Tragikkomödie "Vincent will meer" Spannender Spontantrip der Antihelden


Es ist eine Schicksalsgemeinschaft von Antihelden: Der an unkontrollierbaren Tics leidende Vincent, der Zwangsneurotiker Alexander und die magersüchtige Marie türmen gemeinsam aus einem Therapiezentrum. Der eine will ans Meer, der andere eigentlich in der Klinik bleiben, die Dritte sucht den Tod.

Es ist eine Schicksalsgemeinschaft von Antihelden: Der an unkontrollierbaren Tics leidende Vincent, der Zwangsneurotiker Alexander und die magersüchtige Marie türmen gemeinsam aus einem Therapiezentrum. Der eine will ans Meer, der andere eigentlich in der Klinik bleiben, die Dritte sucht den Tod.

In dem Road-Movie "Vincent will meer" skizziert Regisseur Ralf Huettner ("Musterknaben", "Mondscheintarif") die abenteuerliche Reise der drei Protagonisten, die sich mit ihren jeweiligen Macken gehörig auf die Nerven gehen. Hauptdarsteller Florian David Fitz schrieb das Originaldrehbuch und spielt den am Tourette-Syndrom leidenden Vincent, Karoline Herfurth mimt die magersüchtige Marie, Johannes Allmayer den neurotischen Bach-Liebhaber Alexander.

Die drei liebenswürdigen Antihelden begegnen sich in einem Therapiezentrum. Vincent wird hier nach dem Tod seiner Mutter von seinem wahlkämpfenden Vater (Heino Ferch) abgeladen, der seinem Sohn zum Abschied einen ausgefüllten Stimmzettel für die bevorstehende Kommunalwahl in die Hand drückt. Vincents auf penible Reinlichkeit bedachter Zimmergenosse Alexander, der tagein tagaus Zinnsoldaten auf einer Kommode umstellt und Bach-Konzerten lauscht, fühlt sich durch den Neuankömmling in seiner Ruhe gestört. Die magersüchtige Marie dagegen ist schnell von dem neuen Patienten angetan.

Von Zwangsernährung bedroht, schlägt Marie Vincent Hals über Kopf vor, aus der Klinik abzuhauen. Alexander, der den Plan der beiden vereiteln will, landet kurzerhand auf der Rückbank des geklauten Fluchtwagens. Zu dritt brechen die drei auf nach Italien, Vincent will ans Meer. Verfolgt wird das Trio von der besorgten Heimleiterin Dr. Rose (Katharina Müller-Elmau) und Vincents zunächst nur um den Wahlsieg fürchtenden Vater. Für alle Reisenden entwickelt sich der Spontantrip zu einem Wendepunkt im Leben.

Die Flucht der drei Patienten beginnt unbeschwert. Doch in bissigen Bemerkungen wie "Von elf Euro könnte die ein ganzes Jahr essen" (Alexander über Marie) deutet sich schnell die Dramatik des Unterfangens an. Im italienischen San Vincente endet die spannende Verfolgungsjagd, Dr. Rose und Vincents Vater finden die drei Flüchtigen am Strand. Nun muss jeder für sich allein entscheiden, wie und ob sein Leben weitergehen soll.

Die Tragikomödie "Vincent will meer" bringt die mitreißende Geschichte von drei Antihelden auf die Leinwand, die sich an einem Scheideweg befinden. Florian David Fitz beeindruckt in der Darstellung des an unkontrollierbaren und bisweilen obszönen Tics leidenden Vincent ebenso wie Johannes Allmayer in der Rolle des neurotischen Alexander. Durch den Verzicht auf ein klares Happy End und die ungeklärten Fragen, die der Zuschauer mit nach Hause nimmt, gewinnt die Geschichte an Authentizität. Ein Road-Movie mit Tiefgang.

Viktoria Schiller, APN APN

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker