Rob Zombie's "Halloween" Eine Maske auf Spritztour


Wie klingt das? Rob Zombie's "Halloween"? Klingt das nicht wie... Splatter, Blut und Leichenteile? Genau. Zombie zeigt in der Neuverfilmung von John Carpenters Horror-Klassiker so ziemlich alles. Ein besserer Film ist dabei allerdings nicht herausgekommen.
Von Jens Lubbadeh

Keine Frage - jemand, der sich als Künstlernamen Rob Zombie aussucht, mag es gerne deftig. Mit seinem bürgerlichen Namen würde er einfach nicht einen solchen Assoziationsreigen erzeugen. Oder wie klingt "Robert Bartleh Cummings Halloween"? Gibt man so jemandem die Neuverfilmung von John Carpenters millionenfach kopiertem Horror-Klassiker "Halloween" in die Hand, so muss sich einem der Gedanke förmlich aufdrängen, dass dann ein Remake herauskommt, welches nicht kleckert, sondern förmlich spritzt. Gewaltig spritzt.

Um mal gleich zum Punkt zu kommen: "Halloween" ist so grausam geworden, dass es schon beim Zuschauen weh tut. Nun läge es nahe, sich die Sache einfach zu machen. Zu schreiben: "Halloween" 2007 ist schlecht. Und dann diese Rezension als Polemik weiterzuführen. Doch leider ist die Sache nicht so einfach.

Denn beim Stellen der Gretchenfrage - war der Film schlecht? - muss der ehrliche Rezensent zu seinem eigenen Verdruss gestehen, diese zwar mit einem zögerlichen, aber dennoch mit einem klaren Nein beantworten zu können. Doch die nächste Gretchenfrage - war der Film gut? - befördert ein, diesmal weniger zögerliches, aber ebenso klares Nein zutage.

Rezensent in der Klemme

Gut, schlecht, geht so. Was ist überhaupt ein schlechter Film? Aus der Sicht des Zuschauers wohl einer, der einen nicht gut unterhält. Einer, der einen gar langweilt. Einen, den man sofort wieder vergessen will oder tatsächlich einfach vergisst. Kurzum: Wenn man danach das Gefühl hat, sein Geld zum Fenster rausgeworfen zu haben.

Von der handwerklichen Seite aus: Ein Film mit schlechten Schauspielern, schlechtem Drehbuch, mieser Kameraführung, müden Special Effects. Nichts davon trifft auf Zombies Werk zu. Leider. Denn das würde die Sache einfacher machen. "Halloween" 2007 hängt einem schon irgendwie nach. Man kann ihn nicht so leicht vergessen. Warum eigentlich?

Manches muss nicht gezeigt werden, damit es unheimlich ist

Rob Zombies Ziel war es, das alles zu zeigen, was John Carpenter 1978 nicht gezeigt hatte (wahrscheinlich, weil er es mit seinem 325.000-Dollar-Budget wohl auch gar nicht zeigen konnte). Dass ihm mit dieser Herangehensweise ein besserer Film gelungen ist, kann schon mal klar verneint werden. Manches muss nicht gezeigt werden, damit es unheimlich ist. Manches sollte vielleicht auch besser gar nicht gezeigt werden. Und manches wird auch erst unheimlich, wenn es sich in der Fantasie weiterspinnt.

Zombies "Halloween" hält sich im Gegensatz zu Carpenters Version lange bei dem kindlichen Michael Myers auf. Leider tappt er dabei schon ganz früh in die Klischee-Falle. Wie wurde Michael Myers zum Serienkiller? Genau, die anderen sind schuld: Da ist der gewalttätige Vater, der die ganze Familie und vor allem Michael tyrannisiert. Da sind die gewalttätigen Mitschüler, die den kleinen Michael schlagen. Da ist die fiese Schwester, die Michael immer hänselt. Das ist zu sehr Küchenpsychologie und abgeschmackt. Doch damit gibt Zombie schon die Richtung vor: Psychologie statt Dämonie. Das Setting in der Halloween-Nacht (der Titel des Films!), gerät zur Papp-Kulisse. Bei Carpenter war das Übernatürliche, unterstrichen noch durch den berühmten von Carpenter selbst komponierten Synthesizer-Soundtrack, ein wesentliches Element des Films. Bei Zombie wird das holzschnittartige Profil eines Serial-Killers abgefilmt.

Wie gesagt: Es spritzt.

Dieses simple Strickmuster raubt dem Film Spannung, weil sich dadurch eine klare "Prioritätenliste" der zu metzelnden Opfer ergibt: War es in "Halloween" 1978 noch die eigene Schwester, die das erste Opfer Myers' war, wird in der 2007er-Version zuerst eine Ratte (zum Üben?), dann der gemeine Mitschüler (Schulpflicht), und schließlich zuhause zuerst der Vater (der Schlimmste), dann der Freund der Schwester (ist zufällig in der Küche) und dann die Schwester selbst (ist die letzte, die im Haus noch lebt) hingerichtet. Das alles an einem einzigen Tag: an Halloween. Die fehlende Spannung glaubt Zombie mit epischer Ausbreitung der Gewalt kompensieren zu müssen. Wie gesagt: Es spritzt. Die Rechnung geht nur bedingt auf. Die Grausamkeit der Morde en détail zu zeigen bewirkt zwar, dass sich einem die Szenen förmlich einbrennen, aber der wahre Horror, den man bei nicht minder grausamen Morden eines Hannibal Lecters zu sehen bekommt, fehlt.

Nach diesen Taten kommt Klein-Michael mit der Maske erst einmal in die Psychiatrie. Das ist der Auftritt des aus der Versenkung geholten "Clockwork Orange"-Stars Malcolm McDowell, der in dem Remake Donald Pleasence als Psychiater Loomis beerbt. Eine wirklich interessante Besetzung - McDowells heruntergekommene Erscheinung, die seiner wie immer sehr starken Leinwandpräsenz aber nicht abträglich ist, unterstreicht die ganze B-Moviehafte Anmutung des Films. Sie ist zugleich aber auch entlarvend: McDowells Spiel ist zu stark für die schwache Psychologie des Films.

Ein Dilemma für den Regisseur

Um zu verdeutlichen, dass der kleine Myers wirklich abgrundtief böse ist und seine Taten nicht etwa eine Kurzschlussreaktion aufgrund erlittener Frustration sind, bringt er noch eine völlig unschuldige Krankenschwester um - und wird endgültig für viele, viele Jahre weggesperrt. Damit ist der Film nach der Hälfte erst da angelangt, wo John Carpenters "Halloween" eigentlich begann: Nach dem Ausbruch des erwachsenen Myers aus der Psychiatrie, ausgerechnet wieder in einer Halloween-Nacht, in der er damals seine Schwester ermordete. Eine erneute Mordtour beginnt.

Dass John Carpenters "Halloween" im Jahr 2007 zweifellos nicht mehr die gleiche Wirkung hat wie 1978, ist unbestritten. Das liegt vor allem daran, dass John Carpenters Low-Budget-Werk ein Genre begründete, das danach mit weitaus blutrünstigeren Filmen ("Freitag, der 13.", "Nightmare", "Scream") Abnutzungseffekte bei den Zuschauern hervorrief. Doch nicht nur das, die charakteristischen Kameraeinstellungen, die Ich-Perspektive des Killers wurden oft kopiert und über das Original hinaus weiter gesteigert. Zweifellos ein Dilemma für den Regisseur, der sich an ein Remake von "Halloween" heranwagt. Die Lösung allerdings nur in einem Psycho-Facelifting und einer grotesken Steigerung der Gewalt zu suchen, muss scheitern.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker