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Die Toten Hosen: Heimspiel für zuhause

Kein Konzert wie jedes andere: Vor 50.000 Menschen spielten Die Toten Hosen im September dieses Jahres ihr "Heimspiel" in der LTU Arena in Düsseldorf. Jetzt gibt es die Show auf DVD.

Von Kathrin Buchner

Die Kamera schwenkt über eine in blauem Licht gehaltene Arena. Nebelschwaden wabbern über Menschen, die dicht an dicht stehen. Sie klatschen, im Hintergrund hört man gregorianische Choräle. Es herrscht eine mystische, ja fast gespenstische Atmosphäre. Fahnen schwenken, und man beginnt sich zu fragen, auf welchem Sektentreffen man sich befindet.

"Kalinka" summt es leise im Hintergrund. Auf einmal - laute Trommelschläge. Das Pfeifen wird lauter, das Licht wechselt vom mystischen Blau in strahlendes Orange - und da kommt er, der Prediger auf den alle warten.

Er trägt zwar keine Kutte, sondern Jeans und ein grünes Hemd, hat strubbelige blonde Haare und eine schlaksige Figur. "Hallo", schreit er, und stimmt ein Intro mit "Olé olé" an, während seine Bandkollegen sich an den Instrumenten zu schaffen machen.

Mit tiefer kehliger Stimme beginnt er zu singen, die Fans jubeln ihm zu, die Halle beginnt zu kochen. Tanzende, schreiende, jubelnde Zuschauer. Über 34 Songs lang wird dieser Spannungsbogen nicht abreißen, wird Campino mit seinen Fans in Kontakt treten, wird den Vater des Schlagzeuges auf die Bühne bitten, wird das Mikro an befreundete Kollege wie Arnim von den Beatsteaks ausleihen, wird alle Klassiker von "Bommerlunder" und "10 kleine Jägermeister" zum Besten geben und wird vor allem eins: ordentlich rocken.

Und als Zuschauer, der sich bequem daheim auf dem Sofa räkeln, spürt man auf einmal so ein Zucken in den Gliedern, so ein Gefühl, als ob man gleich aufstehen und tanzen müsste. Ein atemloses Staunen, irgendwie live an dieser Massenhysterie teilzunehmen.

Opium für´s Volk - ein geordnetes Chaos, das ist eigentlich jedes Konzert der Toten Hosen. Aber ein Konzert in der eigenen Stadt, in Düsseldorf, ist auch für die routinierten Hosen, die seit 25 Jahren unterwegs sind und immer neue, junge Fans begeistern, etwas ganz besonderes. Ein Heimspiel eben.

Und deswegen lohnt es sich, nach dem eigentlichen Konzert auch mal in das Menü der DVD zu klicken. In der Vorschau findet man nämlich den charmanten Bericht von Schlagzeuger Vom, der den Countdown bis zum Finale einfängt, die Nervosität der Musiker, die Rituale einer Band, die schon so lange gemeinsam unterwegs ist.

"Heimspiel", das ist nicht nur die eindrucksvolle Bestandsaufnahme einer Band, die schon immer absoluten Spaß am Spielen hatte, es ist auch eine Huldigung an das große Rockspektakel, ein furioser Tourabschluß und zugleich ein würdiger Abgang - schließlich haben die Hosen eine Pause angekündigt auf unbestimmte Zeit. Aber wer die Band kennt, der weiß: Spätestens zur Fußball-WM sind sie wieder da mit einem richtigen Knaller. Olé olé!

Übrigens: Wer eine Kostprobe von "Heimspiel" haben will, kann sich unter www.dth.de einen 20-minütigen Teaser kostenlos runterladen.

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