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Hollywoodfilm "Die Frau in Gold": Nazis, Intrigen und ein Sexmonster

Hollywood hat die Geschichte des berühmtesten Bildes von Gustav Klimt verfilmt: die Goldene Adele. Moritz Bleibtreu spielt das Wiener Malergenie - für eine Minute.

Von Anja Lösel

Szene aus "Die Frau in Gold" mit der göttlichen Helen Mirren und Ryan Reynolds

Szene aus "Die Frau in Gold" mit der göttlichen Helen Mirren und Ryan Reynolds

Ein bisschen mehr von Moritz Bleibtreu hätten wir schon gern gesehen. "Adele, du bist unruhig heute", sagt er zu der Wiener Schönheit, die für ihn gerade Modell sitzt. "Ich mache mir Sorgen", erwidert sie. "Um die Zukunft." Schnitt, Schluss, Ende der Szene. Grade mal eine Minute lang darf Bleibtreu im Film "Die Frau in Gold" das Wiener Malergenie Gustav Klimt geben.

Dabei hätte so viel mehr drin gesteckt in seiner Rolle. Immerhin ließ sich Klimt von der zarten Adele Bloch-Bauer zu einem der herrlichsten Jugendstil-Gemälde inspirieren. Unter seinen Händen entstand ein Jahrhundertbild in Gold, prächtig und geheimnisvoll. "Mona Lisa Österreichs" nannten die Wiener das Bild, als es noch im Schloss Belvedere hing. Es war der Star unter all den Kunstwerken, heiß geliebt, hunderttausendfach gedruckt auf Schals, Taschen und Kühlschrank-Magneten.

Kann so ein Bild einfach das Land verlassen? In Richtung USA, zu einer Nichte der Porträtierten? Nein, geht nicht, fanden die Österreicher. Doch, geht, beschloss nach langen Querelen ein Schiedsgericht.

Trailerpremiere "Die Frau in Gold": Helen Mirren und die österreichische Mona Lisa

Die aufregende Geschichte dieser Rückgabe zeigt die Hollywoodproduktion. In der Hauptrolle: Helen Mirren als wunderbar störrische, streitbare Nichte Maria Altmann, der es am Ende gelingt, gegen den Willen des Staates Österreich das Porträt ihrer schönen jüdischen Tante zu erstreiten. Die zweite Hauptrolle spielt, klar, das Gemälde. Dieses Porträt der reichen Wiener Bankierstochter Adele Bloch-Bauer, geraubt von Hitlers Nazi-Schergen, in Wien widerrechtlich zur Schau gestellt, zurückgefordert, vor Gericht umkämpft - und schließlich restitutiert.

Ein unglaublicher Krimi, in dem eine 84 Jahre alte, vor den Nazis nach Los Angeles geflohene Dame alle dumm aussehen lässt - von der österreichischen Kultusministerin bis hin zum Direktor des Museums Schloss Belvedere.

Keine einfache Dame

4000 Kronen verlangte Gustav Klimt für ein Porträt, so viel wie ein Viertel eines Hauses. Ferdinand Bloch-Bauer leistete es sich gleich zweimal, seine Frau Adele von Klimt malen zu lassen. Sie war reich und klug, aber ihre Nichte Maria beschrieb sie auch als "krank, leidend, immer mit Kopfweh, rauchend wie ein Schlot, furchtbar zart, dunkel". Keine einfache Dame.

Und die stieß nun auf Gustav Klimt, dem der Ruf des Verführers und triebgesteuerten Sexmonsters vorauseilte. 14 Kinder mit zahlreichen Frauen soll er gezeugt haben. Mit 35 Jahren war er der König unter den Wiener Malern, geschätzt sogar vom Kaiser Franz Joseph. Klimt lief mit wallenden "Reformgewändern" herum, entzückte die Damen der Gesellschaft mit seinen erotischen Zeichnungen und gewann trotzdem deren Ehemänner als Mäzene, denn teure Porträts demonstrierten, wie wohlhabend ein Mann war.

Eine Dame, die sich von Klimt malen ließ, konnte allerdings unter den Verdacht geraten, sich auf mehr als nur eine Porträtsitzung eingelassen zu haben. Adele war das egal, ihrem Mann offenbar auch. Ab Dezember 1903 traf sie Klimt wieder und wieder im Atelier. Klar, dass die Gerüchteküche brodelte.

Die Goldene Adele

Die Goldene Adele

Von Nazis gestohlen

Inspiriert von den goldenen Mosaiken in Ravenna umgab der Maler die Schöne mit einem raffinierten Ornament aus Gold, als sei sie eine Heilige. Adele war da grademal 26 Jahre alt. Das Bild machte sie zu einer Berühmtheit, zum Prototyp der Wiener Jugendstil-Dame: modern, klug, städtisch. Ganz Wien suchte nach Beweisen für Adeles Affäre mit Klimt. War da was? Wahrscheinlich nicht. Klimt hatte schon damals Syphilis, Adele wusste wohl davon und hielt sich zurück. Oder ihn. Er starb 1918 mit 55 Jahren. An diesem Tag malte Adele Bloch-Bauer ein Kreuz in ihr kleines, schwarzes Tagebuch.

Nur sieben Jahre später, 1925, starb auch sie - mit 43 Jahren an einer Hirnhautentzündung. Ihr Mann, so hatte sie es sich gewünscht, sollte nach seinem Tod ihr goldenes Porträt der Österreichischen Galerie stiften, dem späteren Belvedere. Ein letzter Wille, der später zum großen Streit führte. Denn Adele war gar nicht die Besitzerin des Bildes. Allein ihr Mann hatte das Recht, darüber zu verfügen. Aber Adeles Porträt war nicht mehr bei ihm.

Nazis hatten es von der Wand gerissen, geraubt und den Erben vorenthalten. Ihr kostbares Halsband, das Adele auf dem Porträt trägt, landete gar am Hals von Emmy Göring, der Ehefrau von Hitlers Reichsluftfahrtminister. Und das Schlimmste: Adeles Name war ausgelöscht. Das Museum Belvedere stellte es stolz aus unter dem Titel: "Damenbildnis mit Goldhintergrund". Wäre ja zu peinlich gewesen, etwas über die Herkunft der Porträtierten erzählen zu müssen.

135 Millionen Dollar

Erst Adeles Nichte Maria Altmann gelang es, die geliebte Tante aus der Vergessenheit zu reißen und ihr Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Mithilfe ihres Anwalts Randol Schoenberg, dem Enkel des Wiener Komponisten Arno Schönberg, gelang es ihr, das Porträt ihrer Tante zu erstreiten. Behalten wollte sie es nicht. Sie verkaufte es zum Rekordpreis von 135 Millionen Dollar an Ronald Lauder, den millionenschweren Kosmetik-Erben und Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses. Er zeigt es nun in seiner New Gallery an der Fifth Avenue in New York - öffentlich und für jedermann zu besichtigen.

Dort hängt sie über dem Kamin, genau wie zu Hause bei den Bloch-Bauers und natürlich mit ihrem korrekten Namen. Direkt unter dem Porträt ließ Lauder kürzlich ein Dinner ausrichten, um den Film zu feiern: zu Ehren von Helen Mirren.