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Sarah Biasini: Romy Schneiders Tochter tritt schweres Erbe an

Sarah Biasini hat keine Angst vor Vergleichen mit ihrer weltberühmten Mutter Romy Schneider. Obwohl in dem neuen Fernseh-Zweiteiler "Julie" alle Augen auf sie gerichtet sein werden.

Das energische Kinn stützt sie auf ihre Hände, der Blick bleibt ernst, kein Lächeln zuckt über ihren Mund. Fünf Minuten lang verfolgt Sarah Biasini Ausschnitte aus ihrem Fernseh-Zweiteiler "Julie" und weiß, dass die Augen der anderen Betrachter weniger auf die Filmtrailer gerichtet sind als auf sie. Selbst als die 26-Jährige in einer Szene des deutsch-französischen Mantel- und Degenstreifens ihrem Mitspieler Thure Riefenstein den Hosenboden aufschlitzt und das Publikum zu grinsen beginnt, zuckt Sarah Biasini nicht.

Das Lachen von der Mutter geerbt

Erst als die kurze Demonstration des Films, der ins Frankreich des 17. Jahrhunderts führt, zu Ende ist und Produzent Jan Mojto ihr zulächelt, löst sich die Erstarrung der jungen Frau, und über ihr Gesicht breitet sich ein Lachen aus, das die ganze Kinowelt schon vor langer Zeit über Jahre in seinen Bann gezogen hat: Wenn sie strahlt, sieht Sarah Biasini wie ihre Mutter aus: Romy Schneider, die starb, als Sarah vier Jahre alt war, hat ihr das Lachen, das schauspielerische Talent und damit eine schwere Bürde vererbt.

"Wenn ich lache, sehe ich aus wie meine Mutter, wenn ich rede, höre ich mich an wie meine Mutter, manchmal aber auch nicht", sagt die junge Frau, in deren Film der französische Sender TF 1 und der deutsche Partner Sat.1 neben großen Hoffnungen auch insgesamt zehn Millionen Euro investieren. "Aber was soll ich machen? Allen anderen Menschen geht das genau so. Und hätte ich den Beruf der Schauspielerei sein lassen sollen, weil ich Angst haben muss, dass die Kritiker und Zuschauer sofort die Vergleiche parat haben?"

"Meine Mutter wäre wahrscheinlich stolz auf mich"

Das sagt sie auf Wunsch auf Französisch, Englisch und Italienisch - Deutsch kann sie nicht. Die Antwort dürfte auf die Frage in allen Sprachen aber sicher "nein" lauten. "Und wie bei anderen Menschen wäre meine Mutter wahrscheinlich auch stolz auf das, was ich mache." Dies sagt sie nicht mehr ernst, sondern schon mit deutlicher werdendem Trotz, und dreht in ihrer linken Hand immer schneller die Zigarettenschachtel der Marke "Marlboro light". Der Film habe ihr, versichert sie im Restaurant "Palme d’Or" in Cannes, Spaß gemacht, sei auch anstrengend gewesen, habe ihr aber geholfen, die Arbeit ihrer Mutter zu verstehen.

Sarah Biasini, berichten Mitarbeiter, sei eine sehr natürliche junge Frau, die auf den Boden der Tatsachen steht. Die Nachwuchsmimin, die aus der Beziehung Romy Schneiders zu Daniel Biasini hervorging, wird aber schon jetzt nach außen abgeschirmt wie eine große Diva. Regelmäßig folgt ihr ein Tross aus Mitarbeitern, zwei Maskenbildnerinnen sind bei öffentlichen Auftritten im Einsatz, ihr Vater managt sie, achtet nach Angaben von Kollegen auf alle Vorgänge um sie herum und verkauft "Foto-Strecken" von ihr. Das Umfeld ist allürenreif, die zurückhaltende Sarah dagegen steht erst am Beginn der Karriere.

Keine Neu-Inzenierung der Sissi-Romanzen

Nach Abschluss der Dreharbeiten will sie Urlaub machen - wo, weiß sie nicht. Angebote will sie sondieren, Andeutungen, wie es weitergehen soll, macht sie nicht. Möglicherweise wird die Bavaria Film mit dem italienischen Partner RAI irgendwann die "Sissi"- Romanzen neu inszenieren. Aber: "Damit würde sich Sarah selbst und den Filmemachern absolut keinen Gefallen tun", sagt "Julie"-Produzent Mojto.

Carsten Rave / DPA
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