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Lieblingsgruselfilme: Filmterror nach dem Geschmack von Martin Scorsese

Mit "The Departed", einem Meisterwerk über Paranoia, Gewalt und Ratten, gewann Martin Scorsese nach Jahren des Wartens den Regie-Oscar. Jetzt stellte der Meister eine morbide Lieblingsliste zusammen.

Er ist der freundliche, kleine Mann mit der lustigen Brille. Doch in Martin Scorseses Filmen fließt das Blut in Strömen. Opfer werden zu blutigem Brei geprügelt oder von Unmengen Blei niedergemäht. Ab und zu überrascht der Regisseur seine Fans auch mit albtraumhaften Terrorvisionen. Die paranoide Gewaltorgie "Kap der Angst" ist so ein Fall oder sein psychologischer Mystery-Thriller "Shutter Island". Dem Online-Magazin "The Daily Beast" gab Scorsese einen kleinen Einblick in seinen Filmschrank: eine Liste mit den - seiner Meinung nach - gruseligsten Horrorfilmen der Filmgeschichte.

Ganz oben in Scorseses Little Shop of Horrors steht der Film "Bis das Blut gefriert". Die Zutaten dieses Streifens erscheinen heute wenig revolutionär, waren 1963 aber der letzte Schrei: wenig Licht, viel Schatten und ein Psychologe mit Hang zum Übersinnlichen, der eine Gruppe aus Einzelgängern in einem Spukschloss einquartiert. "Sie glauben vielleicht nicht an Geister, aber sie können das Grauen nicht leugnen", war der Reklamespruch dieses Klassikers von Regisseur Robert Wise. Leider wurde der Film 1999 mit Catherine Zeta-Jones und jeder Menge abstruser Computereffekte neu aufgelegt. Das Original dagegen ist für Scorsese der Gruselfilm schlechthin.

Es folgen zwei weitere Schwarzweißfilme auf seiner Liste. "Die Todesinsel" (1945) von dem ukrainischen Regisseur Val Lewton mit Boris Karloff in der Hauptrolle. Karloff hat sich später als Frankenstein ins kollektive Gedächtnis aller Filmliebhaber eingebrannt. Auf Platz drei folgt "Der unheimliche Gast" aus dem Jahr 1944, bei dem es wieder um ein Spukhaus geht.

Vergewaltigt von einem Unsichtbaren

Barbara Hershey ist vielen als besitzergreifende Mutter aus "Black Swan" bekannt, der blutigen Identitätskrise einer psychisch gestörten Ballerina. 1982 spielte Hershey selbst eine Frau, die langsam dem Wahnsinn verfällt. Auf Platz vier wählt Scorsese damit wieder einen Geisterfilm, diesmal aber ohne knarzende Treppen und kichernde Gespenster. In "The Entity" wird eine junge Mutter von einem Unsichtbaren vergewaltigt. Wirklich gruselig ist aus heutiger Sicht auch die Übersetzung des Filmtitels ins Deutsche: "Entity - Es gibt kein Entrinnen vor dem Unsichtbaren, das uns verfolgt" würde heute nicht einmal beim Privatfernsehen mehr durchgehen.

Zynische Wölfe und besoffene Iren

Dass Stanley Kubricks "The Shining" auf der Liste steht, bei dem der Zuschauer Jack Nicholson dabei zusieht, wie er langsam so irre wird, dass er seine Familie mit der Axt zerlegen will, ist keine Überraschung. Auch "Der Exorzist" mit Linda Blair und Alfred Hitchcocks "Psycho" sind sichere Bänke des Grauens. (Die komplette Liste der Lieblings-Gruselfilme von Martin Scorsese finden Sie hier.)

Der 71-jährige Scorsese selbst wird mit fortschreitendem Alter immer experimentierfreudiger. In den letzten Jahren beschäftigte er sich mit den versoffenen Prügelorgien irischer Einwanderer in New York zu Zeiten des Bürgerkriegs ("Gangs of New York"), brachte das Leben von Fliegerikone Howard Hughes in beeindruckenden Bildern ins Kino ("Aviator") und erzählte die märchenhafte Geschichte eines Jungen, der in einem Bahnhof wohnt ("Hugo Capret"). Sein nächster Film "The Wolf of Wall Street" ist eine bittere Abrechnung mit dem Zynismus zockender Bänker. Für den Trailer wechselte er sogar sein Lieblingsfarbe aus. Statt seinem üblichen blutrot ist das Design von Trailer und Kinoaufsteller senfgelb gehalten. Vielleicht ja eine kleine Reminiszenz an die berühmten Poster von Kubricks "Shining".

ono