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Starsailor: Jenseits der Weinerlichkeit

Mit ihrem ersten Album erspielten sie sich den Ruf als Heulbojen-Band. Jetzt überraschen Starsailor mit einem respektablen zweiten Wurf. Die Songs klingen zupackender und voller denn je.

Zugegeben: Starsailors erstes Album, "Love is here" von 2001, war ein umwerfender Erfolg. "Best new Band in Britain", adelte das Musikblatt "NME" das Quartett um Sänger James Walsh. Neben Coldplay und Travis erhob man die jungen Briten damit zur dritten Größe in der UK-Gitarrenszene. Doch es gab auch harsche Kritiker (oder waren es Neider?), die der Band nur eine kurze Halbwertzeit prognostizierten. Manch Indie–Fan stempelte Walsh als "Heulboje" ab - der habe wohl zu heftig auf die Pathos-Tube gedrückt.

Hatte man es hier etwa mit Eintagsfliegen zu tun? Mitnichten. Denn nun überraschen Starsailor mit einem überaus respektablen zweiten Wurf. Walsh hat aus der Vergangenheit gelernt: Nachdem er sich auf Tour beinahe die Stimmbänder ruiniert hatte, arbeitete er an seiner Technik und nimmt sich nun auf "Silence is easy" stimmlich wohltuend zurück. Natürlich nicht, ohne das typische melancholische Timbre beizubehalten.

Und doch klingen die Songs zupackender und voller denn je. Bei einigen Stücken, wie dem eindringlichen "Bring my love" und dem hitverdächtigen "Four to the Floor", mischen sich sogar Streicher zum vormals spärlichen Akustik-Set. Starsailor beweisen Vertrauen in die Strahlkraft ihrer verträumten Melodien und kommen großteils ohne die früher bisweilen überstrapazierte Weinerlichkeit aus.

Die mit Spannung erwarteten zwei Titel, die man vom großen Meister Phil Spector produzieren ließ ("Silence is easy" und "White Dove"), fügen sich übrigens erstaunlich bruchlos ins Ganze. Mit ihrem zweiten Album haben sich Starsailor freigeschwommen und beweisen, dass sie mehr sind als nur traurig klingende Jungs. Sie haben ein reifes Pop-Album auf die Beine gestellt, das flüchtige Trends überdauern wird.

Antje Scholz
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