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Robert Wyatt: Verschwommene Zwischenwelten

Auch auf seinem neuen Album präsentiert sich Robert Wyatt als Querdenker und Stimmungsforscher, der abseits gängiger Formate nach Klängen sucht, die im Pop-Betrieb unerhört bleiben.

Sicher sein sollte man bei Robert Wyatt nie. Der ehemalige Trommler der britischen Avantgardeband Soft Machine, der seit den 70ern in loser Folge und größeren Abständen als die Schallplattenindustrie erlaubt, Alben veröffentlicht, gehört zu einer aussterbenden Spezies von Musikern. Ein Querdenker und Stimmungsforscher, der abseits von Jazz-, Rock- und Klassikformaten nach den betörenden und skurrilen Klängen sucht, die im täglichen Pop-Betrieb unerhört bleiben.

Wyatts Stücke scheinen aus verschwommenen Zwischenwelten zu uns herabzusteigen, es gibt ein Schimmern und Schwelgen in diesen vollkommen Rockgitarren-freien Songs, eine Art Traummelodie, die sich bis zum letzten Ton fortgräbt, wesentlich getragen von Wyatts Piano und Trompete. Und von seinem Gesang, der, so befindet Wyatt inzwischen, sich wie das Gemurmel eines Stadtstreichers anhört.

Für "Cuckooland" hat der 58-jährige Brite einen Verein aus Freunden und Geistesverwandten um sich geschart, der seiner Vorstellung von ernsthafter Musik unaufgeregt Folge leistet: Brian Eno, David Gilmour, Paul Weller, Karen Mantler, Phil Manzanera, Drummer Michael Evans und der isralische Saxofonist Gilad Atzmon. In Robert Wyatt, das belegt auch dieses Album wieder, hat das Pop-Publikum einen kauzigen Freund gefunden. Zwischen Stück acht und Stück neun gibt es eine halbminütige Pause, Zeit genug, wie der Künstler bemerkt, um die CD zu wechseln oder den Wasserkessel aufzusetzen. Nach Stück acht sind nämlich schon 35 Minuten vergangen. "Wenige Symphonien von Mozart sind länger", schreibt Wyatt. "Und der war kein Faulpelz".