Loriot-Interview "Mein Arzt sagt: Sie haben gar nichts - Sie sind alt"


Und schon wieder verneigt sich das Publikum vor Vicco von Bülow: Am 24. April wird dem Grandseigneur des feinen Humors in Berlin der Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie verliehen. Eine Auszeichung, die Loriot gewohnt lakonisch kommentiert: Er sei nicht mehr der Jüngste, "da wird die Zeit zur Überreichung von Preisen knapp".

Vicco von Bülow alias Loriot freut sich sehr darüber, dass die Deutsche Filmakademie ihm in der kommenden Woche den Ehrenpreis verleihen wird. Der 85-Jährige macht sich bereits Gedanken über die "feierliche Entgegennahme der heiligen Lola", wie er in einem Interview in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des stern gesteht: "Ich habe Tag für Tag an ein paar Worten gefeilt und dann wieder alles weggeschmissen. Vielleicht bleibt mir nichts anderes übrig, als Lola schweigend in die Arme zu nehmen." Die kleine Statue, genannt Lola, wird ihm am Freitag, 24. April, in Berlin überreicht.

Über den Grund für die hohe Zahl an Ehrungen, die ihm in letzter Zeit angeboten werden, macht sich der Grandseigneur des feinen Humors keine Illusionen: "Eine gewisse Häufigkeit ergibt sich wohl aus der Tatsache, dass ich nicht mehr der Jüngste bin. Die Zeit zur Überreichung von Preisen wird knapp", so Loriot im stern.

Im Fernsehen schaue er gern Gesprächsrunden, zum Beispiel "Anne Will". Wenig Gefallen findet Loriot an den heutigen Krimis: "Man nimmt Teil an einer genauen Schilderung des Privatlebens eines Kriminalbeamten, das einen im Grunde herzlich langweilt. Man sitzt in seiner Wohnküche, wo ihm von zarter Hand das Abendessen zubereitet wird, und es ist einem ziemlich egal, ob es sich um die Frau eines Kollegen oder die Schwägerin handelt. Oder ist sie womöglich seine tatverdächtige Gattin, die von ihrer Cousine gesucht wird?"

Loriot äußert sich im stern-Interview auch über den an Demenz erkrankten Rhetorik-Professor Walter Jens, mit dem ihn eine lange Freundschaft verbindet: "Wir haben gemeinsam auf vielen Bühnen aus dem Briefwechsel zwischen Voltaire und Friedrich dem Großen gelesen. Diese Jahre zählen beruflich zu den schönsten meines Lebens. Nun können wir keine Gespräche mehr miteinander führen. Er fehlt mir sehr."

Den eigenen Gesundheitszustand kommentiert Loriot im stern gewohnt lakonisch: "Wenn ich zum Arzt komme und sage, ich hab da was, mir wird öfter mal schwindlig - dann sagt der: Sie haben gar nichts, Sie sind alt."

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