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Superpunk Die Rückkehr der Top Old Boys


Ungekünstelt und energiegeladen: Auch auf ihrem neuen Album spielen Superpunk die einzig legitime deutsche Variante des Northern Soul mit Texten, die den Alltag ein klein bisschen liebenswerter machen.

Der Pudel kocht. Hamburgs Hafenclub platzt aus allen Nähten, ohne Pause schieben sich von draußen nassgeregnete Menschen in den kellerartigen Betonverschlag und geben dampfige Wolken von sich. Das Release-Konzert der Lokalhelden Superpunk will sich keiner entgehen lassen. "Einmal Superpunk, bitte" heißt das neue Baby. Viel Indie-Prominenz hat sich unters Volk gemischt, Schorsch Kamerun, Studio Braun und Jan Müller von Tocotronic werden gesichtet.

Und ganz vorne, auf der Schwindel erregend kleinen Bühne, zelebrieren Superpunk die einzig legitime deutsche Variante des Northern Soul. Der Sound ist so schlecht, dass er fast schon wieder gut ist. Sänger Carsten Friedrichs schreit sich die Seele aus dem Leib, man versteht ihn kaum. Gut, dass die meisten sowieso den Großteil der Texte kennen. Und egal wie das klingt, alle lieben es.

Versöhnliches und Alltagspoetisches

Zieht man sich doch genau die Sinnsprüche aus den Texten, die den Alltag ein klein bisschen liebenswerter machen. "Tu einfach dein Bestes und mach dir keine Sorgen" sollte man sich für die tägliche Zahnputzmeditation auf den Badezimmerspiegel schreiben. Oder "Es gibt nur ein Leben, und deshalb weiger' ich mich, aufzugeben." Das ist versöhnlich, das hat gefehlt im arktischen Hamburger Sommer der Mini-Depressionen. Natürlich scheppert auch Altbekanntes aus den Boxen: "Neue Zähne für meinen Bruder und mich" oder auch "Ich bin kein Ignorant" vom Vorgänger-Album "Wasser marsch!"

Musikalische Experimente sind hier zweitrangig. Aber warum auch die bewährte 60s-Beat-auf-Speed-Masche ändern? Ungekünstelt und energiegeladen geht ein Song nach dem anderen derbe nach vorne. Hätte man im Pudel nicht ohnehin schon so geschwitzt - die Flüssigkeit hätten sich munter beim Abrocken ihren Weg gebahnt.

"Der Soul des kleinen Mannes", hat mal ein Kritiker über die Musik der fünf "Top Old Boys" geschrieben. Richtig so. Wenn dem kleinen Mann schon ständig in die Tasche gegriffen wird, soll er wenigstens gute Musik hören.

Antje Heidböhmer

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