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Robbie Williams: Einer für alle

Seit er sich von der Boyband Take That trennte, ist Robbie Williams zum Popstar für alle aufgestiegen.

Seit seinem Rausschmiss bei der Teenie-Kapelle Take That ist der Robbie Williams zum größten Pop-Alleinunterhalter aufgestiegen. Längst sind es nicht mehr die Girlies aus der Boygroup-Zeit, die ihn anhimmeln. Ob Schulmädchen, Abteilungsleiter, Student oder Hausfrau - Robbie Williams ist heute der Konsens-Popstar: einer für alle.

Die Lässigkeit, mit der er seine Konzerte beherrscht, ist allerdings verschwunden, wenn man ihn ein paar Tage abseits der Bühne beobachtet. So wie vor einigen Jahren während seines Auftritts auf der Kölner Popkomm. Vor einer Show auf dem Dach des Sportmuseums sitzt er in seiner Umkleidekabine und kaut nervös an seinen Fingernägeln. Seine stechend grünen Augen suchen unablässig den Raum ab nach neugierigen Glotzern, die ihn verunsichern, sobald er nicht auf einer Bühne steht. Eben noch hat er auf einer Pressekonferenz zur Begeisterung der Journalisten breitbeinig seine Jeans runtergelassen, um einen Slip mit Tigerkopf-Aufdruck zu präsentieren. Nun fragt er ängstlich einen seiner Betreuer: "War ich wirklich gut?" Später erzählt einer aus seiner Band: "Rob ist nicht gleich Robbie. In der Öffentlichkeit ist er ein einzigartiger Entertainer, aber privat ist er ein großes, paranoides Kind."

Er ist als Robert Peter Williams im Arbeiterviertel in Stoke-on-Trent in Nordengland aufgewachsen. Seine Mutter arbeitet abends in einer Kneipe, sein Vater schlägt sich als mittelmäßiger Stand-up-Komödiant durch, der für den Sohn gleichwohl das große Vorbild ist. Noch heute sagt er: "Ich habe meinen Hang zur Show von meinem Dad, aber ich werde nie so gut werden wie er."

Als Robbie zwei ist, verlässt sein Vater die Familie, ohne einen Grund anzugeben - und wird zu einer Art Mythos. Robbie Williams will ihn sich zurückholen, indem er genauso wird wie er. Vorm Spiegel im Wohnzimmer übt er erste kleine Showeinlagen. Als er 14 ist, hat er seinen ersten öffentlichen Auftritt. Er spielt in einer Schulaufführung von Oliver Twist mit. "Ich lief pfeifend über die Bühne, und das ganze Publikum schnappte nach Luft, dabei hatte ich noch keinen Ton gesagt. Aber ich konnte hören, wie sie den Atem anhielten."

Von diesem Tag an will Robbie Williams nur noch eins: auf einer Bühne stehen. In der Schule fällt er durch jede Prüfung, und auf dem Schulhof rufen ihm seine Klassenkameraden höhnisch "Fatskin" ("Dickerchen") hinterher. Aber ausgerechnet am Tag, als er durch die Abschlussprüfung fällt, werden seine Gebete erhört. Im Radio hört seine Mutter, dass ein paar Jungs für eine neue Boygroup namens Take That gesucht werden. Sie schickt ein Videoband ihres Sohnes an den Manager. Ein paar Tage später hat Robbie Williams seinen ersten Job im Showgeschäft.

Doch aus Aufstieg und frühem Ruhm wird ein Höllentrip. Der Manager und Gruppendiktator Nigel Martin-Smith wacht mit strengem Drill über seine fünf Zöglinge, die als frische Teenie-Sensation rund um den Globus gejagt werden und Millionen von Platten verkaufen. "Ich durfte mit keinem Fremden reden. Niemand sollte Einfluss von außen auf uns haben. Ich durfte nicht einmal allein aufs Klo gehen", erzählt Robbie Williams.

Als er der Take-That-Fron entkommen war, begann die Zeit, in der er sich alles nahm, was das Leben einem echten Popstar bieten kann: Er soff, kokste, fraß und hatte eine von der Boulevardpresse genüsslich ausgeschlachtete Affäre mit der All-Saints-Sängerin Nicole Appleton. Am Ende des Trips brachte ihn sein Popkollege und enger Freund Elton John in eine Londoner Entzugsklinik.

Er hat das alles überlebt. "Es ist alles perfekt in meinem Leben, es könnte gar nicht besser sein im Augenblick", sagt er, "nur nehmt mir nicht den Applaus weg, denn dann bin ich in kürzester Zeit wieder ein Wrack."

Auszüge aus: stern 46/2001

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