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Aguilera-Tour: Dirty Christina rockt freizügig

Erst fällt der Hut, dann das Jackett und nach wenigen Songs springt Christina Aguilera wieder reichlich entblößt über die Bühne. Obwohl sie mit dem Album "Back to Basics" auf seriöse Musikerin macht, auf der Bühne ist sie nicht züchtiger geworden. Ihre Deutschland-Tour hat in Frankfurt begonnen.

Trotz der eindrucksvollen Stimme die mehrfache Grammy-Gewinnerin lebt auf der Bühne zum großen Teil von kalkulierter erotischer Provokation. Das aktuelle Album "Back to Basics" - Aguilera orientierte sich dabei nach eigener Aussage an Musik-Legenden wie Billie Holiday, Otis Redding oder Ella Fitzgerald - stürmte weltweit an die Spitzen der Charts. Doch dass hervorragende Verkaufszahlen nicht automatisch auch volle Hallen garantieren, zeigte sich am Dienstagabend bei ihrem ersten von insgesamt vier Deutschland-Konzerten.

Die Frankfurter Festhalle ist zwar ordentlich gefüllt, aber bei weitem nicht ausverkauft. Die etwa 8.000 Zuschauer sehen gut 90 Minuten lang ein aufwendiges Bühnenspektakel mit zahlreichen Tänzern und abwechslungsreich choreografierten Showeinlagen und wechselnden Bühnendekorationen. Dazu immer wieder Videoeinspielungen, in denen Aguilera ihren musikalischen Idolen, aber vor allem sich selbst huldigt. Die Frage "Are the dirty days done?" aus einem der Einspieler beantwortet sie eindeutig-zweideutig: In einem Clip während einer der Umbaupausen zeigt sie sich in diversen anzüglichen Posen, beim Song "Nasty Naughty Boy" umgarnt sie im Domina-Outfit einen angeblich zufällig aus dem Publikum ausgewählten männlichen Zuschauer und beim Hit "Dirrty" räkelt sie sich lasziv auf einem Schaukelpferd.

Kleine Peinlichkeiten und ein großes Finale

Trotz der ansprechenden Show bleiben Publikum und Künstlerin über weite Zeit auf Distanz zueinander. Aguilera sagt wenig, die einzige längere Ansprache ist die Einleitung zum Song "Oh Mother" über ihre großartige Mutter und die ach so schwere Kindheit, und die wirkt aufgesetzt. An der Grenze zur Peinlichkeit rangiert die zwischen den Zugaben abgespielte Video-Selbstbeweihräucherung "Thank You", bei der Fans über die Künstlerin lobhudeln. Im Gegensatz zur weitgehend perfekten Bühnenshow lässt auch das Zusammenspiel mit der Band einige Wünsche offen. Gerade zu Beginn überdecken die Instrumente immer wieder die alles andere als dünne Stimme der Sängerin.

So kommt das Beste denn auch zum Schluss. Da spielt Aguilera Hits wie "Lady Marmalade", "Beautiful" oder die Ballade "Hurt" vom neuen Album. Bei einer Maxi-Version von "Fighter" - dem wohl kraftvollsten Song Aguileras - springt der Funke endlich über. Die Band rockt, die Tänzer verlassen die strikte Choreografie, die Halle kocht, Konfettikanonen feuern ins Publikum, die Künstlerin verabschiedet sich. Alles ist gut.

Weitere Termine: 08.12. Oberhausen (König-Pilsener-Arena), 11.12. Hamburg (Color Line Arena), 13.12. Stuttgart (Schleyerhalle) Im Vorprogramm spielt jeweils der deutsche HipHopper Jan Delay, für alle Konzerte sind noch Karten erhältlich.