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25. Todestag: Unbekannte Chansons von Jacques Brel veröffentlicht

Rechtzeitig zum 25. Todestag sind fünf bislang unbekannte Lieder von Jacques Brel in den Handel gekommen. Der exzessive Chansonier mit dem Hass auf Bigotterie und Ungerechtigkeit wäre über die Veröffentlichung nicht froh gewesen.

Jacques Brel hasste Bigotterie, Biederkeit, Ungerechtigkeit und Intoleranz, die er in seinen Chansons mit viel Ironie, Zynismus und Melancholie besang. Welchen Ton hätte der belgische Chansonnier wohl in der Affäre um die posthume Veröffentlichung von fünf seiner zuletzt komponierten Lieder angeschlagen? Zum 25. Todestag von Brel, der am 9. Oktober 1978 erst 49-jährig an Lungenkrebs in einer Klinik bei Paris starb, wurde vor wenigen Tagen ein Best-of-Album veröffentlicht. Es enthält die auf seinen Wunsch hin bisher unveröffentlichten Stücke "Mai 40", "La Cathédrale", "Sans Exigences", "Avec Elégance" und "L’Amour est mort".

Veröffentlichung Wunsch der Familie

Brel spielte die Lieder 1977 für sein letztes Album ein. Während der Aufnahmen war der Flame bereits von seiner schweren Krebskrankheit gezeichnet. Der damalige Labelchef Eddie Barclay sagte "Le Figaro", der Chansonsänger habe ihn gebeten, die Aufnahmen nicht zu veröffentlichen, weil sie unter künstlerischen Gesichtspunkten nicht vollendet seien. Brel wäre wütend über die Entscheidung von Universal gewesen. Das Unternehmen aber wies darauf hin, dass dies der Wunsch der Familie gewesen sei.

"Ich will kein alter Sänger werden"

Extra für die Aufnahmen war Brel aus seinem Exil auf den Marquesas-Inseln nach Paris zurückgehrt. Bereits zwölf Jahre zuvor hatte er sich nach einer kurzen und glanzvollen Karriere von der Bühne zurückgezogen. "Ich will kein alter Sänger werden", begründet der "Orkan namens Brel" ("Le Figaro") seinen Abschied.

Exzess als Lebensstil

Als "emphatisch und ungestüm wie ein singendes Tier" beschrieb der "Spiegel" den Sänger voller Pathos, Wut, Melancholie und Verletzlichkeit. Im Alter von 24 Jahren verließ er Frau, Kinder und seine bürgerliche Existenz, um in Paris durch die Cafes zu tingeln. Erst nach fünf Jahren gelang dem Chansonnier ohne Kompromisse der Durchbruch zum Weltstar, der auch in New York und London Erfolge feierte. "Für ihn war der Exzess ein Lebensstil", erinnerte sich seine Tochter France. Die Angst vor Stillstand und Routine trieb ihn immer weiter.

Unvergesslicher Chansonier

Mitte der 70er Jahre brach er die Brücken zum Showgeschäft ab und zog sich mit seiner Geliebten Maddly Bamy in die Südsee zurück. Im Juli 1978 kehrt der Todkranke nach Paris zurück, um sich behandeln zu lassen. Am 7. Oktober wird Brel in ein Krankenhaus in Bobigny eingeliefert, wo er zwei Tage später im Alter von 49 Jahren stirbt. In seinen Lieder lebt er allerdings weiter. Die berühmtesten seiner über 500 Chansons - "Ne me quitte pas", "Les Biches", "Amsterdam", "Les Flamandes", "Les Bourgeois", "Mathilde", "Le Moribund", "Les Vieux" oder "La Valse a Mille Temps" - zählen zum kulturellen Erbe.

Der große Chansonnier ist auf dem Friedhof von Atuona auf der Pazifikinsel Hiva Oa beigesetzt, nahe der letzten Ruhestätte Gauguins.

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