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TV-Nutzung: Deutsche glotzen soviel wie nie

Eine Studie über die TV-Nutzung kam zu traurigen Ergebnissen: Die Deutschen sehen soviel fern wie nie zuvor. In Single-Haushalten läuft die Flimmerkiste im Schnitt mehr als fünf Stunden pro Tag.

Trotz steigender Konkurrenz durch das Internet oder durch Videospiele hat die Fernsehnutzung in den vergangenen zehn Jahren um mehr als ein Viertel zugenommen. Im Vergleich der Jahre 1994 und 2004 stieg die tägliche durchschnittliche Sehdauer von 167 auf 210 Minuten, wie eine Untersuchung des ProSiebenSat.1-Vermarkters SevenOneMedia ergab. Die Untersuchung fußt auf der von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg ermittelten Nutzungsdaten.

Über fünf Stunden TV in Single-Haushalten

Die einzige Ausnahme bilden die Kinder. Die drei- bis 13-Jährigen saßen 1994 und 2004 jeweils 93 Minuten vor der Röhre. Den größten Ausschlag nach oben verursachten die Single-Haushalte, in denen im vergangenen Jahr 311 Minuten pro Tag (nach 233 Minuten 1994) ferngesehen wurde. Über die Qualität geben die Zahlen keine Auskunft: Ob mit der höheren Sehdauer auch die Aufmerksamkeit zugenommen hat oder TV immer mehr den Rang eines medialen Mitläufers (Stichwort: Bügelfernsehen) einnimmt, kann diese Statistik nicht zum Ausdruck bringen.

"Die Zahlen beweisen aber, dass es keine Kannibalisierung der Medien gibt", sagt SevenOneMedia-Forschungsleiter Daniel Haberfeld. "Fernsehen und Internet haben sich beide weiterentwickelt." Erfreut zeigte sich Haberfeld, dass sich in den von den Privatsendern bevorzugten Zielgruppen Wachstumsraten ergeben hätten.

"Keine Kannibalisierung"

Die Werbeexperten registrierten nämlich, dass auch die Nutzungswerte der bei den Privatsendern favorisierten jüngeren Zuschauer zugenommen haben. Die 14- bis 29-jährigen Männer schauten 2004 immerhin 135 Minuten (1994: 102 Minuten) in den TV-Apparat, die gleichaltrigen Frauen 149 statt 120 Minuten, und vor allem die so genannten Haushaltsführenden verbrachten mit 264 Minuten (statt 203 Minuten) deutlich mehr Zeit vor dem Fernseher als vor zehn Jahren. Auch die Auszubildenden steigerten ihre Nutzung von 92 auf 116 Minuten.

Osten und Westen haben sich über die Jahre ein wenig angenähert. In den neuen Bundesländern stieg der Konsum der Zuschauer ab 14 Jahre von täglich 207 auf 251 Minuten - eine Zunahme von 21,1 Prozent. In den alten Ländern blieb die Sehdauer mit 219 Minuten im vergangenen Jahr zwar noch deutlich unter dem Wert im Osten, der Anstieg um 28,7 Prozent fiel aber wesentlich höher aus.

DPA / DPA
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