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Stereo Total: Zwei zwischen Chanson und Punk

Auf ihrem sechsten Album "Do the Bambi" klingen Stereo Total eigentlich nicht anders als auf den vorherigen Platten: punkige Gitarren treffen auf billige Synthesizer, Sixties-Beat und Siebziger-Jahre-Schlagerseligkeit.

Stereo Total sind Francoise Cactus und Brezel Göring. Sie leben in Berlin und gerade ist ihr sechstes Album "Do The Bambi" (Disco B/Indigo) erschienen. Es klingt nicht recht viel anders als die übrigen Stücke, die die zwei in ihrer zehnjährigen Karriere bereits veröffentlicht haben. Aber Stereo Total sind weit davon entfernt zu langweiligen. Sie stricken weiter an ihrer eigenen Version von Pop, die sich erfolgreich wehrt gegen jeden Versuch einer An- oder Einbindung in Schulen, Klassen, Grüppchen.

Stereo Total sind zu zweit. Das reicht ihnen offensichtlich. "Nein, wir fühlen uns nicht allein", erklärt Francoise Cactus in ihrem unwiderstehlichen Französisch-Deutsch: "Wir wollen nur nicht Teil einer bestimmten Szene sein. Immer wieder gibt es neue Labels wie 'Electroclash' oder neue Tendenzen, was man jetzt wie macht. Wir scheißen auf Tendenzen. Deswegen wollte wohl am Anfang keiner unsere Platten herausbringen."

Erstes Treffen in der Bäckerei

Am Anfang - das war im gerade frisch vereinigten Berlin Anfang der Neunziger. Es gab noch keinen Hype um die Stadt, die neue Mitte war noch ein gähnendes Loch und wenn "Underground"-Musik erklang, dann war das fast immer Techno. Doch Stereo Total waren zu zweit. Nachdem sich Cactus und Göring in einer Bäckerei kennengelernt hatten. Zu zweit im fruchtbaren Dialog entwickelten sie eine morbid-chice Mischung aus punkiger Gitarre und billigem Synthesizer, Sixties-Beat und Siebziger-Jahre-Schlagerseligkeit, französischem Charme und Berliner Schrulligkeit, Sexiness und Rabaukentum. Hier haben sich zwei gefunden und etwas erfunden, das einfach passt. Auch wenn Stereo Total ein wenig gebraucht haben, um den Rest der Welt mit ihrem Outlaw-Chansons zu überzeugen.

Die ersten Platten kamen auf Klein- und Kleinstlabels heraus. Erst gegen Ende der Neunziger erreichten Cactus und Göring ein größeres Publikum. Ohne sich im geringsten zu verbiegen. Die zwei sind Gemütsmenschen. Ihre Musik kommt direkt aus dem Bauch. Und ein bißchen aus dem Hintern. Cactus erhählt: "Es sind sehr viele Stücke auf 'Do The Bambi'. Einfach, weil wir schön länger keine Platte mehr gemacht haben. Da hat sich einiges angesammelt. Außerdem haben wir in zwei Sessions aufgenommen: Einmal im Winter, da wurden die Stücke, sehr dunkel, sehr huh! Dann machten wir noch eine Session im Frühjahr, das wurde dann lustiger. Am Ende haben wir nur ein paar Stücke weggeschmissen, weil wir fast alle mochten. Wem's zu viel ist, der kann ja die Stopp-Taste drücken!"

Musik und Film

Aber die Musik von Stereo Total kommt auch aus den Augen und aus dem Kopf. "Viele Stücke auf der neuen Platte haben mit Filmen zu tun", sagt Francoise Cactus. "Babystrich" beispielsweise entstand aus der Begleitmusik zu einem Abend mit der Vorführung des Filmes 'Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo"; "Vive le week-end" war ursprünglich Begleitmusik zu einem Godard-Abend. Dennoch formieren sich die Stücke auf "Do The Bambi" fast fugenlos zu einem feschen Pop-Album zusammen, frech, schrullig, verspielt, ehrlich, gefühlvoll und funky - "immer ein bißchen sexy, ein bisschen romantisch", wie es Francois Cactus so treffend beschreibt.

Tourdaten:

17.03. Berlin, Postbahnhof
23.03. Dresden, Alter Schlachthof
24.03. Leipzig, Conne Island
25.03. Jena, Kassablanca
26.03. München, Muffathalle
27.03. Erlangen, E-Werk
28.03. A-Wien, Fluc Mensa
29.03. A-Linz, Postbahnhof
30.03. A-Dornbirn, Conrad Sohm
31.03. CH-Zürich, Moods
01.04. CH-Genf, L'Usine
02.04. CH-Luzern, Boa
03.04. CH-Aarau, Kiff
04.04. Stuttgart, Röhre
05.04. Frankfurt, Mousonturm
06.04. Köln, Stollwerck
07.04. Düsseldorf, Zakk
08.04. Hamburg, Fabrik
09.04. Hannover, Indiego Glocksee
10.04. Kiel, Pumpe

Markus Schwarz/AP / AP
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