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Ash: Schwaches Geplänkel statt großer Pop-Songs

Der neue Silberling der einstigen Garanten großartiger Pop-Hymnen enttäuscht. Während die ehemalige Gitarristin Charlotte Heatherly solo große Erfolge feiert, legen ihre Ex-Bandkollegen von Ash einen wenig beeindruckenden Langspieler vor.

Von Achim Erz

Sie sind ernsthafter geworden. Oder erwachsener? Man könnte sich viele Ausreden zurechtlegen, um die Enttäuschung zu verbergen, die sich selbst nach mehrmaligem Hören der neuen Ash CD "Twilight of the Innocents" aufdrängt.

Wüsste man nicht um diese wundervollen Lieder, die uns Gitarrist, Sänger und Haupt-Songwriter der Band Tim Wheeler in den letzten zehn Jahren geschenkt hat, könnte man das neue Werk auch zügig mit "zum Trio geschrumpfte Rock Band aus Irland spielt soliden Alternativ Pop" abtun. Das täte Ihnen natürlich unrecht. Dafür wurde man zu sehr verwöhnt.

Melodienreichtum und ausgefallene Texte sind Vergangenheit

Mit Texten darüber, wie schön es ist, verliebt zusammen barfuss zu laufen, über Freundinnen auf dem Mars, oder einfach nur wie gut es ist, so jung zu sein, dass man es sich leisten darf, John Lydon während einer Radiosendung als alten Sack zu bezeichnen. In Lydons Anwesenheit.

Doch entscheidender als alles andere, war ihre unglaubliche Fülle an Melodienreichtum. Wheeler schrieb sich mit einer so unbedarften Leichtigkeit in dieselbe Liga eines Frank Black oder Weezers Rivers Cuomo, dass es unverständlich erscheint, warum eine Platte wie das 2001 erschienene Meisterwerk "Free all Angels", oder die Single-Compilation "Intergalactic 7's" in Deutschland doch eher zurückhaltend aufgenommen wurde.

Wieder zu dritt

Aber schon bei dem vor zwei Jahren erschienenem Album "Meltdown" bemerkte man den Hang zu einem etwas grobschlächtigeren Stil, der sich vielleicht daran festmachen lässt, dass Wheeler auf der darauf folgenden Tour mit einer brennenden Gitarre die Bühne betrat - breitbeinig versteht sich. Das war dann wohl auch der Gitarristin Charlotte Heatherly zuviel des Guten, und sie entschloss sich, letztes Jahr die Band zu verlassen.

Im Zuge der Promotion Tour für ihr großartiges neues Album "The Deep Blue" sagte sie: "Die Art wie ich und Tim Songs schreiben, hat sich in vollkommen unterschiedliche Richtungen entwickelt. Also musste ich gehen und es selbst in die Hand nehmen." Vielleicht ist das das Problem. Aus dem Quartett, das immerhin neun Jahre Bestand hatte, ist jetzt wieder die Band mit den drei Jungs geworden. So wie sie 1992 angefangen haben.

Mittelmäßig und austauschbar

Doch statt skurriler Texte gibt es Pseudo-Tiefgang, anstelle von Pop-Hymnen meistens kraftloses Dahin-Geplätscher. Dabei fängt alles vielversprechend an. "I started a fire" eröffnet gewohnt robust, gefolgt von dem zu Recht als erste Single veröffentlichtem "You can't have it all". Die nächsten Stücke haben immer wieder schöne Ansätze, verlieren sich aber permanent in dünnen Refrains und Austauschbarkeit. Bis die Platte gegen Mitte in ihrer Mittelmäßigkeit komplett zusammenbricht. Mit Ausnahme von "Dark and Stormy". Gut, dass es dieses Lied noch auf die CD geschafft hat. Man bekommt wieder den Glauben an eine der größten Pop Bands zurück.

Aber gleich beim darauf folgendem "Shattered Glass" wird man wieder von schwachbrüstiger Beliebigkeit eingeholt. Es endet mit dem fast siebenminütigen Titelstück "Twilight of the Innocents", und das war sie dann. Die lang erwartete und ersehnte neue Ash. Ein paar gute und ein hervorragendes Stück. Der Rest ist lähmende Selbstfindung. Es fällt schwer, einer Band, die uns "Candy", Shining Star" oder "A life less ordinary" geschenkt hat, Ideenlosigkeit und Langeweile vorzuwerfen, und doch ist das neue Werk meilenweit von ihren früheren Geniestreichen entfernt. Immer schwierig, wenn die Frau einen verlässt... aber wollt ihr nicht doch noch mal ein Wörtchen mit Charlotte reden? Bis dahin, ihr Jungs von Ash. Wir werden auf euch warten.

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