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Fringe Kulturfestival Komiker hat nur einen Zuschauer und zieht seine Show trotzdem durch

Robin Grainger und sein einziger Zuschauer Mike
Robin Grainger (links) und sein einziger Zuschauer Mike
© Screenshot Twitter @RobinGrainger
Es sollte seine große Comeback-Show nach der Pandemie werden. Doch als Comedian Robin Grainger auf die Bühne tritt, sitzt im Publikum nur eine einzige Person.

Robin Grainger war zuversichtlich, als er am Freitag seine Eröffnungsshow in Edinburgh betrat. Der Auftritt war seine Rückkehr zum weltweit größten Kulturfestival, dem Edinburgh Festival Fringe, nach der Pandemie. Aber es war nicht das Comeback, das er sich vorgestellt hatte.

Grainger ist in Comedy-Clubs erfolgreich und hat bereits größere Künstler wie Kevin Bridges unterstützt. Seine Karriere hat ihn auch schon in Städte wie Kapstadt und Berlin geführt. Dennoch: Auf dem Kulturfestival hatte er nur einen Zuschauer. Seine Entscheidung, die Show dennoch durchzuziehen, machte ihn zum Star und kurbelte die Kartenverkäufe für andere Shows an.

"Alle Emotionen in zwei Minuten gefühlt"

Der Komiker aus Portsoy in Aberdeenshire erzählte der BBC Scotland, dass er tagsüber mit anderen Dingen beschäftigt gewesen sei als die Kartenverkäufe seiner Show im Auge zu behalten. "Ich war damit beschäftigt, Gastauftritte zu absolvieren, Flyer zu verteilen und all die Dinge zu tun, die man tagsüber beim Fringe macht", erzählt er der BBC. "Ich bin ein optimistischer Typ, es war der erste Freitag – jeder twitterte über ein volles Publikum. Ich dachte, es würde gut laufen."

Doch dann kam es anders. Kurz vor der Show kam Graingers Techniker zu ihm. Der Comedian fragte, wie es aussehe und der Techniker zuckte laut Erzählungen zusammen. "Er sagte 'Da ist einer'", sagt Grainger zu BBC. Innerhalb von zwei Minuten habe er alle möglichen Emotionen durchlebt, dann aber entschieden, dennoch auf die Bühne zu gehen. Mike, der einsam im Publikum saß, soll sehr gelacht haben. Die beiden klärten, ob sie die Show machen wollten. Die Antwort: Ja. "Ich dachte, er hat sein Ticket bezahlt und ich habe ein Mikrofon und ein Ego, also habe ich es einfach gemacht.", so Robin Grainger.

"Ich habe andere Sachen gemacht – es war viel geselliger als meine normale Show. Ich habe viele Improvisationen gemacht, vieles habe ich auf der Bühne geschrieben. Ich habe versucht, es wirklich auf Mike zuzuschneiden. Und er hat wirklich gelacht.", sagt Grainger.

Heimlich mitgehört

Kate Copstick, die Comedy-Kritikerin des Scotsman, war schon früh eingetroffen, um die Show nach Robin Grainger zu besprechen. Von draußen hörte sie heimlich mit. Das Personal offenbarte ihr, dass nur ein Zuschauer anwesend sei. Das beeindruckte die Kritikerin sehr.

Am nächsten Tag postete sie in den sozialen Medien über den Vorfall. "Totaler Respekt und Sympathie für einen Komiker, der so etwas kann", schrieb sie. Weiter berichtete sie davon, den einzigen Gast vor der Tür getroffen haben. "'Ich kann mich nicht erinnern, jemals so viel gelacht zu haben'", zitiert sie ihn. Diese Show sei seiner Meinung nach nicht zu toppen.

Wieder vereint

Seit seinem eigenen und dem Posting von Kate Copstick habe Robin Graingers Telefon kaum noch aufgehört zu klingeln. Der Post hat insgesamt schon mehr als 250.000 Aufrufe, die nächsten Shows von Grainger sind beinahe ausverkauft.

Auch der einsame Gast postete in den sozialen Netzwerken über die Geschehnisse. Er berichtete noch von einem weiteren lustigen Ereignis, das die beiden teilten: Robin Grainger trat am Sonntag spontan in einer Sendung eines anderen Komikers und Moderators auf. Noch während er die Geschichte des Ein-Mann-Publikums erzählte, verriet ein Schrei aus dem Publikum: Mike – der einsame Zuschauer Graingers – war auch vor Ort.

Wieder vereint schossen sie nach der Show ein Foto und teilten es auf Twitter. Mike schreibt mit einem Augenzwinkern: "Ich glaube, ich sollte die 'Robin Grainger Appreciation Society' gründen." (übersetzt: "Robin Grainger Fan-Gemeinde") Grainger hofft, dass die restlichen Shows erfolgreicher sein werden. Zu BBC sagte er scherzhaft: "Wer weiß? Ich würde mich über zwei Zuschauer freuen – der Himmel ist die Grenze".

Quellen:BBC / Twitter



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