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"True Detective"-Darsteller: Diesen Schauspieler-Namen sollten Sie kennen, auch wenn er schwer auszusprechen ist: Mahershala Ali

Sein Name: ein Zungenbrecher. Sein Gesicht: Gold wert. Warum Mahershala Ali, bekannt aus "House of Cards" und "Moonlight", der Schauspieler der Stunde ist. 

Von Christine Kruttschnitt

Mahershala Ali aus "House of Cards" und "Moonlight" im Porträt

Vater: Schauspieler, Mutter: evangelikale Priesterin. Geboren wurde Mahershala Ali 1974 in Oakland, Kalifornien.

Oscar steckte bis vor Kurzem in Plastikfolie – die mit den Luftblasen, damit ihm nichts passiert. Denn Mahershala Ali, Oscars Eigentümer, weiß, was er dem Kleinen schuldig ist.

Seit Hollywood ihm vor zwei Jahren den Preis für den besten Nebendarsteller verliehen hat, geht es aufwärts – und zwar flott. Der 44-jährige Schauspieler, der damals als tougher Drogendealer im Drama "Moonlight" mächtig viel Gefühl zeigte, kann sich erstmals in seiner fast 20-jährigen Karriere die Rollen aussuchen, auf die er scharf ist.

Ali als Jazzpianist in "Green Book"

Ali als Jazzpianist in "Green Book"

Er kann sich darauf verlassen, dass die Branche seinen Zungenbrechervornamen nicht nur kennt, sondern sogar geschmeidig aussprechen kann: Ma-her-sha-la. Was, wie Ali grinsend einräumt, sogar nur die Abkürzung von Mahershalalhashbaz ist und damit der längste Name, den das Alte Testament hergibt. Und außerdem verdankt Ali dem kleinen Oscar, dass er es sich endlich leisten konnte, für sich und seine Familie das Haus in Los Angeles aus- und umzubauen. Daher die Plastikfolie, monatelang lebte man aus Kisten.

Mahershala Ali spielte "Remy" in "House of Cards"

Früher spielte der hochgewachsene Mann, der in seiner Jugend als Shootingstar des Highschool-Basketballteams glänzte, Nebenrollen in amerikanischen Serien-Dauerbrennern wie "CSI" & "Law and Order". Aber es juckte ihn in den Fingern, selbst Körbe zu werfen und nicht immer nur die Bälle anzureichen. "Ich wollte endlich der Leading Man sein", sagt Ali, der von so entzückendem, bescheidenem Charme ist, dass auch ein selbstbewusstes Statement wie die Forderung nach Hauptrollen allenfalls sportlich rüberkommt.

Ali als Drogenhändler in "Moonlight" 

Ali als Drogenhändler in "Moonlight" 

In der HBO-Serie "True Detective", die bei uns jetzt im Bezahlsender Sky ausgestrahlt wird, bekommt er seinen Willen, sogar als Hattrick: Denn in der Krimihandlung, die auf gleich drei Zeitebenen vom Verschwinden zweier Kinder in der Provinz erzählt, spielt Ali den Ermittler als jungen und mittelalten Mann und als Greis. In jeder Phase ist er brillant. Und so glücklich war er mit dem Part, dass er nicht mal jammerte, wenn ihm frühmorgens fünf Stunden lang das Senioren-Make-up angepappt wurde.

Kaum abgeschminkt, stürzte er sich nach den siebenmonatigen Dreharbeiten in den PR-Rummel für seine kurz zuvor gefilmte Kinokomödie "Green Book", die hierzulande am 31. Januar anläuft und in den USA bereits mit viel Lob, Liebe und einigen Preisen überhäuft wurde. Darin spielt Ali einen eleganten Jazzpianisten, der im Amerika der frühen Sechziger eine Konzerttour in den tiefen Süden startet, dorthin, wo seine Kunst geschätzt wird, nicht jedoch seine Hautfarbe. So darf er mit seiner Combo im Herrenhaus gern musizieren, zum Pinkeln soll er aber bitte in den Verschlag im Garten, den gezwungenermaßen alle Schwarzen benützen. Er geht so weise um mit offenem Rassismus, dass Ali seine Figur mit einem "Florettfechter" vergleicht, "immer leichtfüßig". Für seine Darbietung wurde Ali gerade mit dem Golden Globe belohnt und für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert.

In "True Detective" spielt er dagegen eher "ein Breitschwert", wie er sagt. Die Cop-Rolle habe ihn an seinen Großvater erinnert, einen kalifornischen Highway-Polizisten in den 60er Jahren. Ali ist nur eines wichtig: Er mag nicht immer das Gleiche spielen.

Mahershala Ali als Strippenzieher in "House of Cards"

Mahershala Ali als Strippenzieher in "House of Cards"

Deshalb war er auch nach vier Staffeln aus der Serie "House of Cards" ausgestiegen, in der er einen Lobbyisten in Washington gab: Die Leute sprachen ihn auf der Straße mit seinem Rollennamen an – was zwar verständlich ist (Remy statt Mahershala!). Aber Ali wollte die Flügel spreizen, wollte mehr erreichen als sein Vater. Der Schauspieler Phillip Gilmore hatte sein Leben lang vom Erfolg geträumt, aber außer Zweitbesetzungsengagements am Broadway nicht viel gerissen. Was, wie man vom US-Entertainmentgeschäft weiß, nicht immer mit mangelndem Talent zu tun hat, sondern auch mit Hautfarbe.

