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Living Colour: Das langsame Comeback

Mit ihrer Mischung aus Funk und Rock galten sie bis zur Trennung 1995 als eine der innovativsten Bands. Vor zwei Jahren haben sich Living Colour wieder zusammengefunden und jetzt ein neues Album veröffentlicht.

Die Pioniertaten seiner Crossover-Band Living Colour in der vergangenen Dekade will Sänger Corey Glover nicht mehr so hoch gehängt wissen: "Wir sind nicht die erste schwarze Rockband und wir sind nicht die letzte", erklärt er im Gespräch zum Comeback-Album "Collidescope" (Sanctuary/Zomba): "Es gab vor uns welche, die Funk und Rock gemixt haben, es gab ähnliche Bands, während wir gespielt haben und es wir auch in Zukunft neue, aufregende Bands in dieser Richtung geben."

Da hat er recht - und doch auch nicht. Zwar gab und gibt es diverse Legierungen aus den verschiedenen Elementen von "typisch weißem" Rock und "typisch schwarzem" Funk; doch auf so hohem Niveau wie Living Colour hat kaum eine andere Band je die Stile vermischt. In den Jahren von 1988 bis zu ihrer Trennung 1995 begeisterte die Band Rocker und HipHop-Fans gleichermaßen. Crossover hieß das neue Ding damals. Inzwischen beziehen sich ganze Genres auf die Pionierleistungen des Quartetts, ohne aber zumeist auch nur annähernd dessen spielerische Leichtigkeit und deren Power zu erreichen.

Viel Zeit bis zum Comeback-Album

Vor zwei Jahren schon haben die vier Mitglieder von Living Colour wieder zusammengefunden; dieser Tage erscheint ihr "Wiedervereinigungs"-Album. Eine lange Phase, die Glover, Vernon Reid (Gitarre), Doug Wimbish (Bass) und Will Calhoun (Schlagzeug) mit kleinen Tourneen, Aufnahmesessions und der weiteren Arbeit mit diversen eigenen Projekten verbracht haben. Dennoch mutet es ein wenig seltsam an, dass so viel Zeit zwischen Wiedervereinung und Comeback-Album liegt.

Lange Aufwärmphase

"Wir haben uns 1995 getrennt, nicht etwa, weil wir musikalisch in andere Richtungen gehen wollten; sondern vielmehr, weil wir uns emotional nicht mehr so gut verstanden haben", erklärt Glover. "Als wir jetzt wieder entdeckt haben, dass wir doch noch miteinander Musik machen wollen, brauchten wir einfach eine sehr lange Aufwärmphase. Wir mussten Schritt für Schritt neu lernen, wieder miteinander zu kommunizieren - nicht nur musikalisch, auf der Bühne, sondern auch so."

Zwischen HipHop-Beats und jazzigen Anleihen

Das Ergebnis dieser langen Annäherung ist durchaus respektabel: Auf "Collidescope" brillieren Living Colour wieder mit den Tugenden, die sie einst groß gemacht haben. Zwischen Metal-Riffs und poppig-funkigen Bass lassen sie viel Platz für hochmusikalische Spielereien, die weder vor technoiden HipHop-Beats noch vor jazzigen Anleihen eine Scheu zeigen. Die Frische ihres das übrige Werk überragenden Debüts "Vivid" fehlt vielleicht, doch wird dieser Mangel kompensiert mit einer noch breiter gewordenen musikalischen Basis.

Dem eigenen Stil treu geblieben

Glover mag allerdings keine neue musikalische Richtung in dem Album entdecken: "Wir haben unseren Stil kein bisschen verändert", sagt er: "Wir haben schon immer Samples gehabt, wir haben schon immer Jazzeinflüsse gehabt." Dennoch gibt es im musikalischen Bereich fast nichts, was Glover offensichtlich weniger schätzt als Stagnation. Verglichen mit seinen sonst recht wortkargen Ausführungen redet sich der Sänger hier fast in Rage: "Rockmusik war immer da und wird immer da sein. So gesehen kann es meiner Ansicht nach gar kein Rock-Comeback geben. Aber Rock muss sich selbst immer wieder erneuern, muss immer wieder neue Elemente in sich aufnehmen, damit er beweglich und interessant bleibt."

Wie beweglich Living Colour noch sind, davon kann man sich derzeit selbst ein Bild machen: Sie sind gerade auf einer kleinen -Tour in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs.

Tourdaten:

1.10. Freiburg (Jazzhouse)
2.10. - Innsbruck (Treibhaus)
4.10. Basel (Z-7)
5.10. München (Backstage)
6.10. Köln (E-Werk)
7.10. Mannheim (Feuerwache)
8.10. Berlin (Columbia Fritz)
9.10. Hamburg (Fabrik)

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