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Kinohit "Kokowääh" Til Schweigers Erfolgsrezept


Nach den leichten Komödien von Til Schweiger erwartet man bei "Kokowääh" keine große Veränderung. Doch die Rolle als fürsorglicher Vater steht dem sonst chaotischen Womanizer besser als jede zuvor.
Von Eva Wackerhagen

Mit rund 836.000 Besuchern am Wochenende schaffte es "Kokowääh" an die Spitze der deutschen Kino-Charts. Das Schweiger-Phänomen wirft folgende Frage auf: Wie schafft der Allrounder es, so viele Deutsche für seine Familienkomödie zu begeistern?

In seinem Film spielt Til Schweiger einen sympathischen Chaoten. Henry, 42, führt ein buntes Leben: Im Beruf ein weniger erfolgreicher Drehbuchautor, der sein abgeschlepptes Auto nicht abbezahlen kann, privat ein verplanter Aufreißer, dem häufig die Namen seiner diversen Bekanntschaften entfallen.

Seine Freude über ein Angebot, das Drehbuch für einen Bestseller zu schreiben, verschwindet schnell, als er erfährt, mit wem er zusammen arbeiten muss: Die Autorin ist seine Ex-Freundin Katharina (Jasmin Gerat). Da er sonst keine Aufträge hat, bleibt ihm keine andere Wahl. Henrys Pechsträhne ist komplett als ein kleines Mädchen vor seiner Tür sitzt und behauptet, sie sei seine Tochter.

Die achtjährige Magdalena (Schweigers Tochter Emma) zieht vorübergehend bei Henry ein und stellt sein Leben auf den Kopf. Einen dramatischen Aspekt bekommt der Film, als der Ehemann Tristan von Magdalenas Mutter erfährt, dass seine Tochter ein Kuckuckskind ist. Die Geschichte von den zwei Vätern, die auf einen Schlag mit der neuen Situation klar kommen müssen, ist sehr bewegend. Tristan (Samuel Finzi) ist überfordert und hat Angst, seine geliebte Tochter an den Chaoten zu verlieren. Für Henry ist die Umstellung deutlich einfacher und die Beziehung zu Magdalena gibt seinem Leben eine neue Bedeutung.

Lustig und heiter umgesetzt

"Kokowääh" ist die neue Komödie von Til Schweiger, dem Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller des Kinohits. Der Titel entsteht in einer Szene beim Scrabble-Spiel. Magdalena versucht das Wort Coq au vin in phonetischer Schreibweise wiederzugeben. Obwohl der Film manchmal wie eine Fortsetzung von seinen anderen Produktionen wirkt, ist er eindeutig Schweigers bester Film. Schweiger und seine Tochter Emma geben ein großartiges Duo ab: natürlich, locker und Sympathie weckend. Von Anfang an ist es offensichtlich, dass der Megachaot durch das kleine Energiebündel nicht nur zum Sinn in seinem Leben sondern auch zurück zur Ex und zur Monogamie findet.

Das Vater-Tochter-Thema ist leicht und besonnen umgesetzt und der Aspekt der Patchworkfamilie passt hervorragend in die heutige Zeit. Die unterhaltsame Familienkomödie setzt die Kuckuckskind-Situation charmant und witzig um, ohne tiefgründig zu werden, und zeigt, wie sich die Charaktere mit der Umstellung auseinandersetzen.

Das könnte die Erklärung für das Schweiger-Phänomen sein: Wir identifizieren uns mit den Darstellern, weil sie alltägliche Situationen und Konflikte erleben, die uns zu Hause auch passieren könnten. Und seine Filme berühren, weil Schweiger die Situationen mit dem Witz und der Heiterkeit schildert, die wir uns zu Hause auch wünschen.


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