Kompliziertes Verhältnis zu Heimatliebe

Ständig, so sagt Ali, erwarte man von ihm Stellungnahmen zur Rassenpolitik seines Landes. Er lächelt höflich. Vorurteile gehören für ihn zum Alltag, aber nicht jeden Tag leide er darunter. Es sei wie mit einem kaputten Knie, sagt der ehemalige Sportler. "Man vergisst manchmal, dass es wehtut. Aber wenn man Treppen steigen soll, nimmt man automatisch den Aufzug."

Beste Rolle: Gerade gewann Ali den Golden Globe, den er hier an der Seite seiner Frau Amatus Sami-Karim vorzeigt

Beste Rolle: Gerade gewann Ali den Golden Globe, den er hier an der Seite seiner Frau Amatus Sami-Karim vorzeigt

Noch bis vor Kurzem kam es vor, dass er auf der Straße von Polizisten grundlos nach seinen Papieren gefragt wurde. Er spürte, dass Frauen ihre Handtasche fester griffen, wenn er an ihnen vorbeiging. Und neulich, bei einem Besuch im noblen Privatclub Soho-House in London, fragte der Kellner seine Freunde nach ihrer Bestellung – und Ali nach seiner Mitgliedschaft.

Praktisch gestern noch verfolgten im Kaufhaus Detektive jeden seiner Schritte, sagt Ali leichthin, "und heute laufen mir die Mädchen nach: Gesund kann so ein Wechselbad nicht sein." Der Angehimmelte weiß, dass er Sexsymbol und Hollywoodstar ist in einem Land, in dem etliche seiner Mitbürger ihn gern scheitern sähen.

Bei der Oscar-Verleihung 2016 verkündete Ali obendrein, dass er Muslim sei – er hatte einst seinen Familiennamen Gilmore in Ali geändert. Ein provokantes Bekenntnis zur Hoch-Zeit von Präsident Trumps hysterischem Einreisebann für Muslime. "Moonlight" handelt vom Aufwachsen eines jungen Schwarzen im Vorstadtghetto, und was er bei diesem Film gelernt habe, sagte Ali damals und kämpfte mit den Tränen, sei, "dass Menschen in sich zusammenfallen, wenn man sie anfeindet und nicht akzeptiert".

In der dritten Staffel der komplexen Thriller-Serie "True Detective" steht ein Polizistenduo aus Arkansas im Mittelpunkt: Mahershala Ali und Stephen Dorff stöbern in einem Vermisstenfall, der schnell zur Mordermittlung wird und sich als Wespennest von Satanismus, Pädophilie und Rassismus erweist. Dicht erzählt, beklemmend, bewegend, spannend. Zu sehen bei Sky. 

In der dritten Staffel der komplexen Thriller-Serie "True Detective" steht ein Polizistenduo aus Arkansas im Mittelpunkt: Mahershala Ali und Stephen Dorff stöbern in einem Vermisstenfall, der schnell zur Mordermittlung wird und sich als Wespennest von Satanismus, Pädophilie und Rassismus erweist. Dicht erzählt, beklemmend, bewegend, spannend. Zu sehen bei Sky. 

Mitnichten sei er unpatriotisch: "Aber Afroamerikaner haben ein kompliziertes Verhältnis zu Heimatliebe. Im Grunde sind wir wie missbrauchte Kinder. Wir lieben unsere Eltern weiterhin, aber wissen, dass in dieser Beziehung etwas nicht stimmt."

Sohn einer evangelikalen Priesterin

Seine Frau Amatus Sami-Karim, eine Musikerin, ist die Tochter eines Imams. Sie nahm ihren Boyfriend 1999 erstmals mit in die Moschee. Sein neuer Glaube, sagt Ali, habe einen besseren Menschen aus ihm gemacht. Aufgewachsen ist er in einer Kleinstadt bei San Francisco – wo ihn die Kumpel kurz "Hershel" nannten – als Sohn einer evangelikalen Priesterin. Die schlug nicht gerade Purzelbäume vor Begeisterung, als ihr Sohn dann konvertierte. Mehrere Jahre lang wechselten die beiden kein Wort. Doch heute sei wieder alles gut, sagt Ali. Religionskriege innerhalb der Familie seien doch wohl lächerlich.

Zu Hause kommt zwar kein Schweinefleisch auf den Tisch, doch die Hauskatze Nas ist nach einem Rap-Star benannt, nicht nach einem Propheten. Und die Tochter, die im Februar zwei Jahre alt wird, heißt Bari: "Wir wollten was Simples", erklärt Ali grinsend.

"Abu" plappert die Kleine, das heißt Papa auf Arabisch. Sein eigener hebräischer Name übrigens bedeutet: Beeile dich, Belohnung wartet! Wozu eilen?, sagt sich Mahershala Ali heute und nimmt Bari auf den Arm. Da ist sie doch.

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