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Stern Logo Academy Awards - Die Oscar-Verleihung

Kurzfilm "Spielzeugland": Deutscher Drehbuchautor jubelt über Oscar

Es ist eine kleine Sensation in Hollywood: Nicht für die deutsche Großproduktion "Der Baader Meinhof Komplex" gab es einen Oscar, sondern der Kurzfilm "Spielzeugland" wurde ausgezeichnet. stern.de sprach mit Johann Bunners, der das Drehbuch dafür geschrieben hat.

Gratulation Herr Bunners, wie fühlt es sich an, einen Oscar gewonnen zu haben?

Großartig. Unser Regisseur Jochen Alexander Freydank stand auf der Bühne. Als ich meinen Namen in dem riesigen Saal gehört habe, und wir für die Idee ausgezeichnet wurden, für die wir jahrelang gekämpft haben, war das ein ganz großes Gefühl und freut uns unglaublich.

Sie waren bei der Verleihung im Kodak Theatre?

Mein Bruder David, der die Hauptrolle in "Spielzeugland" spielt und den Film auch produziert hat, und ich saßen neben dem Bruder von Werner Herzog. Wir haben mit ihm mitgefiebert. Gemeinsam mit meinem Bruder so hautnah dabei zu sein, an den Stars, mitten im Geschehen, und dann auch noch von unserem Idol Robert de Niro den Preis verkündet zu bekommen, das hat unser Herz höher schlagen lassen. Dass wir als Ostberliner mal in L.A. sind, hätten wir nicht zu träumen gewagt.

Wie ist es, über den roten Teppich zu laufen?

Auf dem roten Teppich ist man sehr angespannt: Welche Kamera, welches Team, welcher Journalist will einen interviewen? Kevin Kline lief hinter uns vorbei. Ich habe mich darauf konzentriert, nicht mit den glatten Sohlen meiner neuen Lederschuhe auf dem Teppich auszurutschen und dass nach ein paar Tagen Fastfood der Smoking auch noch sitzt. Aber wir haben das sehr genossen, Julia Jäger, unsere Hauptdarstellerin, David, Jochen und ich, gemeinsam über den Teppich zu laufen.

Wo feiern Sie?

Wir sind gerade auf der Constantin-Party angekommen. Ich stehe allein mit einer dicken Zigarre auf dem Dach des Sunset Marquis Hotels in Westhollywood und genieße den Moment. Der Mond scheint, das Klima ist lau. Ich sehe hinunter auf den wunderbaren Hotelgarten mit Palmen und all den Leuten. Die Stimmung ist zwar nicht euphorisch, "Der Baader Meinhof Komplex" hat ja keinen Oscar bekommen, aber entspannt. Ich hätte mich gefreut, wenn noch mehr deutsche Kandidaten gewonnen hätten. Ob wir noch weiter ziehen auf die "Vanity-Fair"-Party, zu der alle Gewinner freien Eintritt haben, weiß ich noch nicht. Ich bin satt von den vielen Interviews und Partys der letzten Tage. Jetzt darf alles abfallen, vielleicht gibt es sogar noch deutsches Bier, ein schönes Pils wäre gut.

Was bedeutet dieser Oscar für die Zukunft?

Es ist gut, dabei zu sein, an diesem Abend dazu zu gehören, aber am Ende zählt die Arbeit, die Geschichte. Dieser Kurzfilm ist eigentlich aus einem langen Film entstanden, den ich vor Jahren geschrieben habe. Durch den Erfolg gibt es hoffentlich die Möglichkeit "Wunderlitz", so heißt der Film, wieder aufleben zu lassen, ich als Autor, Jochen als Regisseur. Es geht um einen Pimpf, also einen jüngeren Hitlerjungen, der ein Kriegsmädchen rettet und auf seine eigene Kraft vertraut.

Danke für das Interview und viel Erfolg für die nächsten Projekte!

Dankeschön.

Interview: Kathrin Buchner