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Venedig: Zhang-Ke-Wer? holt goldenen Löwen

"Still Life" von Regisseur Jia Zhang-Ke lief auf dem Kinofestival in Venedig als "Überraschungsfilm", räumte dann aber mangels Konkurrenz ab. Die Preise für die besten Schauspieler gingen an Hellen Mirren und einen alten Bekannten.

Der chinesische Regisseur Jia Zhang-Ke hat am Samstagabend beim Filmfestival in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen. Er erhielt den Preis für seinen Streifen "Still Life". Darin erzählt er das Schicksal mehrere Anwohner beim umstrittenen Bau des Drei-Schluchten-Staudamms am Jangtse Fluss in China. Als bester Schauspieler wurde Ben Affleck für seine Hauptrolle in "Hollywoodland" von Regisseur Allen Coulter ausgezeichnet. Die britische Schauspielerin Helen Mirren wurde für ihre Rolle in "The Queen" von Stephen Frears als beste Darstellerin geehrt.

Der Siegerfilm "Still Life" war von Festivaldirektor Marco Müller zuerst nicht als Mitbewerber um den Löwen genannt worden, sondern ging als zunächst unbekannter "Überraschungsfilm" ins Rennen. Unter den 22 Wettbewerbsfilmen war erneut kein deutscher Beitrag. Der Film "Heimat-Fragmente" von Edgar Reitz lief lediglich in einer Nebenreihe. Deutsche Künstler haben seit langem Pech in Venedig: Den bisher letzten "deutschen Löwen" gab es 1982 für "Der Stand der Dinge" von Wim Wenders. Das Filmfest am Lido von Venedig gilt neben Berlin und Cannes als das weltweit wichtigste Festival.

Kein "großer" Film

Die Entscheidung der Jury unter der Leitung der französischen Schauspielerin Catherine Deneuve war nicht einfach: Kritiker sprachen von Ernüchterung am Lido. Zwar liefen mehrere Hollywood-Produktionen mit großer Starbesetzung, ein wirklich großer, mitreißender Film blieb jedoch nach vorherrschender Meinung aus.

Dabei gerät das Festival in der Lagunenstadt erstmals unter Druck durch eine Konkurrenzveranstaltung im eigenen Lande: Bereits Mitte Oktober (14.-21.) startet Rom erstmal ein "Festa del Cinema" zu der sich bereits Topstars wie Nicole Kidman angesagt haben.

Nüchterne Abschlussgala

Bei einer kurzen und eher nüchternen Abschlussgala am Samstagabend ging der Spezialpreis der Jury an Regisseur Mahamat Saleh Haroun aus dem afrikanischen Tschad für seinen Streifen "Daratt". Der Silbernen Löwen erhielt der französische Altmeister Alain Resnais für "Privat Fears in Public Places".

Den Silbernen Löwen für die "größte Entdeckung" des Festivals erhielt der italienische Regisseur Emanuele Crialese für "Nuovomondo". Bereits vor einigen Tagen hatte der amerikanische "Kultregisseur" David Lynch den Goldenen Ehrenlöwen für sein bisheriges Gesamtwerk erhalten