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Wiedereröffnung Hansa-Theater: Pudel und Schnittchen

Eine Legende ist wieder da. In Hamburg hat das Varieté Hansa-Theater seine erste Vorstellung seit sieben Jahren präsentiert. Mit dabei waren viele Promis und ein Pudel.

Von Kester Schlenz

Hamburg. Steindamm. Rotlicht-Bezirk. "Wat'n hier los?" grunzt ein Penner und bleibt vor dem Hansa-Theater stehen. "Dat is doch dicht." Aber dicht ist ganz offensichtlich nur der Herr. Der Varieté-Klassiker aber ist nach sieben Jahren Winterschlaf wieder eröffnet worden. Von Thomas Collien und Ulrich Waller, Leiter des St- Pauli-Theaters, mit Sinn für Skurriles und Kleinkunst.

Und nun herrscht Hamburger Promi-Auftrieb inmitten von Sex-Shops und Straßenstrich: Udo Lindenberg, Dagmar Berghoff, Senatoren und sogar Monika Bleibtreu sind da. Die mit Abstand sympathischsten Celebrities aber sind das Schauspieler-Ehepaar Walter Giller und Nadja Tiller, verheiratet seit dem Ende der napoleonischen Befreiungskriege. Dick eingemummelt haben sie sich aus dem Altenwohnheim aufgemacht, um Jongleure, Akrobaten, Musik und Kabarett zu sehen und zu hören.

"Was ist das für ein Gefühl, wieder hier zu sein?" fragt eine Reporterin und rammt Frau Tiller ihr Mikro fast in den Rachen. "Schön", sagt die geduldig. Und Walter zeigt sein mildes Giller-Lächeln, das einen sofort in die Filmwelt der 50 und 60er Jahre zurück schickt. Drinnen im Theater ist die Zeitreise noch krasser: Plüsch, Samt, Leuchter, schwere Vorhänge, Schnittchenteller und auf jedem Tisch ein Kippschalter für den "Kellnerruf".

Eine Legende wird reanimiert

Seit 107 Jahren gibt es das Varieté: Josephine Baker und die Comedian Harmonists sind hier aufgetreten. 2001 war Schluss mit lustig. Nun also geht es weiter. Nach einer launigen Eröffnungsrede der Theatermacher wird jongliert, gezaubert, akrobatiert - und extrem hässliche Pudel zeigen putzige Kunststücke. Das Publikum geht gut mit. Das Ganze wird sozusagen mit einer ironisch hoch gezogenen Augenbraue goutiert. Man will sich amüsieren, und tut es einfach. Der Kabarettist Heinrich Pachl führt sehr launig durchs Programm, Stefan Gwilis und Rolf Claussen singen, und wenn man wieder raus geht, hat man sich herrlich unter seinem Niveau unterhalten lassen – und echt lecker Schnittchen gegessen.