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Radio im Internet: Beats aus dem Bunker

Von Hamburg aus geht Byte.fm auf Sendung: ein neues Webradio, betrieben von Musikjournalisten. Geboten wird ein musikalisches Vollprogramm, das sich nicht auf einzelne Genres beschränkt, jenseits des Mainstream.

Von Andrea Ritter

Die Idee ist eigentlich ganz einfach: Ein Musiksender im Internet, mit professionellen Moderationen, Interviews und Konzertmitschnitten. Doch bisher gibt es so etwas in Deutschland noch nicht. Das soll sich nun ändern. Unter der Webadresse www.Byte.fm geht am 11. Januar um 12 Uhr der erste Internet-Radiosender mit musikalischem Vollprogramm auf Sendung, der sich nicht auf einzelne Genres beschränkt. Und außerdem Raum für das bieten soll, was im herkömmlichen Rundfunk immer seltener zu hören ist: Musik jenseits der Heavy Rotation, Sendungen, die aus den unzähligen neuen Platten und Szenen das beste herausfiltern.

"Wir wollen Radio im klassischen Sinn machen", sagt Ruben Jonas Schnell, Initiator und Gründer von byte.fm. "Ein Programm mit journalistischem Anspruch, das den Hörern vorstellt, was in der modernen Popmusik wichtig ist - und zugleich Hintergründe und Zusammenhänge berücksichtigt."

Schnell, der selbst seit 1991 als Moderator bei diversen Radiostationen arbeitet, konnte für sein Vorhaben namhafte Musikjournalisten verschiedener Sender und Zeitungen gewinnen, die künftig mit ihm das Programm bestreiten werden. Nachts, ab 24 Uhr, stellen DJs ihren persönlichen Mix zusammen. Darüber hinaus wird Schnell von Club-Betreibern und Konzertveranstaltern unterstützt. Das Studio von Byte.fm liegt im Luftschutzbunker am Hamburger Heiligengeistfeld - in der Radiogeschichte ein bedeutender Ort: Nach dem Zweiten Weltkrieg ging dort der Nordwestdeutsche Rundfunk auf Sendung. Ein Hamburger Lokalsender soll Byte.fm aber nicht sein. "Ausgangsidee für das Projekt ist, Musik-interessierte Menschen aus ganz Deutschland zu vernetzen und diesem Interesse eine Plattform zu geben", sagt Schnell.

"Die Popmusiklandschaft ist in den vergangenen Jahren vielfältiger, aber auch kleinteiliger geworden. Wir haben nichts gegen Mainstream. Aber gerade bei kleinen Labels gibt es viel Gutes zu entdecken - es ist bloß schwerer zu finden. Und diese Suche möchten wir erleichtern."

Startkapital lieferte ein Sponsor, der die redaktionelle Unabhängigkeit gewährleistet. Und dann? "Ohne Optimismus funktioniert so ein Projekt natürlich nicht", so Schnell. "Aber die Hauptsache ist für uns, dass wie jetzt erstmal anfangen." Los geht's am Freitag mit dem Song "Transmission" von Joy Division - "Dance to the Radio" heißt es da.

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