Zu behaupten, dass der 2025 erschienene Horrorfilm "28 Years Later" die Anhängerschaft der von Danny Boyle (69) und Alex Garland (55) kreierten Virus-Apokalypse entzweit hat, wäre regelrecht untertrieben. Während positiv gestimmte Fans die inhaltliche und visuelle Neuausrichtung als sinnig und innovativ lobten, echauffierten sich Gegenstimmen vehement über den artifiziellen Look und eine groteske Story - zumal diese auch noch das düstere Ende des Vorgängerfilms "28 Weeks Later" aus dem Jahr 2007 zu widersprechen scheint.
"28 Years Later: The Bone Temple", der am 15. Januar in die deutschen Kinos kommt und back-to-back mit seinem Vorgänger entstand, könnte dank einer spektakulären Rückkehr die Fan-Wogen glätten. Er könnte jedoch auch den Wunsch verstärken, die Leinwand-Welt wäre nach 28 Tagen, spätestens aber nach 28 Wochen dem Wut-Virus anheimgefallen. Worum geht es in "The Bone Temple", warum bereitete die Einführung seines Antagonisten am Ende von "28 Years Later" Bauchschmerzen - und was hat das alles noch mit dem Auftakt der Reihe von 2002 zu tun?
Vom Zombie-Regen in die Kultist-Traufe - darum geht es
Dr. Kelson (Ralph Fiennes) muss nach den Geschehnissen aus "28 Years Later" mit Schrecken (aber auch einer gewissen Faszination) feststellen, welche Auswirkungen die Mutationen des Wut-Virus inzwischen mit sich bringen. Derweil erlebt der Junge Spike (Alfie Williams) seinen persönlichen Albtraum: Was im Finale des Vorgängers wie eine Rettung in letzter Sekunde anmutete, entpuppt sich schlussendlich als noch misslichere Lage. Denn sein Retter Jimmy Crystal (Jack O'Connell) mag charismatisch sein. Doch geht von dem manischen Kultführer eine noch größere Gefahr aus als von den Infizierten.
Eine alberne Zirkustruppe als Widersacher?
Wie großartig Jack O'Connell das Scheusal spielen kann, bewies der Schauspieler erst vor kurzem im sehenswerten Vampirstreifen "Blood & Sinners". Die kurze Vorstellung seiner Figur und dessen Gefolgschaft in "28 Years Later" grenzte jedoch an eine Farce und dürfte selbst wohlgesonnene Zuschauer skeptisch in "The Bone Temple" schicken. Seine Gruppe wurde schließlich als Trainingsanzug tragende Akrobatentruppe eingeführt, die wie die Power Rangers durch die Gegend hüpft. Schafft es die Fortsetzung, hierfür eine befriedigende Antwort zu liefern?
Womöglich kommt es gar einer Erleichterung gleich, dass "The Bone Temple" der erste Film der Reihe sein wird, bei dem Danny Boyle nicht als Regisseur fungierte. Frische Perspektiven schaden selten. An seiner Stelle wurde die Regie der talentierten Filmemacherin Nia DaCosta anvertraut, die 2021 mit ihrer modernen Version der "Candyman"-Saga für Aufsehen sorgte.
Rückkehr als Oscarpreisträger
Für große Vorfreude dürfte eine Tatsache trotz manch berechtigter Kritik an "28 Years Later" sorgen: Cillian Murphy wird in "The Bone Temple" wieder in seine Rolle als Fahrradkurier Jim schlüpfen. In der Realität sind zwar keine 28 Jahre seit dem Auftakt der Reihe vergangen, viel fehlt dafür aber nicht - 24 Jahre ist es her, dass Murphy benommen durch ein menschenleeres London stampfte, ehe die Wut-Meute Jagd auf ihn machte.
Bekanntlich hat sich auch in der Realität seither einiges getan. Murphy gilt inzwischen nicht nur als einer der gefragtesten Charaktermimen Hollywoods. Dank des Dramas "Oppenheimer" darf er sich seit 2024 auch Oscarpreisträger nennen. Die Freude über sein Comeback als Jim muss aber zumindest für "28 Years Later: The Bone Temple" etwas relativiert werden. Seine Figur wird wohl nur sehr kurz in Erscheinung treten. Murphy darf sich damit aber in Stellung für eine Hauptrolle im dritten und abschließenden Teil der als Trilogie konzipierten "28 Years Later"-Reihe bringen. Grünes Licht sollen Boyle und Co. dafür bereits erhalten haben.