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Zhang Yimou: "Ich bin nicht faschistoid"

Für seinen Martial-Arts-Film "Hero" bekam Zhang Yimou eine Oscar-Nominierung, eine Einladung zur Berlinale und jede Menge Ärger. Ein Gespräch mit dem chinesischen Regisseur.

In unglaublich schönen Bilder und mit großartig choreografierten Kampfszenen erzählt Zhang Yimou in seinem neuen Film "Hero" die Geschichte des ersten Herrschers von China, der sich vor 2000 Jahren gegen mehrere Widersacher behaupten musste. Das historische Drama um Liebe, Eifersucht und Intrigen ist mit 30 Millionen Dollar die teuerste chinesische Produktion aller Zeiten. Für seinen ersten Martial-Arts-Film bekam der 51-jährige Regisseur ("Die Rote Laterne") eine Oscar-Nominierung, eine Einladung zur Berlinale und jede Menge Ärger.

Sie gelten als politischer Filmemacher. Mit "Hero" haben Sie sich erstmals an das Martial-Arts-Genre gewagt. Warum?

Ich habe schon als Kind Kungfu-Romane geliebt, aber da ich zu einer Generation von Filmemachern gehöre, für die es wichtig war, sich mit ihrer Gesellschaft und Geschichte auseinander zu setzen, war Kungfu lange kein Thema fürs Kino. Das galt als Kitsch und wir wollten Kunst machen. Aber mit der Zeit ist das Filmemachen auch eine Industrie geworden. Nur Preise gewinnen reicht nicht, um den chinesischen Film am Leben zu halten. Mit "Hero" habe ich mir einen Traum erfüllt, einen Kungfu-Film mit künstlerischem Anspruch. Und es funktioniert, "Hero" schlägt schon jetzt alle Rekorde.

"Hero" ist nicht nur kommerziell sehr erfolgreich, sondern hat auch eine Kontroverse losgetreten, weil Sie den Kaiser Qui ins Zentrum Ihrer Geschichte stellen, einen Tyrannen, der mit Hitler verglichen wird. Was haben Sie sich denn dabei gedacht?

Das Ideologische hat für mich keine Rolle gespielt, nur das Dramatische. Mir gefiel der Stil der Qui-Dynastie. Außerdem ist dieser Kaiser und die Legenden, die sich um ihn ranken, sehr bekannt in China, das hat mir viele historische Erklärungen erspart. Mit dieser unglaublichen Kritik hatte ich nicht gerechnet, und ich habe es später auch bereut, mich für diesen Kaiser entschieden zu haben. Obwohl sich die Diskussion natürlich auch positiv an der Kinokasse auswirkt.

Ist es nicht ein bisschen naiv, einen Film über eine so umstrittene Figur zu machen, und sich dann über Kritik zu wundern. Kaiser Qui hat immerhin Bücher verbrennen und Gelehrte lebendig begraben lassen?

Natürlich ist diese Figur umstritten, aber es gab noch ganz andere, die viel mehr getötet haben. Ich habe mir nicht den schlimmsten Bösewicht ausgesucht, sondern einen Kaiser, der auch 700 Jahre Krieg beendet und China geeint hat. Mich interessiert nicht, wie ein Kaiser, der vor 2000 Jahren gelebt hat, politisch zu bewerten ist. Mich hat die Attentatsgeschichte interessiert, das Menschliche.

Sie hatten viele Jahre Probleme mit der chinesischen Zensur. Ihre Filme "Leben" und "Ju Dou" wurde verboten, Sie selbst mit Ausreise- und Arbeitsbeschränkungen belegt. Bei "Hero" gab es keine Probleme, die KP-Kader sollen sogar applaudiert haben. Ärgert Sie das denn gar nicht?

Das System ist wie es ist, und ich will in China bleiben und dort Filme machen. Nicht in Hollywood oder sonst wo. Politisch sensible Geschichten kommen eben nicht durch. Man muss wissen, wie weit man gehen kann. Filmemacher benutzen heute privates Geld und das will auch wieder eingespielt werden. Deshalb macht man Kompromisse. Außerdem interessiert sich die Zensur weniger für Geschichten die in grauer Vorzeit spielen.

Sie werden trotzdem von der Kritik als faschistoid beschimpft, manche nennen Sie einen Verräter, weil die Regierung nun sogar "Hero"-Briefmarken herausgibt. Denken Sie, die Diskussion ist aufgebauscht?

In der westlichen Welt fehlt einfach die Einsicht in chinesische Verhältnisse. Ich werde immer nur in Extremen gezeichnet, entweder als Rebell oder als Opportunist - beides stimmt nicht. Ich habe mich nicht geändert. Die Kunst sollte nicht der Politik dienen, dadurch wird ihr die Kraft genommen. Ich will nicht bewerten, wer gut und wer böse ist, sondern das Menschliche zeigen, auch wenn es vor einem politischen Hintergrund stattfindet. Grundsätzlich sollten Künstler natürlich Fragen aufwerfen und Kritik hervorbringen, aber was gerade in den Medien passiert, ist lächerlich. Mein Hauptdarsteller Jet Li ist doch kein Freund aller Tyrannen, nur weil er im Film den Kaiser nicht ermordet. Das ist eine historische Wahrheit. Und ich bin auch nicht faschistoid, ich mache einfach nur meine Kunst. Mein Filme.

Das Interview führte Bianca Lang

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