HOME

The Breeders: "Deutsch klingt cool"

Die Pixies schweigen in ihrer selbst verordneten Bandpause. Derweil lärmt Gitarristin Kim Deal mit Zwillingsschwester Kelley in ihrer eigenen Band The Breeders. Am 22. April stellt die Indie-Rockerin das neue Album "Mountain Battles" in Köln vor, auf dem sie erstmals einen Song auf Deutsch singt.

Von Annette Stiekele

Kaum jemand kennt The Breeders. Ihre Rockhymne "Cannonball" mit dem eingängigen Basslauf hat dagegen jeder schon einmal gehört. Das passt nicht wirklich zur Philosophie von Kim Deal, die im Hauptberuf Bassistin der Indierocklegende The Pixies ist und ihr 1988 mit Tanya Tonelly von den Throwing Muses gegründetes Nebenprojekt The Breeders entwarf, um auch hier dem Mainstream zu trotzen. Und zwar mit geballter weiblicher Energie. Sie selbst war frustriert von Frank Blacks diktatorischem Pixies-Regiment, Tonelly abgenervt von ihrer Bandleaderin Kristin Hersh. Auf einer gemeinsamen Tournee fanden sich die Frauen zusammen und beschlossen, ihr eigenes Ding zu machen.

Am Anfang hielten sich die Breeders tapfer im Untergrund. Ihr erstes Album "Pod" verkaufte sich 1990 kaum, Kritiker mäkelten am Sound herum, scholten ihn als "Pixies für Arme". Deal sang zu ruppigen 90er-Jahre-Gitarrenrock über eigenwillige Sexpraktiken und Abtreibung und sammelte damit Anhängerinnen von rauer Girl-Power-Musik ein, die später sicher einmal Courtney Love oder Melissa Auf der Maur verehren würden. Mit den Jahren wurde sie selbst bossy. So sehr, dass es Donelly irgendwann zu bunt wurde und sie die Band 1992 verließ, um ihr neues Projekt "Belly" zu gründen.

Zwangspausen durch Akte der Selbstzerstörung

Als Ersatz stand Kims Zwillingsschwester Kelley bereit, mit der sie auch schon in jungen Jahren durch Ohio getingelt war. 1991 reichte es nur zu einer EP "Safari". Doch schon ein Jahr später erlebten die Schwestern den Durchbruch mit dem Song "Cannonball". Kult-Regisseur Spike Jonze kreierte ein stylisches Video dazu. Der Song schaffte es schließlich bis auf Platz zwei der Charts, das dazugehörige Album "Last Splash" wurde ebenfalls ein Bestseller. Es war erfolgreicher als jemals ein Pixies-Album. Passend dazu verkündeten die Pixies ihre Auflösung. Doch auch bei den Breeders drohten Zwangspausen. Zwischen den einst kreativen Köpfen gab es nun den Wettbewerb, sich in Vernachlässigung und Selbstzerstörung zu übertreffen. Kelley landete im Drogenentzug, Kim hing an der Flasche. Die übrigen Mitglieder widmeten sich eigenen Solo-Projekten.

Auch Kim Deal schuf mit The Amps einen weiteren Ableger Es folgten halbherzige Wiederbelebungsversuche, doch die Breeders drohten in Vergessenheit zu geraten, bis The Prodigy "Cannonball" als Sample in ihrem Hit "Firestarter" verwendeten. Erst 2002 sollte mit "Title TK" ein neues Breeders-Werk das Licht der Welt erblicken. Und das liegt jetzt auch schon wieder fünf Jahre zurück. Die Wege zwischen den Mitgliedern seien zu weit, heißt es. Doch nun steht mit "Mountain Battles" tatsächlilch ein neues Album in den Läden. Produziert hat es Steve Albini, der schon den Erstling zusammenleimte. Nach zahllosen Bandumbesetzungen - ingesamt hat die Band über die Jahre sieben Mitglieder verschlissen - steuern heute Kelley und Kim Gitarren und Gesang bei, während Jose Medeles für Schlagzeug und Percussion und Mando Lopez für den Bass zuständig sind.

"Punk klingt cool auf Deutsch"

"I Love No One And No One Loves Me" singen Kim und Kelley ziemlich roh aber erstaunlich unkaputtbar in dem ruppigen Song "Bang On". Es hat etwas von abgrundtiefer Verzweiflung. Über relativ monotonen Drums schrammen die Zwillinge protestierend ihre Gitarren. Noch immer beschwören sie die typisch schrägen Indierockmelodien der 90er-Jahre, die aus dem Kosmos von damaligen Indie-Größen wie den Pixies oder Pavement wohl vertraut und lieb gewonnen sind. Und tatsächlich singen sie hier sogar einen Punk-Song auf Deutsch und liefern dazu eine schier unglaubliche Begründung. "Es geht dabei nicht ums Deutsche", meint Kim Deal. "Ich finde, es hört sich einfach gut an. Die Sprache klingt cool."

Tatsächlich stehen hier mit "Walk it Off" und "It’s The Love" endlich auch wieder zwei Songs unter Hitverdacht. Es bleibt zu hoffen, dass die Band in den fünf Jahren Pause neue Kraft getankt hat. Die Deal-Schwestern sind schließlich für ihre energetischen Live-Auftritte berühmt. Und davon können sich die Zuschauer am 22. April bei ihrem einzigen Clubkonzert in Deutschland im Kölner Luxor selbst überzeugen.

Themen in diesem Artikel