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"Analogue": a-ha kommt endgültig in der Gegenwart an

Gut 20 Jahre nach ihrem ersten Hit beweisen a-ha, dass sie mehr sind als eine 80er-Revival Band. Auf ihrem neuen Album "Analogue" klingen sie reifer und eleganter als jemals zuvor.

In der Riege bekannter 80er-Jahre-Bands zählt a-ha zu den glücklichen Ausnahmen. Während viele andere nicht den Schatten ihrer großen Erfolge verlassen können und auch mit neuem Material vor allem die alten Fußstapfen zu treffen versuchen, klingen die drei Norweger heute mit Mitte 40 reifer und eleganter als früher - behielten aber neben der unverwechselbaren Stimme von Sänger Morten Harket auch die Momente herzzerreißender Melancholie. Mit "Analogue" erscheint nun bereits das dritte Album nach der siebenjährigen Auszeit in den 90er Jahren, in der es schon so aussah, als würde es nie wieder ein a-ha-Album geben.

Eigentlich sollte auch jetzt noch keine neue Platte von a-ha kommen. Als zuletzt vor mehr als zwei Jahren eine Live-CD herauskam, kündigten Harket, Keyboarder Magne Furuholmen und Gitarrist Paul Waktaar-Savoy noch an, zunächst einmal an Soloalben arbeiten zu wollen. "Das stimmte damals auch wirklich", versichert Harket heute. Doch dann kam der Wechsel der Plattenfirma von Warner Music zu Universal und das neue Haus hätte einfach zu lange auf ein Album von a-ha warten müssen, wenn sich die drei erstmal in individuelle Projekte gestürzt hätten.

Sanfte Töne von Morten

So kamen die Songs, die jeder für sich geschrieben hatte, doch noch auf die neue a-ha-Platte. Die unterschiedlichen Charaktere, die die Band ausmachen, sieht man ihnen an: Sanfte Töne von Morten, mehr Druck und Dynamik von Magne wie in der ersten Single "Celice" sowie in rauere Gitarrenklänge gezwängte Sehnsucht von Paul. Die Diskussion darüber, wie viele Songs von wem auf dem Album sein werden, sei diesmal entspannter ausgefallen als bei dem Vorgänger "Lifelines", der dadurch ziemlich lang geworden war, sagt Harket. Der Sänger versucht seit dem Comeback der Band, sich neben seinen Kollegen als Songwriter zu etablieren, womit sie zunächst auch ihre Probleme gehabt hätten.

Am Ende konnte der mit 46 betont jugendlich wirkende Frontman zwei Songs auf "Analogue" platzieren. "Es hätten auch fünf werden können", aber er reiße sich auch nicht darum, sagt Harket. Die unmissverständliche Spitze in Richtung seiner Kollegen gibt ein Bild von den Spannungen zwischen den drei kreativen Köpfen, die a-ha schon immer zu einem recht instabilen Unternehmen machten und die Trennung 1993 als unwiderruflich erscheinen ließen. Immerhin wurden diesmal viele Songs zusammen live in einem Studio aufgenommen und nicht schichtenweise getrennt eingespielt, wie es manchmal auch schon der Fall war.

"Die Wahrheit hat gelitten"

Allerdings beharrt Harket darauf, dass die drei auch in den Jahren der Auszeit nicht den persönlichen Kontakt verloren hätten. Die Presse mit ihrer "Ersatzrealität" habe alles verzerrt dargestellt. Ob a-ha mit dem ganzen Starrummel auch unter der Presse leiden musste? "Die Wahrheit hat gelitten", hakt Harket ab und meint damit zum Beispiel die Zeit in den 80er Jahren als sie sich als Teenie-Idole verkaufen ließen. Die Hits aus der damaligen Zeit wie "Take On Me" oder "Hunting High And Low" spielen sie zur Freude der Fans auch bei ihrer derzeit laufenden Tour, aber Nostalgie verspürten sie nicht im Geringsten. "Wir blicken nicht zurück", bekräftigt Harket - und so klingt "Analogue" auch.

Tourdaten:

19.11. Frankfurt
20.11. Berlin
22.11. Magdeburg
23.11. Hamburg
25.11. München
26.11. Friedrichshafen
28.11. Stuttgart
29.11. Dresden
30.11. Rostock

Andrej Sokolow/DPA

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