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Folgen der Pandemie "Kino funktioniert nur mit Publikum – und neuen Filmen": Wie das Coronavirus Kinos in die Krise stürzt

Sehen Sie im Video: Kinobetreiber erzählt, wie die Corona-Pandemie deutsche Kinos in die Krise stürzt.


"Also Kino funktioniert nur mit Publikum."


"Das große, große Problem im Moment sind auch Filme. Wir kriegen langfristig ein Problem mit unserem Produkt."


"Mein Name ist Jasper Koch. Ich bin der Theaterleiter des Abaton Kinos."


Ein Rundgang durch das Kino


"Im Eingangsbereich hat sich gar nicht so viel geändert. Wir haben ein paar Markierungen auf dem Boden getan, damit die Leute die anderthalb Meter irgendwie sehen. Dahinten bei der Kasse, die jetzt gerade noch geschlossen ist, hatten wir das Glück, dass die von vornherein mit Glas ist. Das heißt, die Kollegen und Kolleginnen sitzen hinter Glas und sind da geschützt, können dann auch, solange sie allein in der Kasse sind, ohne Maske arbeiten. Wir haben jetzt kein Einbahnstraßensystem hier in unserem Gang gemacht, weil der relativ eng ist. Da müssen dann die Menschen darauf achten. Hier im ganzen Foyer müssen Masken getragen werden, am Platz kann die Maske abgenommen werden im Saal. Wir haben im Kino, Desinfektion-Spender natürlich aufgehängt, an mehreren Stellen im Kino.


Dass die Filme nicht mehr gleichzeitig anfangen, nicht gleichzeitig zu Ende sind, damit sich möglichst wenig Menschen begegnen. Das ist ja auch total wichtig, und das haben wir.


Das war auch eine Herausforderung, das alles so hinzukriegen, dass wir das zeitlich alles auf die Reihe kriegen.


Oberflächen an der Bar und so werden in sehr regelmäßigen Abständen infiziert. Da muss man dann immer sehr darauf achten, dass das auch passiert. Aber das ist eigentlich kein Problem."
Abgesperrte Reihen, wenige Karte zu verkaufen


"Das ist der etwas traurige Teil. Jede zweite Reihe ist einfach schon mal komplett dicht, um diesen Abstand nach vorne und hinten zu gewährleisten von anderthalb Metern. Und wenn Menschen zusammen ins Kino kommen, dann können sie natürlich zusammen sitzen. Also sagen wir mal Ein Pärchen sitzt hier auf Platz 1 und zwei, dann bleiben Platz 3 und 4 frei, und Platz fünf geht es weiter. Dass diese Abstände eingehalten werden? Das klappt eigentlich sehr gut. Es hat nur für uns zur Folge, dass wir wahnsinnig wenig Plätze verkaufen können.


Dieser Saal hat 200, 66 Plätze, und er ist im Moment, je nachdem, wie groß die Gruppen sind, irgendwo zwischen 60 und 70 Plätzen ausverkauft. Und dass das ein Problem ist, kann man sich vorstellen.


Es hat schon Hilfen gegeben von der Kulturbehörde. Aber ich glaube, dass es nicht nur im Kino, sondern in der Kultur Branche insgesamt, dass sich alle ein bisschen alleingelassen fühlen. Wir haben inzwischen wieder auf. Das ist super. Wir sind aber in einer Situation, in der wir so wenig Plätze verkaufen dürfen, dass wir damit eigentlich nicht wirtschaftlich arbeiten könnten. Damit kann man, wenn es gut ausgelastet ist, wahrscheinlich irgendwann auf null kommen. Aber Geld verdienen kann man damit nicht. Und die drei Monate, die wir nur dreieinhalb, die kriegt man natürlich auch nicht zurück. Auf der anderen Seite will natürlich auch niemand unnötige Risiken eingehen. Wir brauchen im Grunde geringere Abstände. Aber das muss natürlich das Geschehen auch hergeben. Und da muss man natürlich das darf man nicht unsicher werben. Will halt auch keiner. Man hat den Eindruck, dass eine Menge Leute kamen und sagen 'Oh, toll, dass ihr wieder offen habt und endlich wieder Kino'. Aber dann vielleicht in den ersten zehn Tagen gekommen sind, und das ist auch deshalb danach dann wieder weniger geworden ist. Man hat schon eine Menge Stammkunden, und den hat Kino offensichtlich sehr gefehlt. Aber die Laufkundschaft, die fehlt natürlich total."
"Langfristig kriegen wir ein Problem mit unserem Produkt"


"Das große Problem im Moment sind auch Filme, die sind alle monatelang geschoben, die werden noch weiter geschoben werden. Und ohne diese Filme funktionieren die großen Kinos überhaupt nicht. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was die gerade spielen. Und das wird irgendwann für uns auch zum Problem werden. Wie gesagt, Tennet wäre auch was, womit wir auf jeden Fall hoffentlich eine Menge Geld verdient hätten. Der neue Bond sollte bei uns laufen, so lange und so lange in den USA, das so läuft, wie es gerade läuft, was ja fürchterlich ist, solange werden diese Filme alle nicht rauskommen. China ist der zweitgrößte Markt. Solange diese beiden Märkte dicht sind, hat das auch Auswirkungen auf China und Deutschland. Und zwar tatsächlich aufs Programm und damit auch auf die Zuschauer. Denn die Leute wollen neue Filme sehen. Die Leute wollen nicht Dinge sehen, die sie genausogut auf ihrer Couch im Streaming gucken könnten. Wir kriegen langfristig ein Problem mit unserem Produkt."
Angst vor einer zweiten Welle
"Wenn diese befürchtete zweite Welle kommt. Wenn man sich die Bilder aus Mallorca anguckt, dann kriegt man ein bisschen Angst, dass sie kommt. Ja, dann haben wir ein Riesenproblem, wenn wir noch einmal zugemacht werden und nochmal zwei oder drei Monate gar keine Einnahmen haben. Und dann im Winter, wo wir den Großteil unseres Geldes verdienen, dann haben wir ein Riesenproblem. Kino funktioniert nur mit Publikum. Das Geschäftsmodell von Kino ist Menschen gemeinsam in einem Saal, die sich zusammen Filme angucken. Da geht es auch um dieses Gemeinschaftserlebnis, zusammen so ein Film zu entdecken. Das ist auch etwas, was Netflix nicht kann, so toll Netflix auch irgendwie ist. Aber das ist das Besondere des Kinos, und das funktioniert nur mit vielen Leuten in einem Raum, und das ist ein Problem. Und das wird auch weiter ein Problem bleiben. Ja, da ist ein Plan B sehr, sehr schwierig."

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Abgesperrte Reihen, verschobene Filme, strenge Auflagen: Jasper Koch, Theaterleiter des "Abaton Kino" in Hamburg, nimmt den stern mit in den Saal und erzählt, wie dieser Teil der Kulturbranche um seine Existenz in der Coronavirus-Pandemie bangt.

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