Oscarnominierte Tragikomödie George Clooney überzeugt in "Up in the Air"


Ganz oben gibt es Gratis-Champagner und lächelnde Stewardessen. Ganz unten blickt Ryan Bingham tagtäglich in graue Gesichter. Der "Karriereübergangsberater" muss im Auftrag feiger Chefs Angestellten ihre Kündigung überbringen. Kein Wunder, dass sich Vielflieger Bingham, gespielt von einem melancholischen George Clooney, über den Wolken wohler fühlt.

Ganz oben gibt es Gratis-Champagner und lächelnde Stewardessen. Ganz unten blickt Ryan Bingham tagtäglich in graue Gesichter. Der "Karriereübergangsberater" muss im Auftrag feiger Chefs Angestellten ihre Kündigung überbringen. Kein Wunder, dass sich Vielflieger Bingham, gespielt von einem melancholischen George Clooney, über den Wolken wohler fühlt. Das Fliegen ist für den Antihelden der am 4. Februar anlaufenden Tragikomödie "Up in the Air" zum Lebensinhalt geworden.

Das höchste Ziel des "Frequent Flyer", der 300 Tage im Jahr im Flieger verbringt, ist das Erreichen von 10 Millionen Flugmeilen und die Erlangung einer exklusiven Kundenkarte. Frauen, Familie und Ärger hat der Single bisher erfolgreich vermieden. Und da in Krisenzeiten das Consulting-Geschäft boomt, ist sein Ziel in greifbarer Nähe. Doch als die nassforsche neue Kollegin Nathalie anregt, Kündigungen per Videokonferenz vom Firmensitz in Kansas aus vorzunehmen, ist dies selbst Job-Terminator Bingham zu kaltschnäuzig. Ganz abgesehen von den Miles-&-More-Prämien.

Auch Regisseur Jason Reitman, der bereits mit der frechen Schwangerschaftskomödie "Juno" einen Hit landete, ist ein Krisengewinner. Denn die Finanzkrise, beim Drehbuchschreiben noch nicht absehbar, machte "Up in the Air" zum Film der Stunde. So widmet sich ein Gutteil der Handlung Binghams Tête-à-têtes mit verzweifelten Menschen. Die mal schwarzhumorigen, mal herzzerreißenden Szenen wurden teils von kürzlich gefeuerten Laien improvisiert - und dass die Gekündigten ein höheres Armutsrisiko haben als im hiesigen Wohlfahrtsstaat, steigert die Dramatik.

Die Begegnungen gehen auch Nathalie, die ihren Mentor Bingham auf seinen Trips begleiten muss, an die Nieren. Doch nicht nur beim Kümmern um die kleine Havard-Absolventin entwickelt der Teflonmann unversehens Gefühle. Einen weiteren Kratzer verursacht seine Affäre mit der vielfliegenden Geschäftsfrau Alex - die wundervolle Vera Farmiga aus "Departed" -, die nicht nur sexy und sympathisch ist, sondern, wie sich zeigt, smarter als er. Und dann ist da noch sein Abstecher zur Hochzeit seiner Nichte im abgeschabten Kleine-Leute-Milieu, dessen Nestwärme sein kaltes Herz zum Kribbeln bringt.

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins: Die filmische Botschaft läuft natürlich darauf hinaus, dass diesem Apologeten eines Lebens ohne Bindungen, Hypotheken und ungewaschenen Kindern der Gratis-Champagner irgendwann schal schmecken soll und dass die Schwerkraft nicht nur seine Mundwinkel nach unten zieht. Doch Reitman ist ein zu guter Regisseur für ein billiges Happyend. Die Schönheit und Intelligenz seiner Tragikomödie liegt im Atmosphärischen. Ausführlich wird Binghams Geborgensein in der aseptischen, luxuriösen Erster-Klasse-Matrix des Flugbetriebs, die Geschäftsreisenden ihre Einsamkeit versüßt, demonstriert.

Und George Clooney als moderner Nomade, der aus guten Gründen das falsche Leben dem richtigen vorzieht, erweist sich erneut als Augenschmaus und zugleich als großartiger Schauspieler. Vor allem sein Cary-Grant-haftes Talent zur Selbstironie macht diesen alternden Peter Pan unwiderstehlich. Demnächst wird er in der Satire "Männer, die auf Ziegen starren" ein weiteres tragikomisches Kabinettstückchen abliefern. Und wenn Mr. Perfect am 7. März keinen Oscar abkriegen sollte, dann liegt es nur am Neid der männlichen Jury-Mitglieder.

APN APN

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