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Komische Oper in Berlin: Homoki inszeniert die Meistersinger

Vielversprechender Auftakt zur Berliner Opernsaison: Mit den "Meistersingern" hat die Komische Oper einen großen Publikumserfolg gelandet. Zuletzt war das Stück 1981 inszeniert worden.

Ein stilisiertes Nürnberg und Kostüme in Grau- Weiß, eine ausgetüftelte Regie von Intendant Andreas Homoki, ein Ensemble in bester Verfassung: Die Komische Oper hat den Ruf der Hauptstadt als geheime Wagner-Hochburg weiter gefestigt. Mit Richard Wagners einziger Komödie gab Patrick Lange am Sonntag auch ein fulminantes Debüt als neuer Generalmusikdirektor an der Bühne.

"Kein Werk passt so gut zu diesem Haus wie dieses", hatte Homoki vor der Premiere verkündet. Dabei sind die Bedingungen für Wagner- Werke an der Komischen Oper nicht die besten: eine relativ kleine Bühne, kein üppig großer Orchestergraben. Dennoch verstand es Homoki durch Konzentration auf das Wesentliche, den Nerv dieses Werkes über "echte deutsche Kunst" zu berühren. Zuletzt hatte Harry Kupfer die "Meistersinger" im Jahr 1981 an der Komischen Oper aufgeführt.

Gleich zu Beginn zeigt sich das mittelalterliche Nürnberg als Ansammlung fensterloser Häuser (Bühnenbild: Frank Philipp Schlößmann). Dazwischen buhlen fast fünf Stunden lang der Poeten- Schuster Hans Sachs (eindrucksvoll: Tómas Tómason), der Ritter Walther von Stolzing (Marco Jentzsch) und Stadtschreiber Sixtus Beckmesser (hinreißend Tom Erik Lie) mit ihrer Gesangskunst um die schöne Eva (Ina Kringelborn). Dem besten Sänger, so will es der Goldschmied Veit Pogner (Dimitry Ivashchenko), will er seine Tochter als Gattin anvertrauen.

Es ist wohl der beste Kniff der ganzen Inszenierung: Die Stadtattrappe ist ständig in Bewegung. Die Häuser bewegen sich wie von unsichtbarer Hand - mal öffnen sie sich dem Volk, mal verschließen sie sich dem Neuankömmling Stolzing wie eine Festung. Oder die Häuser rollen ganz weg und lassen den Blick auf die nackte Bühne frei.

Homoki interessieren dabei die kleinen Gesten, die Hintergedanken der Figuren. Immer wieder bricht er das Pathos auf, so wenn etwa Stolzing zum Probegesang ansetzt und im Hintergrund Beckmesser mit der Kreide laut die Minuspunkte auf die Tafel kratzt.

Auch die Prügelszene am Ende des zweiten Akts geht nicht im üblichen Volkstumult unter. Nürnbergs Häuser kippen über die Menschen, die geordnete Welt der redlichen Handwerker gerät aus den Fugen. Und wenn zum Schluss Hans Sachs und der Chor zur Ehre der "heil'gen deutschen Kunst" anstimmen, verzichtet Homoki auch hier auf die große Geste, um sich von Wagners Nationalismus zu distanzieren. Das Volk rückt ängstlich zusammen, ein ratloser Stolzing mag sich den Siegeskranz nicht aufsetzen lassen.

Esteban Engel, DPA / DPA