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Kinostart "Wir sind die Nacht": Berlin im Blutrausch

Nina Hoss und Karoline Herfurth - auch Berlin hat nun seinen eigenen Vampirfilm. Nach den Erfolgen der US-amerikanischen "Twilight"-Serie dürfen die Unsterblichen ihr Unwesen in der Hauptstadt treiben - mit blutigen Szenen.

Die drei Vampirinnen haben sich wieder bedient. Blut rinnt über die Hand des Flugzeugkapitäns. Die Cockpittür schlägt gegen den Kopf des toten Stewards. Die Passagiere hängen blutüberströmt in ihren Sitzen. Mitten im Massaker stehen die Vampir- Chefin Louise (Nina Hoss) und ihre beiden Beiß- Freundinnen Nora (Anna Fischer) und Charlotte (Jennifer Ulrich). Der neue Kinofilm "Wir sind die Nacht" feiert bildgewaltige Szenen. Die Handlung kann nicht ganz mithalten.

14 Jahre lang haben Regisseur Dennis Gansel ("Die Welle") und Produzent Christian Becker ("Wickie und die starken Männer") ihr Drehbuch von den blutrünstigen Vampirinnen mit sich herumgetragen. Nun, da die moderne Vampir-Generation mit der "Twilight"-Saga Erfolge feiert, fanden sie für ihre Berlin-Version eine Produktionsfirma und einen Verleiher.

Die Handlung ist schnell erzählt: Die Vampir-Chefin Louise verliebt sich in die Diebin Lena (Karoline Herfurth). Kurzerhand verführt und beißt sie das Mädchen und macht es so zum Teil des Clans. Lena hingegen ist dem Polizisten Tom Serner (Max Riemelt) verfallen, der Jagd auf die untoten Frauen macht.

Zwischen dem dekadenten Leben der Vampirinnen und der ziemlich blutarmen Liebesgeschichte springt der Film nun hin und her. Zwischendrin blickt der Zuschauer immer wieder von oben auf Berlin herab - mehr als ein Dutzend Male. Fehlt fast nur noch, dass die Vampirinnen den Fernsehturm erklimmen.

"Das, was einen Vampirfilm ausmacht, ist wieder drin, nämlich dass es zur Sache geht", sagte Regisseur Gansel bei der Premiere am Sonntagabend in der Kulturbrauerei in Berlin. Doch trotz Stunt- Training für die Schauspielerinnen erschöpft sich die Action in schnellen Autofahrten und Kampfszenen.

Genuss bietet dagegen immer mal wieder der Ton, den vor allem die quirlige Nora sehr drastisch und offen anschlägt. "Wir fressen, vögeln, saufen, wie wir möchten. Und werden weder fett, schwanger noch süchtig. Milliarden Weiber würden dafür töten", bemerkt sie lakonisch. Diese modernen Vampirinnen sind das pralle Leben statt kreidebleich. Sie fliegen nicht, sondern fahren Rennwagen und veranstalten Club-Partys. Altmodisches wie Knoblauch und Kreuze spielen keine Rolle mehr.

Wirklich zu Herzen geht "Wir sind die Nacht" erst, als die Vampirin Charlotte Abschied von ihrer Tochter nimmt. Als sie in den 20ern zum Vampir wurde, war ihre Tochter noch ein kleines Mädchen. Nun singt sie einer uralten Frau ein Kinderlied vor. Das offene Ende lässt Raum für einen zweiten Teil - wie bei "Twilight".

Doreen Fiedler, DPA / DPA