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Interview mit Muhabbet: "Ich lebe beides"

Muhabbet war schon vor der Veröffentlichung seiner ersten Single ein Star - dank der großen Nachfrage in Tauschbörsen. stern.de sprach mit dem Kölner über sein leben zwischen den Kulturen und den neuen Musikstil R&Besk.

Muhabbet in seiner Heimatstadt Köln

Muhabbet in seiner Heimatstadt Köln

Was genau macht R&Besk aus?

Es ist eine Fusion zwischen Arabeske und R&B. Arabeske ist eine Modernisierung der türkischen kulturellen Musik aus den 60er und 70er Jahren. Sie beinhaltet mehr Gefühl und war greifbarer für das normale Volk. Unsere Kunstmusik war sehr kompliziert, und Arabeske ist eine Kreation von der Straße. Mit Arabeske können sich die Menschen mehr identifizieren.

Ich lebe beides: Arabeske und R&B. Ich höre bei meinen Eltern und bei meinen Geschwistern türkischen Arabeske. Bei meinen Freunden hören wir R&B, HipHop, Black Music. Viele Freunde, die kein Türkisch verstehen, konnten mit Arabeske nichts anfangen, und so haben mein Bruder und ich begonnen, das ganze auf Deutsch umzusetzen. Wir nahmen vom R&B den fetten Beat, europäische Töne, vom Arabeske die Melodien und Gesangslinien und schließlich die deutsche Sprache. So haben wir etwas Neues kreiert.

Was ist der Unterschied zu Musik, wie sie Tarkan macht?

Das ist orientalischer Pop, eine Fusion zwischen orientalischem Gesang und normalem Pop. Meine Musik ist mehr zum HipHop geneigt.

Wer ist das Zielpublikum?

Ich spreche jeden an, der für Musik offen ist. Nicht nur junge Hörer. Der orientalische Teil meiner Musik spricht auch 50-, 60-jährige Frauen an. Auch Leute, die HipHop nicht mögen, schätzen den melodischen Gesang. Da ist für jeden was dabei.

Die Musik spricht insbesondere Deutsch-Türken an. Was ist die spezifische Erfahrung eines Deutsch-Türken ist, der in Köln aufgewachsen ist?

Vor allem, dass man sich in Deutschland wohlfühlen möchte, Deutschland als Heimat sieht, aber trotzdem zwischendurch immer wieder zu spüren bekommt, dass man nicht dazu gehört. Das führt zu Verwirrung. Man lebt dadurch in ganz anderen Gefühlswelten als Deutsche. Und genau das verbindet mich mit den vielen anderen Deutsch-Türken: Ich teile mit ihnen die gleichen Erfahrungen.

Viele Deutsch-Türken hören eher härtere Musik, z.B. Rap. Die Single "Sie liegt in meinen Armen" kommt dagegen deutlich schmusiger rüber. Wie wird das Album klingen?

Die Single ist mit Abstand das Softeste, was ich gemacht habe. Das Album wird kein Underground-Rap, aber es wird einen dreckigen R&B-Touch haben.

"Sie liegt in meinen Armen" ist ein Liebeslied. Befassen Sie sich in den Texten auch mit der sozialen Realität von Deutsch-Türken?

Alles immer indirekt. Ich mag keine Texte über konkrete Personen oder Parteien schreiben. Ich schreibe nieder, was ich fühle.

Schreiben Sie die Texte selber?

Ja. Alles von mir komponiert, geschrieben, überwiegend auch alles von mir produziert. Jetzt wird es aber noch einmal aufgenommen, mit neuen Produzenten.

Das Album wird in Berlin und Istanbul aufgenommen. Wieso?

In Istanbul haben wir einen renommierten türkischen Produzenten, der dafür sorgt, dass wir jedes Live-Instrument bekommen, das wir haben wollen. Er ist der Beste, den wir finden konnten. Das alles wird dann in Berlin noch einmal fett abgemischt und bekommt einen R&B-Schliff.

Was halten Sie von der harten Berliner HipHop-Szene um Sido und Bushido?

Mich fasziniert, dass das „Ich bin hart“-Konzept aufgeht. Jeder spricht eine bestimmte Gefühlswelt an. Es gibt Menschen, die sind den ganzen Tag aggro, es gibt Menschen, die den ganzen Tag schmusen wollen, ich bin so ein Mittelding. Jeder zieht seines Weges und ich wünsche jedem viel Glück.

Interview: Carsten Heidböhmer
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