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KONZERT: Auftritt mit Herz

Bei ihrem ersten Deutschlandkonzert der »Elevation-Tour« ließen U2 gestern Abend in der KölnArena 18.000 Fans buchstäblich abheben.

Es gibt viele gute Rockkonzerte, aber selten solch magische Auftritte wie den von U2 am Donnerstag vor 18.000 Fans in der KölnArena. Mit schier unerschütterlichem Selbstbewusstsein ließ sich das irische Quartett lautstark mit dem Beatles-Klassiker »Sergeant Pepper?s Lonely Hearts Club Band« ankündigen, - und dann kochte von den ersten Takten an der Saal. Mit der aktuellen Single »Elevation« begann ein 130-minütiges, hinreißendes Konzert mit vielen Höhepunkten, das mit »Bullett The Blue Sky«, »With Or Without You« und den Zugaben »One« und »Walk On« ein fulminantes Ende nahm.

Gitarrist The Edge spielte wie gewohnt ganze Riffs in höchster Schwierigkeitsstufe mit Glockentönen, was neben Bonos Stimme zum unverkennbaren U2-Sound gehört. Gitarrist und Sänger bilden seit Jahren die Kreativzelle des Quartetts, das mit Larry Mullen am Schlagzeug - Bono stellte ihn als den Mann vor, »der den ganzen Wirbel auslöste« - und Adam Clayton am Bass einen sowohl ruhenden als auch treibenden Gegenpol hat. Zum Programm gehörten »Beautiful Day« und »Stuck In A Moment«, vom aktuellen Album »All That You Can?t Leave Behind« sowie ein Streifzug durch nunmehr zweieinhalb Jahrzehnte U2 mit Klassikern wie »Bloody Sunday« und »Where The Streets Have No Name«. Umjubelt wurden alte wie neue Songs gleichermaßen, vom ersten Lied an gab es in der Kölner Arena keine Sitzplätze mehr; die Fans brachten den vier Musikern eine beispiellose Dauerovation dar.

Bono, mit wieder langen Haaren wie einst am Anfang, bedankte sich auch mehrfach beim Kölner Premierenpublikum. Vom ersten Moment an sei etwas Einzigartiges in der Luft gewesen, und er wolle sich auch bei all denen bedanken, die mit ihrer Teilnahme am »Jubilee 2000« geholfen hätten, aus der von ihm maßgeblich mit vorangetriebenen Initiative für den Schuldenerlass für die ärmsten Länder »eine ernste Sache zu machen«.

Sonst fand Politik »nur« in den Liedern statt, im leider immer noch aktuellen »Bloody Sunday« (am Donnerstagabend wurden wieder Zusammenstöße aus Belfast gemeldet) und »Bullet the Blue Sky«. Dem hat US-Schauspieler und Waffenlobbyist Charlton Heston mit seinem »Credo« zu neuer Aktualität verholfen hat, dass es keine guten oder böse Waffen gebe, sondern nur Waffen in den Händen von bösen oder guten Menschen. Und jede Waffe in der Hand eines guten Menschen sei schlecht für einen schlechten Menschen. Die Videosequenz mit dem Heston-Zitat und die auf vier Videoschirmen präsentierte Collage mit Bildern von Verbrechen und Mordopfern waren die aufwendigste Verknüpfung von Musik und anderen Kunstformen: Im Gegensatz zur Gigantomanie früherer U2-Touren stand diesmal die Musik eindeutig im Vordergrund.

Die Bühne stand in einem herzförmigen Laufsteg, auf dem Bono unermüdlich den direkten Kontakt zur Menge suchte. Im Innenraum genossen rund 300 Hardcore-Fans das Konzert praktisch in Club-Atmosphäre, der Rest im weiten Rund bis unters Arena-Dach wurde mit einer raffinierten Lichtshow bedient.

Die Musik kam buchstäblich »vom Herzen«. »Das letzte Mal brachte ich euch eine Zitrone«, spielte Bono auf die »Pop-Mart«-Tour von 1997 an. Die Musik war pulsierend und von unbändiger Lebensfreude, einer schon auf dem jüngsten Album perfekt inszenierten Bilanz des eigenen Musikschaffens zum Jahrtausendwechsel inklusive einer Rückbesinnung auf die frühen Einflüsse wie die Beatles und Soul-Klassikern wie Stevie Wonder.

An einer Stelle sang ein gegen Ende heiserer Bono solo »In My Life« von den Beatles, jene Hymne der Dankbarkeit für ein erfülltes Leben. Zum Schluss dankte er den Fans, dass sie ihm und seinen Kollegen ein »wunderbares Leben« ermöglicht hätten. Und er vergaß nicht, in bewegten Worten an den niederländischen Rockmusiker Herman Brood zu erinnern, der sich am Vortag das Leben genommen hatte.

Söhne Mannheims im Vorprogramm

U2s »Elevation« ist einer der überzeugendsten Beweise dafür, dass gekonnt gespielte Rockmusik auch ohne gigantischen Show- und Technikaufwand ein Massenpublikum in den Bann schlagen kann. Das Quartett spielte - dezent unterstützt von einem Keyboarder - jede Note live. Die Musik fand auf der Bühne statt, interaktiv gespielt, auf Bonos Schwächephasen (der umfangreiche US-Abschnitt der Welttournee ist bereits absolviert) dezent reagierend. Das können Tonbandkonserven und fertige Computer-Arrangements nun mal nicht.

In Deutschland werden U2 von den Söhnen Mannheims um Xavier Naidoo begleitet. Auch der Soul-Prediger präsentierte einen überzeugenden Live-Auftritt mit rockigen Gitarrensolo-Erweiterungen. Lustig anzusehen war dabei, wie einige Rapper-Söhne dazu Luftgitarre spielten.

Weitere Tourdaten (Konzerte in Deutschland ausverkauft): 13.07. Köln (KölnArena), 15.07. München (Olympiahalle), 23./24.07 Zürich (Hallenstadion), 26./27.07. Wien (Stadthalle), 29.07. Berlin (Waldbühne), 31.07./01.08./03.08. Arnheim (Gelredome), 05.06.08. Antwerpen (Sportpalais).

Von Uwe Käding, ap

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