendamm Triumphe in Curth Flatows Stück mit dem beziehungsreichen Titel "Ein gesegnetes Alter".

Vom Priester zur Schauspieler-Karriere

Ursprünglich wollte der am 5. Dezember 1903 im niederländischen Amersfoort geborene Kaufmannssohn Johan Marius Nicolaas Heesters Priester werden. Als anschließend auch aus dem Bankberuf nichts wurde, versuchte er sein Glück als Schauspieler. Nach ersten Auftritten in seinem Heimatland wechselte Heesters ins Operettenfach und trat 1934 erstmals in der Volksoper Wien auf.

Seine eigentliche Karriere aber begann 1935 in Berlin, das ihn schnell faszinierte. Ein Millionenpublikum lag dem unverschämt gut aussehenden "Backfischidol", wie das in seinen Jugendjahren hieß, bald zu Füßen. Dazu trugen auch seine unzähligen Filmrollen bei, etwa in "Gasparone", "Hallo Janine" und nach dem Krieg "Hochzeitsnacht im Paradies", "Die Czardasfürstin", "Im weißen Rössl", "Victor und Victoria" oder "Bühne frei für Marika" mit seiner kürzlich 90 Jahre alt gewordenen "Juniorpartnerin" Marika Rökk. Auch im Fernsehen war Heesters seit 1956 viel zu sehen. Unvergessen ist der komödiantische Zweikampf mit Carl-Heinz Schroth in der TV-Version des Boulevardklassikers "Sonny Boys" von Neil Simon.

Politische Haltung während der NS-Zeit umstritten

Dass Heesters, der Hitlers Lieblingsschauspieler war, auch einer der fleißigsten Stars in den deutschen "Ablenkungsfilmen" in Nazi- Deutschland war, während Hitlers Truppen sein Heimatland besetzten, ist ihm von seinen niederländischen Landsleuten später verübelt worden, obwohl dem Schauspieler ein eher distanziertes Verhältnis zum Nationalsozialismus nachgesagt wurde. Dennoch übte er bis zuletzt den Spagat vieler prominenter Künstler im Dritten Reich.

Aber Heesters kam zur rechten Zeit: Das NS-Propagandaministerium entschied sich, ihn nach der Vertreibung populärer Tenöre wie Richard Tauber, Jan Kiepura und Joseph Schmidt zum neuen Operettenstar Deutschlands zu machen, schreibt Jürgen Trimborn in der jetzt erschienenen Heesters-Biografie ("Der Herr im Frack", Aufbau-Verlag). "Seine Waffen waren der Rosenstrauß und das Champagnerglas, in dem die Lebenslust perlte", schreibt Hellmuth Karasek in seinem Vorwort zu der Biografie.

Heesters denkt nicht ans Aufhören

Heesters selbst überschrieb seine Lebensgeschichte mit den Worten: "Es kommt auf die Sekunde an", beim Auftritt auf der Bühne wie im Leben. Aufhören will er noch lange nicht, ließ "Jopie" wenige Tage vor seinem 100. Geburtstag die Welt wissen und wünschte sich, "dass ich ab 1. Januar noch einmal anfangen kann mit meinem Leben".


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