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MUSIK: Nur noch gedämpfte Klänge

Amerikas Radiolandschaft macht mobil: In verschiedenen Sendern kursiert eine etwa 150 Titel umfassende Liste von Musikstücken, die aus Pietätsgründen nicht gespielt werden sollen.

Radiohörer in den USA und in Deutschland werden bestimmte Musiktitel in der nächsten Zeit gar nicht mehr oder nur noch selten hören. Die größte US-Senderkette Clear Channel Radio schlug ihren angeschlossenen Häusern am Dienstag eine Liste mit Musiktiteln vor, die nach den Anschlägen auf die USA vorerst nicht mehr gespielt werden sollten. Auf der Liste stehen knapp 150 Lieder, darunter »Highway to Hell« von AC/DC oder der Klassiker »Stairway to Heaven« von Led Zeppelin.

Keine schwarze Liste in Deutschland

In Deutschland verzichten nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten die Sender der ARD vorerst auf Lieder wie »First we take Manhatten than we take Berlin« von Leonard Cohen oder »Burning down the House« von Tom Jones and The Cardigans. Eine gemeinsame Liste von problematischen Musiktiteln wie in den USA gibt es aber nicht.

Sender sind bei Musikauswahl unsicher

Ein Sprecher von Clear Channel Radio erklärte, die Programmdirektoren der einzelnen Sender sollten selbst entscheiden, ob sie sich an die Liste halten wollten. Die Liste sei erstellt worden, weil viele Sender zurzeit unsicher bei der Gestaltung ihrer Musikprogramme seien und Hörer nicht verärgern wollten.

Auf bestimmte Reizworte verzichten

Auch in Deutschland hatten Radiosender unmittelbar nach den Anschlägen ihr Musikprogramm geändert: Statt unterhaltsamer Titel spielten die Sender gedämpfte Klänge und viele Instrumentalstücke. »Es gehört zum Selbstverständnis eines Musikredakteurs, in solch einer Situation auf Lieder mit bestimmten Reizworten zu verzichten«, sagte ein Sprecher des Westdeutschen Rundfunk.

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