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Sabrina Setlur: Die deutsche Madonna

Sie war schon Schwester S., Sabs und die Kurzzeit-Freundin von Boris Becker. Vier Jahre nach ihrem letzten Studioalbum meldet sich Sabrina Setlur mit ihrer neuen Platte "Rot" zurück. Im stern.de-Interview spricht sie über persönliche Verletzungen und ihren Status als "deutsche Madonna".

Frau Setlur, die Texte auf Ihrem neuen Album sind gewohnt derb. So singen Sie im Titel "Rot" beispielsweise "Ich seh rot und allein in meiner Not, wünschte ich, du wärst tot und dir die Pest an den Hals, denn ich hasse dich so." Woher kommt diese Wut in Ihnen?

Ich denke, wenn dein Inneres von einer bestimmten Person so verletzt wird und du dich einfach missverstanden und nicht respektiert fühlst, sondern mit Füßen getreten, hat jeder Mensch diese Gefühle. Nur ich bin jemand, der sie aufschreibt, weil ich sie rauslassen muss. "Rot" ist wie eine weitere Episode von "Du liebst mich nicht". Ich hatte das in mir und habe es rausgelassen. Aber das heißt natürlich nicht, dass ich 24 Stunden lang mit dem Gefühl herum laufe.

Also geht es um eigene Erfahrungen mit Männern?

Das müssen nicht unbedingt Männer sein. Du kannst verletzt werden von einer Freundin oder von einem Mann. Es geht hier gar nicht um bestimmte Personen, es geht um das Gefühl, nicht verstanden zu werden, verletzt zu sein, sich wirklich getreten zu fühlen. Und das kannst du natürlich nur beschreiben, wenn du das auch selber erfahren hast.

Auch das letzte Album enthielt autobiographische Titel, z.B. über Ihre Kurzzeit-Beziehung mit Boris Becker.

Nein, eigentlich nicht. Bei "Ich bin so" ging es darum, dass die Medien sowieso schreiben, was sie wollen. Aber ich bin halt, wie ich bin. Ich habe noch nie ein Lied über so etwas geschrieben und finde das auch völlig schwachsinnig, weil die Medien schon genug darüber berichtet haben.

Sie singen in einem Titel: "Wie soll 'ne 43-Kilo-Frau die Last hier tragen?". Wenn das tatsächlich ihr Gewicht ist, klingt das ziemlich nach "Size Zero".

Es geht eigentlich eher um das Bild: eine kleine Frau, eine kleine Person, so wie ich das bin, die wirklich eine große Last auf sich trägt. Um die bildlich darzustellen, war diese Kg-Angabe sehr passend. Aber ich denke, um meine Gesundheit muss ich mir keine Gedanken machen.

Auf der anderen Seite scheinen Sie von sich recht überzeugt zu sein: Im Song "Discolampen" bezeichnen Sie sich als "die deutsche Madonna". Was haben Sie denn mit Madonna gemeinsam?

Das hat nichts mit Überzeugung zu tun. Damit kokettiere ich nur. Es macht halt unheimlich viel Spaß, mit Wörtern zu jonglieren. Wenn man sagt: "2007 der Rote Sommer, die Leute lieben die deutsche Madonna." Es ist einfach ein Reim, ein Spruch, mit dem ich kokettiere. Aber ich würde mich nie ernsthaft auf eine Stufe mit Madonna stellen.

Dennoch - es gibt bis heute in Deutschland keine erfolgreichere HipHop-Künstlerin als Sie. Da haben Sie doch schon eine besondere Stufe erreicht.

Trotzdem würde ich mich da nicht hochstellen. Ich bin so, mache meine Musik so gut ich kann und gebe sie gern weiter. Ich vergleiche mich auch nicht mit irgendjemand anderem. Ich bleibe da lieber auf dem Boden der Tatsachen und gucke, was vor meiner Haustür so los ist.

Ihre Single "Lauta" enthält ganze 13 verschiedene Versionen - braucht man das wirklich oder war das nur ein Argument, um ihre Platte in CD-Form an den Mann zu bringen?

Natürlich sind die 13 Versionen von "Lauta", das Video und Making Of Verkaufsargumente. Das kann ich nicht abstreiten. Wer hat schon so viele Mixe auf einer Maxi-Single, aber das ist doch für die Käufer etwas Tolles. Als klar war, dass "Lauta" eine Single wird, haben wir überlegt, Remixe zu machen. Zum einen haben wir Freunde gebeten und zum anderen gab es auch Leute, die sich gemeldet haben und gesagt haben, wir haben Bock einen Remix zu machen. Am Ende des Tages hatten wir dann 20 Mixe und Moses hat die 13 besten rausgesucht. Es war wunderschön zu sehen, wie flexibel und wandelbar "Lauta" ist und wie viel Spaß man mit "Lauta" haben kann und wie viel Spaß auch die Remixer hatten. Die zeigen mit ihrer Arbeit an meinem Lied ja auch unglaubliches Talent.

Trotzdem ist die Single nur auf Platz 25 in die deutschen Charts eingestiegen. Ist das schon ein Misserfolg für Sie?

Was ist heutzutage schon Misserfolg? Das ist jetzt mein sechstes Album und wer kann schon sagen, dass er sechs Alben rausgebracht hat? Dass Singles sehr holprig sind, weil es so viele Downloads gibt, weiß man ja eh. Ein sechstes Album zu machen, ist schon ein großer Erfolg. Es gibt nicht viele Künstler, die das vorweisen können.

Wer die Single als eine auf 200 Stück limitierte Sonderedition kauft, bekommt dazu ein Autogramm und einen Gutschein für ein fünfminütiges Telefonat mit Ihnen. Wie kamen Sie denn auf die Idee?

Ich habe auch eben gefragt, wer auf die tolle Idee gekommen ist! Und natürlich wie immer mein Chef, der Moses. Aber ich hab schon gesagt, dass wir uns die Anrufe dann aufteilen: 100 kriegt er, 100 kriege ich. Sonst kann ich nicht mehr singen.

Wussten Sie davon etwa gar nichts?

Doch natürlich. Es ist ja auch eine wunderschöne Idee. Ob es letztendlich wirklich 200 Leute sind, weiß ich ja nicht. Mal gucken, wer so anruft.

In der Pressemitteilung heißt es, der 15. Titel der Platte würde erst später unter Mitwirkung der Fans entstehen. Was ist daraus geworden?

Der ist natürlich jetzt fertig. Wir hatten ein "Rot"-Telefon und da konnten die Supporter anrufen und einfach sagen, warum sie das Leben in rot intensiver finden. Die haben dann ihre Sprüchlein gebracht und daraus wurde ein ganz rührender Track darüber, warum Leute das Leben intensiver in rot sehen. Das Stück heißt "Das Leben in Rot".

Interview: Christina Gest