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Kinokritik "Für immer Shrek" Das Ende des Ogers


Zum vierten und letzten Mal muss Shrek das Märchenland retten. Trotz aller Respektlosigkeiten ist "Für immer Shrek" eine Hommage an einen Klassiker geworden. Aber trotzdem verdammt komisch.
Von Sophie Albers

Die Prinzessin ist erlöst, das Königreich gerettet, die Liebe hat gesiegt. Drei Mal schon, um genau zu sein. Und was jetzt? Richtig: Der Held langweilt sich. Und weil Märchen immer auch eine Moral haben, erzählt das Finale der "Shrek"-Reihe, "Für immer Shrek", recht anschaulich vom Problem der Midlifecrisis. Nein, ich habe auch keine Ahnung, wie Sie Ihren Kindern diese Handlungsmotivation erklären sollen.

Der glückliche Alltag als Falle

Shrek und Fiona leben mit ihren drei Oger-Babys glücklich im stinkenden Sumpf. Touristen kommen vorbei, um den Helden Shrek zu sehen, der nun ganz unheldenhaft Windeln wechselt oder selbst aufs Klo geht. Zum Essen kommt der Esel vorbei, manchmal auch der gestiefelte Kater. Und am gemütlichen Kaminfeuer erinnert man sich an alte Abenteuer. Friede, Freude und Martini am Abend. Das könnte ewig so weiter gehen. Bis Shrek sich plötzlich fragt, ob das jetzt tatsächlich schon alles gewesen sein soll. Und er wünscht sich nichts sehnlicher, als dass aus dem harmlosen Pantoffelhelden wieder ein gefürchteter Oger wird.

Auftritt Rumpelstilzchen, ein rachsüchtiger, machtgieriger Magier, der Shrek einen Deal anbietet: ein Tag als wilder Oger gegen irgendeinen langweiligen Tag in Shreks Leben. Der grüne Schnorchelohrmann unterschreibt schnell und gern. Natürlich ohne vorher das Kleingedruckte zu lesen. Denn das Leben als wilder Oger entspricht so gar nicht seinen Vorstellungen: Das Märchenland ist heruntergekommen, Rumpelstilzchen sein grausamer Herrscher. Und weder Fiona noch seine Freunde wissen, wer Shrek eigentlich ist. Also macht der Oger sich auf, sein altes Leben zurückzuerobern.

"Ist das Leben nicht schön?"

Nach der Grundlehre "Es kommt auf die inneren Werte an" ("Shrek", 2001) und ihren Variationen: "Beurteile ein Buch nicht nach seinem Einband" ("Shrek 2", 2004) und "Sei du selbst" ("Shrek der Dritte", 2007) macht der vierte und letzte Shrek noch mal das ganz große moralische Fass auf: "Erkenne, was du hast, und sei dankbar dafür" lautet die Botschaft von "Für immer Shrek". Damit verabschiedet sich das grüne Monster, das einst auf wundervoll respektlose Art und Weise das Märchenland dekonstruiert hat und zur ernsthaften Animations-Konkurrenz für Pixar wurde, auf unerwartet ernsthafte Weise.

Natürlich darf wie immer hemmungslos und auch hin und wieder bösartig gelacht werden, doch letztlich ist das Finale des erfolgreichen "Shrek"-Unternehmens eine eingedampfte und hochgedrehte Trickversion von Frank Capras Weihnachtsklassiker "Ist das Leben nicht schön?". Nur gibt es hier keine Engel, die sich Flügel verdienen müssen. Dafür ein grünes, nettes Ungeheuer, das traditionelle Familienwerte schätzen lernt - auf die harte Tour. So, und jetzt Sie: "Eine Midlifecrisis ist..."


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