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Scooter: Zu philosophisch für den Dancefloor?

Ihr Sound spaltet seit 13 Jahren die Nation: stumpfer Techno-Trash oder cooler Partysound? Die norddeutsche Techno-Band Scooter liefert Chart-Hits am Fließband. Jetzt steht der nächste Streich in den Plattenläden - mit einigen gewagten Texten.

Von Christof Müller

Das Phänomen "Scooter" geistert seit nunmehr 13 Jahren durch die Musiklandschaft. Mit "Hyper, Hyper" landete das norddeutsche Techno-Pop-Trio damals den ersten großen Hit in den Charts. Scooter machten sich vor allem durch monotone Texte und treibenden Partysound einen Namen auf dem schnelllebigen Techno-Markt. Im stern.de-Interview bevorzugt der blonde Scooter-Frontmann Hans-Peter Geerdes seinen Künstlernamen: "Bleiben wir doch lieber bei H.P. Baxxter." H.P. freut sich dann im gleichen Atemzug über ein freudiges Ereignis: ein neuer Silberling steht in den Plattenläden. Und die Promotion-Firma behauptet, dass sich die Hamburger mit "The Ultimate Aural Orgasm" wieder einmal neu erfunden haben. Wirklich? Riesige Unterschiede zu den Vorgängeralben dürfen die Plattenfans nicht erwarten.

"Schon mit dem Titel wollen wir Aufsehen erregen. Doch ganz so einfach machen wir es uns dann doch nicht. Der Albumtitel soll halt kommunizieren, was wir den Hörern auf dem Album alles bieten", erklärt der Scooter-Chef. Trotz seiner 40 Lenze bleibt Baxxter ein Fan des Pennäler-Humors. Damit's auch jeder versteht: "Klingt doch wie das englische Aural, also ziemlich ähnlich wie Oral, und Orgasm tut sein übriges." Das wäre also geklärt. Zur Musik sagt Baxxter: "Bei unserem neuen Album wollten wir unbedingt mal HipHop und Techno kombinieren. Ich finde es immer spannend, Sachen zusammenzubringen, von denen man im ersten Moment denkt: Das geht gar nicht! Wenn die Leute dann sagen: 'Wow, wie haben die das denn gemacht', ist das schon ein Kompliment."

Die besten Headlines entstehen im Schlaf

Auch die Kriterien bei der Auswahl der Songtitel hält seit der Bandgründung 1994 an: "Die besten Headlines entstehen sowieso spontan. Oft haben wir dabei eine Eingebung." Die neuste Eingebung ans partywütige Techno-Volk lautet schlicht und einfach "Hinter der Kuh". Der Scooter-Chef: "Der Titel der ersten Single aus unserem neuen Album ist mir so im Schlaf eingefallen. Morgens hatte ich dieses 'Behind the Cow' im Kopf."

Die Musik klingt dann fast ähnlich wie so mancher alte Hit. Auf ein zartes, melodiöses Intro folgen die hämmernden Beats im Scooter-Stil und H.P.s Power-Reibeisenstimme. "Man muss halt ständig was neues machen", behauptet der Scooter-Frontmann. Was Neues? Das Ergebnis, "The Ultimate Aural Orgasm", hört sich wieder einmal ganz nach Scooter an, die selbst nach 33 Singles, 15 Alben und der Veröffentlichung verschiedener DVDs ihrer Linie treu bleiben.

Radio-Boykott droht

Beim schnellen Durchzappen des neuen Albums bleibt besonders ein Track hängen: "Lass uns tanzen". Und H.P. verkündet froh: "Das wird sehr wahrscheinlich die nächste Single werden". Doch der besagte Song könnte zum Radio-Boykott vieler Stationen führen. Denn hinter dem harmlosen Titel verbergen sich prägnante Textzeilen à la "Lass uns tanzen und ficken, denn morgen sind wir tot". Wer glaubt, hiermit sei die unterste Geschmacksgrenze erreicht, wird von Baxxter eines Besseren belehrt: "Im Grunde ist das ein Text, der fast schon zu philosophisch ist für uns. Die Botschaft ist doch, dass du Spaß haben sollst im Leben."

Und je einfacher diese Botschaft ist, desto leichter wird sie von den Scooter-Fans in ganz Europa aufgeschnappt. Die Techno-Truppe hat es mittlerweile sogar in Asien und dem Ostblock zu Sanges-Ruhm geschafft. Bei der letzten Tour im vergangenen Jahr füllte H.P. mit seinen Kollegen große Konzerthallen. Die Live-Shows entwickelten sich zu einem Feuerwerk an Laser- und Pyroeffekten - gepaart mit den unzähligen Hits der Band.

Mit seinen mittlerweile 40 Lenzen denkt Scooter-Frontmann H.P. längst noch nicht ans Abdanken. Richtig abschalten kann der Mann, der sich auf der Bühne als Krawall-Onkel gibt, am besten zuhause bei seiner Frau oder in der Garage, wo seine Sammlung alter englischer Autos geparkt ist. Er braucht die Bühne und umgekehrt. Manchmal sehnt sich der gebürtige Ostfriese dann doch nach ein wenig Ruhe und Geborgenheit. Die will sich Hans-Peter in den nächsten Wochen von seinen Fans zurückholen. Schon wieder wollen Scooter dann "mal was anderes" machen: "Nach der Riesen-Tour 2006 planen wir, wieder verstärkt zurück an die Basis zu gehen." Kuschel-Konzerte mit Scooter? Das wäre übertrieben. "Aber wir wollen eine kleine Club-Tour durch Deutschland machen. So mit zehn bis 15 Terminen, ohne viel Schnickschnack, aber eben nah dran". Also eigentlich eine sehr einfache Philosophie.

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