"Polizeiruf 110: Your Body
Militante Abtreibungsgegner in Magdeburg

"Polizeiruf 110: Your Body, My Choice": Doreen Brasch (Claudia Michelsen) bekommt es in ihrem 22. Fall mit militanten Abtreibu
"Polizeiruf 110: Your Body, My Choice": Doreen Brasch (Claudia Michelsen) bekommt es in ihrem 22. Fall mit militanten Abtreibungsgegnern zu tun.
© MDR/Britta Krehl
Passend zum Weltfrauentag gerät Kommissarin Brasch im "Polizeiruf 110: Your Body, My Choice" in den brisanten Konflikt ums Abtreibungsrecht.

Passend zum Internationalen Weltfrauentag am 8. März setzt sich der "Polizeiruf 110" aus Magdeburg mit einem Thema mit richtig viel Sprengkraft auseinander: dem Recht von Frauen auf Abtreibung. Kommissarin Doreen Brasch (Claudia Michelsen, 57) muss in "Your Body, My Choice" (20:15 Uhr im Ersten) den Tod einer jungen Arzthelferin aufklären, die bei einem Fahrradunfall ums Leben kam. Dahinter verbirgt sich eine Geschichte über Schwangerschaftsabbrüche, Abtreibungsgegner und vor allem starke Frauen.

"Unser Ziel war es, eine spannende und berührende Geschichte zu erzählen, die die Auswirkungen der gesellschaftlichen Debatte über Abtreibung auf betroffene Frauen zeigt", erklären Autorin Annika Tepelmann und Regisseurin Franziska Schlotterer. Dabei sollen beide Seiten zur Sprache kommen und ernst genommen werden, am Ende aber eines klar werden: "Hinter jedem ideologischen Kampf stehen konkrete Frauen mit konkreten Schicksalen."

Darum geht es in "Polizeiruf 110: Your Body, My Choice"

Doreen Brasch wird zu einer Verkehrstoten gerufen. Dabei handelte es sich aber keineswegs um einen Unfall, denn die Bremskabel des Fahrrades der Arzthelferin wurden durchgeschnitten. Über den Arbeitsplatz der Toten bei Frauenärztin Dr. Schöller-Hahnfeld (Jenny Schily), die Schwangerschaftsabbrüche durchführt, kommt die Kommissarin schnell auf ein Motiv: Abtreibungsgegner hatten die Mitarbeiterinnen der Praxis immer wieder belästigt und bedroht.

Das bekommt auch die junge Polin Dania (Nicola Magdalena Lüders) zu spüren, die dort ihre ungewollte Schwangerschaft beenden will und dabei von Aktivistin Lara (Luna Jordan), einem sogenannten "Abortion Buddy", ehrenamtlich begleitet wird. Während die resolute Lara immer wütender auf die "Lebensschützer" wird und mit Aggression reagiert, zieht Dania sich zurück. Damit begibt sie sich aber in große Gefahr und verschwindet plötzlich spurlos.

Lohnt sich der "Polizeiruf 110: Your Body, My Choice"?

Wer mit dem Thema Abtreibung nicht gut zurechtkommt, sollte hier Abstand nehmen. Ansonsten: Ja, denn der Film schafft es definitiv, aufzurütteln. Anhand von persönlichen Geschichten kommen beide Pole zum Tragen: Abtreibungsbefürworter und militante Gegner spielen gegeneinander und zeigen, wie schnell ein solcher gesellschaftlicher Konflikt eskalieren kann. "Das Ergebnis von 5.000 Jahren Patriarchat", bilanziert Brasch.

Passend zum Weltfrauentag gelingt damit ein gesellschaftlich relevantes Drama mit vielen kleinen Querverweisen. So stellen Brasch und Schöller-Hahnfeld etwa mehrfach fest, dass sogar die DDR in Sachen Abtreibung "sehr viel weiter" war. Unter die Abtreibungsgegner mischt sich zudem unverkennbar ein AfD-Politiker, der den Protest für seinen Ausländerhass instrumentalisiert.

Sehr gelungen ist auch der Fokus auf die drei Frauen Dr. Schöller-Hahnfeld, Dania und Lara, deren Darstellerinnen schauspielerisch absolut glänzen. Besonders Letztere beeindruckt mit ihrem kämpferischen, authentischen Auftreten nicht nur Kommissarin Brasch, die sich gleich zu der Rebellin hingezogen fühlt und berührende Momente sowie ihre Klamotten mit ihr teilt.

Dabei wird deutlich, dass Brasch selbst viel zu dem Thema zu sagen hätte. Sie hatte damals eine Abtreibung geplant, ihren Sohn dann aber doch bekommen. Inzwischen haben die beiden keinen Kontakt mehr und vom "Mutterglück" spürt sie allgemein wenig, wie schon in den ersten Episoden der Reihe 2013 gezeigt wurde. Bis auf diese Momente geht die Kommissarin in ihrem 22. Fall aber eher unter und läuft mit relativ unbewegter Miene einsam umher. "Natürlich hat sie immer eine klare Haltung zu den jeweiligen Geschichten, aber manchmal ist es doch besser, wir ahnen diese nur - und im besten Falle darf das Publikum sich selbst überprüfen", erläutert Schauspielerin Michelsen - in diesem Fall wäre ein bisschen mehr Esprit dennoch schön gewesen.

Um die Spannung ist es auch eher spärlich bestellt in diesem Krimi, denn der Täter ist viel zu früh bekannt, um so lange nicht enttarnt zu werden. Viele Aspekte der persönlichen Geschichten werden zudem nur angeschnitten: Laras Verhältnis zu ihrem Vater, die Beziehung der Ärztin zu ihrer Mitarbeiterin, die Gründe für die ungewollte Schwangerschaft. Das ist auf den ersten Blick zwar schade, vermittelt bei genauem Hinsehen aber genau das, was es soll: Im Endeffekt ist es egal, was explizit hinter den Entscheidungen der Frauen steht - Männer haben so oder so keinen Besitzanspruch auf den weiblichen Körper. Ganz gemäß "My Body, My Choice".

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