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"Deutschland sucht den Superstar": Der Dieter und die Dividende

Bei der fünften Mottoshow der fünften Staffel von "DSDS" konnte man sich auf kein Motto einigen. Doch man erfuhr einiges zu Dieter Bohlens Geschäftsmodell. Die Perlen seiner Wertschöpfungskette kullerten durch die ganze Sendung.

Von Malte Krebs

Selbst Moderator Marco Schreyl war sich zu Beginn nicht mehr so ganz sicher: "Sie sind in der vierten Mottoshow - in der fünften Mottoshow von Deutschland sucht den Superstar." Und tatsächlich konnte man nach fast drei Monaten schon etwas durcheinander kommen. Vor allem, weil sich die Macher bei der fünften Mottoshow in der fünften Staffel von "DSDS" auf kein Motto einigen konnten. Gesungen wurde, was auf den Tisch kam - und das bestimmte die Jury. Eine der Hauptzutaten auch diesmal wieder: Bohlen. Bohleneintopf, sozusagen.

"Reißt euch zusammen!" hatte der in den Bild-Einblendungen schlicht als "Poptitan" apostrophierte Dauerjuror seinen Schutzbefohlenen in der letzten Sendung entgegengedonnert. Entsprechend eingeschüchtert zeigten sich die sechs verbliebenen Kandidaten bei ihrer Präsentation. Der jüngst gescholtene und ausgebuhte Benjamin Herd hatte Besserung durch 20 Gesangsstunden gelobt, der durch Grippe und Gedächtnisverlust zuletzt geschwächte Thomas Godoj zeigte sich ebenfalls geläutert, und Rania Zeriri hatte plötzlich doch wieder ganz doll Lust, ein "Superstar" zu werden. Geholfen hat das alles wenig, denn diesmal geriet die Vorstellung insgesamt zu einem Reigen der Mittelmäßigkeit, bei dem vor allem einer seinen Spaß hatte: Dieter Bohlen.

Bohlen aus dem Feuer holen

Gemäß dem Motto "Tantiemen vor Talent" wählte er für seine Kandidaten vor allem Eigenkompositionen aus seinem reichhaltigen Repertoire. Dem als "Spezialist für hochwertige Schmusesongs" angekündigten Fady Maalouf hatte Bohlen die Hymne aus der ersten Staffel "We have a Dream" aufgedrückt, eine Quersumme aus "Circle of Life " von Elton John und Weihnachtslied. Schlotternd und schmetternd schmachtete sich Fady durch die Nummer. Bohlen war ganz gerührt von der Interpretation seines Songs - "und mehr", so fasste Moderator Schreyl in einem seiner lichtesten Momente das Prinzip der Sendung zusammen, "kann man bei DSDS nicht erreichen."

Auch Monika Ivkic reihte sich ein in diese Wertschöpfungskette, trug das einzige deutschsprachige Lied des Abends vor: "Für Dich", ebenfalls aus der Feder des gelernten Diplom-Kaufmanns Dieter Bohlen, im Original gesungen von Yvonne Catterfeld. "Das ist nicht meine Musikrichtung. Es ist etwas, was mich quält, aber ich muss da durch" hatte Monika vorher gesagt. Auch die Zuschauer mussten da durch: "Für Dich dreh' ich so lang an der Erde bis Du wieder bei mir bist". Dabei unterstütze sie ihren braven Vortrag durch pantomimische Drehbewegungen und punktgenaues Lächeln in die Kameras. Dieter fand es prima und brachte abschließend seine musikalische Message unters Volk: "Ich mache Musik, weil ich möchte, dass Menschen meine Platten kaufen."

Weniger Geschick in punkto marktgerechter Präsentation zeigte Rania Zeriri. Das als "Antidepressivum" gedachte "Valerie" zerdehnte sie mit ihrem Schnulzen-Timbre bis zur Unkenntlichkeit, irrlichterte in Tonlage und Qualität deutlich unter der Leistung von Amy Winehouse, die mit dem Song der Zutons derzeit in den Hitparaden ist. Für Nesthäkchen Benny wurde "Señorita" von Justin Timberlake ausgesucht, eine unüberwindbare Hürde wie sich herausstellte. Die Hose schlackerte, die Stimme schlingerte und die Jury war sich einig: Das war nichts.

Hilfe gegen Bohlens Marktmacht

Ganz anders Linda Teodosiu, die sich mit "Because of You" von Kelly Clarkson souverän eine Runde weiter sang. Gegen die geballte Marktmacht von Bohlen holte sich Co-Juror Andreas Läsker Hilfe von einem aus seiner ehemaligen Posse: Michi Beck von den Fantastischen Vier äußerte sich knapp aber wohlwollend: "gut gemacht". Auch Thomas Godoj sang sein "Shadow Of The Day" von Linkin Park zur vollen Zufriedenheit des Dreiergestirns, Bohlen wünschte sich jedoch etwas mehr Einsatz und forderte fürs Finale, bitteschön, eine Bohlenkomposition.

Ähnlich zäh wie das kurz zuvor zu Ende gegangene DFB-Finale in Berlin zog sich auch der Kölner DSDS-Abend in die Länge. Wieder die flehenden Telefon-Gesten der Kandidaten in die Kamera. Wieder ließ sich Marco Schreyl schier endlos Zeit, bis er die von vornherein völlig überschaubare Situation auch dem Letzten begreiflich gemacht hatte und die existenzielle Fallhöhe aufgebaut hatte, bis der kleine Benny schließlich wenig überraschend von den Zuschauern per Nichtanruf nach Hause geschickt wurde. Schon vorher hatte sich die Jury zu keinem klaren Urteil durchringen können. Ihr Gesamturteil changierte zwischen "nicht so angeprickelt" und "besser gefallen" - die ganz große Begeisterung geht anders. Aber darum ging es ja auch nicht an diesem Abend.